Aachen - Manchmal ist es ziemlich laut, wenn man die Welt verbessert

Manchmal ist es ziemlich laut, wenn man die Welt verbessert

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Strahlende Weltverbesserinnen: Diese Mädchen brachten im Rahmen der bundesweiten „72-Stunden-Sozialaktion” die gemeinnützige Kleiderkammer von St. Philipp Neri auf Vordermann. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wenn die Welt ein bisschen besser wird, dann ist das eine ziemlich laute Angelegenheit. Bohrmaschinen kreischen, Hammerschläge donnern, untermalt wird das Ganze vom monotonen Brummen des Staubsaugers. Und so eine Weltverbesserung ist nicht nur laut, sondern auch anstrengend. Sie erfordert eine gute Idee, Vorbereitung und nicht zuletzt die Bereitschaft, kräftig anzupacken.

Die Mädels, die ihr freies Wochenende gegen einen Arbeiteinsatz in den Kelleräumen des Gemeindezentrums St. Philipp Neri eingetauscht haben, bringen all das mit. Ihre Idee: Den gemeinnützigen Kleiderladen neu gestalten, der dort kürzlich eröffnet hat. Es ist ihr Beitrag zur Initiative „72 Stunden - Uns schickt der Himmel”.

So hat der Bund deutscher katholischer Jugend seine große Sozialaktion genannt. Die Idee dahinter: Heranwachsende sollen sich mit ehrenamtlicher Arbeit für etwas einsetzen, dass ihnen wichtig ist. Nicht nur in Aachen wird an zahlreichen Stellen gehämmert, gebohrt und gesaugt, sondern in der gesamten Republik. Bundesweit beteiligen sich rund 100.000 Jugendliche. 72 Stunden haben sie Zeit, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Und deswegen ist es im Kleiderladen des Gemeindezentrums St. Philipp Neri gerade ziemlich laut.

„Zeichen in die richtige Richtung”

„Ich hoffe, wir werden bis morgen fertig”, schreit Miriam Baumsteiger gegen Bohrmaschine und Staubsauger an. Klar, vieles ist schon erledigt. Die Mädels haben die alten, klobigen Schränke auseinandergebaut, in denen die Klamotten vorher gelagert waren. „Die meisten waren sowieso reif für den Sperrmüll. Da haben wir einfach mit grober Gewalt draufgehauen”, sagt die 16-jährige Miriam. Gerade wühlt sie sich mit Christine Jansen durch die riesigen Kartons, in denen sie das Bekleidungssortiment zwischengelagert haben.

„Ich weiß nicht, ob wir hier mit die Welt wirklich besser machen, aber wir setzen auf jeden Fall ein Zeichen in die richtige Richtung. Darum geht´s”, sagt Christine und sortiert eine Hose aus, die nun wirklich nicht mehr an den Mann zu bringen ist. Klamotten, die Müll sind, wandern in selbigen, was noch gut ist, kommt in die neuen Regale.

An denen arbeiten Ruth Overs und Lisa Pankert gerade mit Hochdruck. Die Wand wurde bereits zuvor neu gestrichen, die Mädels haben sich für ein knalliges gelb entschieden. „Weiß fanden wir zu trist. Vielleicht kommen so ja auch mehr Leute”, hofft Ruth, während Lisa schon wieder die Wasserwaage ansetzt.

Für Arnold Graaf und Mathias Pankert bleibt da nicht viel mehr als die Beobachterrolle. Eigentlich dachten die beiden gestandenen Handwerker, sie müssten kräftig mit anpacken. Ist aber gar nicht so. „Die Mädels machen das gut”, lobt Pankert. Womit er Recht hat. Wichtig ist, dass die Mädels etwas machen. Heidi Baumsteiger, die das Projekt betreut, ist jedenfalls sehr angetan: „Es macht mir einfach Freude, das zu sehen”. Auch wenn es dabei ziemlich laut ist.

Kaffee, Klönen und Klamotten lautet der Leitspruch des „Café4You”, Philipp-Neri-Weg 9, in dessen Keller der Kleiderladen untergebracht ist. Geöffnet ist er jeden Donnerstag von 9-11 Uhr und 17-19 Uhr. Dann können eigene Klamotten gegen andere oder aber kleines Geld getauscht werden.
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