Mancher Wunsch scheitert am Geldmangel

Von: Marion Wingen
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Spielplatz
Die Spielplatzbeauftragte und ihr Lieblingsspielplatz: Das Areal an der Arlingtonstraße ist ausgezeichnet gelungen. Aber so sehen nicht alle der 232 Spielplätze in Aachen aus. Petra Nagelschmitz-Goffart muss zwischen Wunsch und (finanzieller) Wirklichkeit schaukeln. Foto: Marion Wingen

Aachen. Susanna ist fünf Jahre alt und hat eine genaue Vorstellung davon, was sie auf einem Spielplatz alles machen will: rennen, klettern, schaukeln, rutschen, im Sand buddeln. Eine Seilbahn ist super, verstecken muss man sich können, und man braucht vor allem viel Platz und eine Wiese.

Zum Toben, Ballspielen und zum Ausruhen. Das sieht Susannas Mama auch so, aber sie möchte auch, dass der Spielplatz sauber ist, ohne Hundekot und Scherben, und vor allem sicher sollte er sein, nicht zu abgelegen und einsehbar.

All dem kann sich die Spielplatzbeauftragte der Stadt, Petra Nagelschmitz-Goffart vom Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, anschließen. Für sie bietet der ideale Spielplatz allerdings noch mehr. Er sollte unterschiedliche und vielfältige Bewegungsanreize bieten, sollte Aufenthaltsraum für Menschen jeden Alters und so ein Treffpunkt für Generationen sein. Im Idealfall.

Aber die Spielplatzbeauftragte weiß auch: Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch machbar - oder besser gesagt: finanzierbar. Und sie weiß auch, dass bei den insgesamt 232 öffentlichen Spielplätzen in Aachen alles dabei ist.

Von sehr schön bis unansehnlich

Es gibt sehr schöne, aber auch vernachlässigte, unansehnliche Areale. Wie zum Beispiel in der Richardstraße, Ecke Gottfriedstraße. Oder der Spielplatz Thomashofstraße. Dort müssen die städtischen Mitarbeiter des Stadtbetriebs sogar Drogenbestecke entfernen, wenn sie zur Pflege und Wartung ausrücken.

Vier Mann hat Franz Narloch, Leiter des Stadtbetriebs, ganztags im Einsatz - allein im Innenstadtbereich. Hinzu kommen noch die Mitarbeiter, die in den Kolonnen der Stadtbezirke die dortigen Spielplätze verantworten.

Narloch beziffert die jährlichen Pflege- und Unterhaltungskosten im Stadtbetrieb auf rund eine Million Euro. Einmal im Jahr wird der Sand ausgetauscht, und die vier Mitarbeiter des Stadtbetriebes müssen auch noch die Spielplätze in Schulen und Kitas sowie die „hausnahen Spielplätze” in privater Eigentümerschaft überprüfen.

Ein strammes Programm bei mehr als 4000 Spielgeräten. Die keineswegs alle neu sind. Und das bei begrenzten Finanzmitteln: 250.000 Euro hat Nagelschmitz-Goffart für die Gestaltung von Spielplätzen im Budget. Was auf den ersten Blick nach viel aussieht, relativiert sich schnell.

Mit 100.000 Euro schlug allein die Sanierung des Bolzplatzes an der Frankenburg zu Buche. Da bleiben für die restlichen 231 Spielplätze noch 150 000 Euro. Davon müssen neue Spielplätze bestückt, kaputte Geräte ausgetauscht werden, und, und, und.

Sicht- und Funktionskontrollen sind ein wichtiges Thema. 2009 hatte die Stadt mit schweren - teils sogar als lebensgefährlich eingestuften - technischen Mängeln bundesweite Schlagzeilen gemacht, als der TÜV Rheinland stichprobenartig öffentliche Spielplätze kontrollierte. Aber immerhin hat sich etwas getan.

2008 hatte es nach fünf Jahren Leerlauf erstmals 38 000 Euro für die Gestaltung der über 200 Spielplätze gegeben. Peanuts. 2010 und 2011 gab es dann die besagten 250 000 Euro, die immer noch eher ein Tropfen auf den heißen Stein sind.

Derzeit erstellt die Verwaltung ein Spielplatzkataster, das alle Areale erfasst und mit Blick auf die demografische Entwicklung bewertet. Wo wohnen wie viele Kinder einer bestimmten Altersgruppe? Welche Sozialstruktur gibt es wo? Wo gibt es ein ausreichendes Angebot?

Nur so könne man Schwerpunkte setzen und Spielplätze aufwerten, wo es nötig ist und überlegen, wo man einen Spielplatz zugunsten eines anderen zurückbauen - wohlgemerkt nicht schließen - kann.

Positivbeispiel Arlingtonstraße

„Aachen ist von der Anzahl der Spielplätze her gut aufgestellt”, resümiert Petra Nagelschmitz-Goffart, die als Spielplatzbeauftragte die Interessen der Kinder wahrt.

„Wir wollen unser Bestes geben und können leider nicht alles möglich machen. Aber wir sind dabei zu optimieren.” Gut gelungen ist das der Spielplatzbeauftragten auf jeden Fall auf dem neuen Spielplatz, der im Neubaugebiet an der Arlingtonstraße in Forst entstanden ist.

Ein vielseitig gestaltetes, großes Areal, das Kinder verschiedener Altersstufen anspricht. Auch Mama, Papa, Oma und Opa, die sich, auf der Boulebahn versuchen können.

Susanna würden die riesigen Klettertürme und -felsen bestimmt gefallen. Platz zum Verstecken, Sandburgen bauen, Rennen, Schaukeln und Rutschen gibt es reichlich. Also nicht wie hin.
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