Mancher ist froh, wenn die Waffe weg ist

Von: Stephan Mohne und Udo Kals
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Prall gefüllt: Die Waffenkamm
Prall gefüllt: Die Waffenkammer der Polizei quillt fast über. Viele Waffenbesitzer geben ihre Stücke freiwillig ab. Foto: Polizei Aachen

Aachen. Winnenden ist nicht vergessen. Im Nachttisch von Jörg K. lag die geladene Schusswaffe, mit der sein 17-jähriger Sohn 15 Menschen und sich selbst erschoss. Natürlich hätte die Waffe dort nie liegen dürfen. Vielmehr gibt es strenge Vorschriften zur Aufbewahrung legaler Waffen, für die man einen geeigneten Tresor braucht.

Aber halten sich auch alle Waffenbesitzer an diese Vorschriften? Dieser Frage geht die Aachener Polizei jetzt mit einer groß angelegten Aktion nach. Sie besucht alle Waffenbesitzer in der Städteregion. Das ist keine kleine Aufgabe: Sage und schreibe 3350 Menschen sind in der Städteregion als Waffenbesitzer registriert.

„Das ist eine riesige Herausforderung, denn mehr Personal haben wir für die Kontrollen nicht bekommen”, sagt Regierungsamtsrat Gunter Nürnberger, der die zuständige Abteilung ZA11 bei der Aachener Polizei leitet. „Aber unsere Leute identifizieren sich hundertprozentig mit dieser Aufgabe”, erzählt er über die Motivation. Anlass ist, dass ab 2013 ein einheitliches nationales Waffenregister gilt und deswegen nun alle Waffen überprüft und erfasst werden.

Und so wird es in den kommenden Wochen und Monaten an etlichen Haustüren klingeln. „Unser Ziel ist es, alle registrierten Waffenbesitzer aufzusuchen.” Die Mitarbeiter, die dann unangemeldet vor der Tür stehen, tragen meist Uniform oder können sich als Regierungsmitarbeiter ausweisen.

Unter den registrierten Waffenbesitzern sind 1200 Jagdscheininhaber, 900 Sportschützen, 1600 sogenannte „Altbesitzer” und dazu noch 650 Personen, die Waffen geerbt haben. Insbesondere beim letztgenannten Personenkreis treffen die Beamten auf sehr viel Verständnis. „Die oft älteren Leute sind bisweilen sogar dankbar, dass wir kommen und sie von einer Last befreien”, so Nürnberger, der anfügt: „Mancher hat Angst bekommen nach den Amokläufen.”

Und es kommt auch immer wieder vor, dass bei Einbrüchen nicht ordnungsgemäß aufbewahrte Waffen gestohlen werden. Denn das mit der Aufbewahrung ist gerade für die Erben eine schwierige und aufwendige Angelegenheit. So kommt es immer wieder vor, dass den Beamten die Waffen zwecks Mitnahme einfach dankend in Hand gedrückt werden. Die Waffenkammer der Polizei ist voll von solchen Stücken.

„Wir lassen diese Waffen ohne Ausnahme vernichten”, betont der Regierungsamtsrat. Und fügt noch hinzu, dass es hier nicht etwa um Luftgewehre oder Ähnliches geht, sondern um Schusswaffen, „die den Tod eines Menschen hervorrufen können”, beim Kleinkaliber angefangen. Insgesamt machen Nürnberger und seine Leute ein „hohes Vertrauen” bei den besuchten Waffenbesitzern aus. Die Kooperation ist meist gut, wobei das je nach Art des Waffenbesitzers unterschiedlich sein könne.

So empfänden es Jäger bisweilen als eine Art Beleidigung, derart kontrolliert zu werden. Schließlich müssen sie definitiv wissen, wie Waffen und Munition aufzubewahren sind und begingen gar eine Straftat, wenn sie den Vorschriften zuwider handeln. Trotzdem werden auch sie besucht. „Nur zu”, sagt Günther Plum, Vorsitzender der Kreisjägerschaft: „Wir haben nichts zu verbergen.”
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