Aachen - Mammutprojekt: Aida will 1700 Gäste begeistern

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Mammutprojekt: Aida will 1700 Gäste begeistern

Von: Stephan Mohne
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80 Darstellerinnen, 1700 erwartete Zuschauer, zwei Stunden beste Musical-Unterhaltung: „Musicality“ feiert am 26. Januar mit der neuen Produktion „Aida“ im St.-Ursula-Gymnasium Premiere. Seit einem Jahr wird dafür intensiv geprobt. Foto: Andreas Herrmann
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Unglückliche Liebe: Sklavin Aida (Eleonor Carberry, l.) und Feldherr Radames (Paula Zumbroich) stehen im Mittelpunkt der Geschichte.

Aachen. „Lasst mal alles fallen!“ Ruft Bettina Kurr-Sauer den Sängerinnen und Tänzerinnen zu. So wird’s denn auch gemacht. Aufwärmen und einsingen ist angesagt. Die Anweisungen der Choreographin kommen klar und knapp. Es wird konzentriert gearbeitet, die rund 80 Mädchen proben intensiv. Das machen sie schon seit fast einem Jahr. In wenigen Wochen wollen sie die Früchte dieser intensiven Arbeit ernten.

Es ist „Musicality“-Zeit. Immer donnerstags pünktlich um 18 Uhr wird die Aula des St.-Ursula-Gymnasiums zur Probebühne. Unter drei Stunden geht hier keiner nach Hause. Seit Jahren ist das so. Woche für Woche. „Musicality“ – das hat mit einer „normalen“ Musical-AG kaum etwas gemein. Ein enormer Aufwand wird betrieben, der an semi-professionelle Strukturen heranreicht. „Über die Technik, die im Laufe der Jahre angeschafft wurde, staunen bisweilen sogar Kooperationspartner wie das Grenzlandtheater“, erzählt Patrick Biemans.

Zwei Jahre Vorlaufzeit

Biemans ist zusammen mit seinem Kollegen Martin Ebner der Erfinder von „Musicality“. 2004 haben die beiden Lehrer das Projekt aus der Taufe gehoben. Jedes Jahr wird ein neues Musical auf die Bühne gebracht. „Aber die Vorlaufzeit beträgt mittlerweile um die zwei Jahre“, so Biemans, der heute das Gymnasium auch leitet.

Schon das Budget ist für ein derartiges Projekt immens. Rund 10.000 Euro werden für eine Inszenierung benötigt. Refinanziert wird das durch den Kartenverkauf. Zudem ist das Ensemble riesig. 80 Darstellerinnen sind es aktuell. Kunstlehrerin Uschi Lengersdorf näht zusammen mit Eltern Kostüme, Marianne Conradt, früher Schulpflegschaftsvorsitzende von St. Ursula und jetzt Bezirksbürgermeisterin in Aachen-Mitte, organisiert den Kartenvorverkauf.

Bettina Kurr-Sauer, ebenfalls Mutter einer früheren Schülerin, kümmert sich um Tanz und Gesang, Lehrerin Judith Kemmann entwirft zusammen mit Martin Ebner das Inszenierungskonzept, führt Regie und kümmert sich zusammen mit der „Maskerade-AG“ um die Maske.

Und diesmal ist es Aida. Die Verdi-Oper, das große Liebesdrama. Doch außer Teilen der Handlung um die verschleppte und versklavte äthiopische Königstochter Aida, den ägyptischen Feldherrn Radames und deren unglückliche Liebe hat die „Musicality“-Aida mit der Verdi-Aida wenig zu tun. Die Musik ist eine ganz andere. Patrick Biemans hat sie geschrieben. Wie für alle bisherigen „Musicality“-Projekte von „Hamlet Reloaded“ bis „Dracula“. Die Texte schreiben Biemans, Kemmann und Ebner. Da wird dann auch schon mal umgedichtet – wie diesmal auch, denn es gibt eine neue Rahmenhandlung um die Götter Horus und Seth.

Die Tiefe verleihen den Projekten die Darstellerinnen. Ab der 8. Klasse kann man mitmachen, für die Soloparts gibt es ein Casting, an dem diesmal 35 Schülerinnen teilnahmen. Am Ende sind es nicht alleine versierte Sängerinnen, die zur Solistin werden. Vielmehr sind auch solche dabei, die zuvor noch gar keine Gesangserfahrung hatten.

„Die Schülerinnen wachsen an dieser Aufgabe“, sagt Judith Kemmann. Und lernen außer der Theaterarbeit noch einiges mehr: „Hier sind voller Einsatz und Disziplin gefragt. Nach einer Probe sind alle richtig im Eimer“, schmunzelt Biemans. „Da kommt es über die lange Produktionsdauer aufs Durchhalten an“, fügt er hinzu. Dass das aber mitnichten eine Drucksituation für die Mädchen ist, merkt man bei der Probe deutlich. Gerade weil es so professionell zugeht, macht es den Teilnehmerinnen enormen Spaß. Und nicht nur denen: 14 Lehrerinnen und Lehrer sind auch noch mit auf der – diesmal über mehrere Ebenen geführten – Bühne. Als äthiopischer Gefangenenchor.

Kultureller Schwerpunkt

Neben den Hauptfiguren gibt es vor allem Sklavinnen, Priesterinnen und Soldaten. Vornehmlich –wie auch bei den Solisten – Rollen, die klassischerweise mit männlichen Darstellern zu besetzen wären. Hier sind es nur weibliche Darstellerinnen. Darf man das? „Darüber wird unter Theaterexperten und -pädagogen kontrovers diskutiert“, sagt Judith Kemmann. An St. Ursula wird darüber nicht diskutiert. „Wir sind eine Mädchenschule. Wir arbeiten nur mit Mädchen. Und das ganz bewusst und mit voller Absicht“, sagt Patrick Biemans. Die Auswahl der Stücke werde man sich mithin nicht dadurch diktieren lassen, dass sie im „Normalfall“ überwiegend mit Männerrollen besetzt sind. „Auf solche Stücke zu verzichten, ist uns noch nie in den Sinn gekommen“, unterstreicht der Schulleiter.

Zumal „Musicality“ ein echtes Aushängeschild der Schule ist. „Vergleichen kann man das vielleicht noch mit dem Zirkus Configuraini der Viktoriaschule“, sagt Judith Kemmann. Dass es an St. Ursula ein kulturelles Aushängeschild ist, passt zur Schulphilosophie, die großen Wert auf Persönlichkeitsbildung durch kulturelle Kreativität legt. Dazu gibt es viele Projekte wie das große Schulorchester, das unter anderem jüngst bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Städteregion zum Volkstrauertag glänzte, ein Unterstufenmusical, Konzertabende, Theaterprojekte und vieles mehr.

Bei der „Musicality“-Probe haben die Darstellerinnen indes längst den Alltag fallen gelassen und sind eingetaucht in die ägyptische Pharaonenwelt, die tragische Geschichte der Aida und ihr gleichnamiges Musical mit seinen fast 30 Songs, die schon nach dem ersten Hören im Ohr bleiben. In diese Welt wird „Musicality“ Ende Januar/Anfang Februar an die 1700 Zuschauer entführen. Wenn es so läuft, wie bei den vergangenen sieben Projekten, dann wird es vor allem eines: ein großer Erfolg.

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