Mama und Papa lassen die Schule leuchten

Von: Christoph Classen
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Kein Kunstunterricht sondern notwendige Renovierung: Marleen Irle (von links), Klassenlehrerin Judith Dreisbach, Leonie Radmacher, Ellen Wiedemann, Karin Koch und Astrid Maaß streichen den Klassenraum der 3a der Grundschule Auf der Hörn. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Als an der Ahornstraße der Putz von den Wänden blätterte, entschieden sich die Eltern, Farbe zu bekennen. In diesem Zustand wollten sie die Klassenräume der Katholischen Grundschule (KGS) Auf der Hörn ihren Kinder einfach nicht weiter zumuten.

„Sie hätten die Räume mal sehen sollen, der letzte Anstrich war dreißig Jahre her. Das war ja auch kein schönes Lernen in so einer Bruchbude”, sagt Karin Koch und legt den großen Pinsel beiseite.

Koch spricht in der Vergangenheit, weil ein schweißtreibender Vormittag hinter ihr und den Mitstreitern liegt. Vor ihnen liegt das Ergebnis der Arbeit, es strahlt in sattem Gelb. Frisch gestrichen wurden die Wände im Klassenraum der 3a. Dafür investierten einige engagierte Eltern (Frei-)Zeit und Arbeit.

Karin Koch schaut auf die gelbe Wand und sieht zufrieden aus: „Schon schön, wenn man jetzt vorher und nachher vergleicht.” Sie sagt aber auch: „Die Arbeit hier hat natürlich auch noch einige andere Dinge zu Tage befördert: Der Boden ist nicht mehr so das Wahre und viele Wände sind auch feucht.”

Es gibt eine Menge zu tun. Nicht nur in der KGS Auf der Hörn, sondern an fast allen Schulen und Kindergärten im Stadtgebiet. Und es tut sich ja auch was. Aachen erhält aus dem Konjunkturpaket II insgesamt 14,25 Millionen Euro für die energetische Sanierung von Schulen.

Vier Millionen Euro davon wurden 2009 verbaut, weitere 10,25 Millionen Euro sollen 2010 investiert werden. An der KGS Auf der Hörn etwa werden neue Fenster eingesetzt. Zudem sind 2,1 Millionen Euro im laufenden Jahr für Reparaturen an Schulen vorgesehen. Die Renovierung der Klassen an der Ahornstraße ist nicht eingeplant, Schwerpunkt des Maßnahmenpakets ist die Instandsetzung von Sanitäranlagen.

Michel aus der 3a wird das freuen. „Mein Sohn hat sich schon über den Zustand der Toiletten beschwert”, sagt Mutter Ellen Wiedemann. Auch sie hat den Vormittag in der Schule verbracht, damit sich Michel und seine Mitschüler im Klassenraum wieder wohler fühlen. Zu klamm sind die kommunalen Kassen als das eine außerplanmäßige Renovierung drin wäre. Im Falle der Schule an der Ahornstraße förderte die Stadt deswegen die elterliche Eigeninitiative - und stellte Farbe bereit.

Der Vorschlag wurde auf einer Schulpflegschaftssitzung im Januar vorgestellt. Und es fanden sich genug Eltern, die bereit waren, den Pinsel zu schwingen. Seitdem geht es vorwärts. An jedem Wochenende wird ein weiterer Klassenraum gestrichen.

Für Karin Koch sind solche Aktionen nichts Neues. Schon als der Nachwuchs die Kita besuchte, packte sie regelmäßig mit an, um die Einrichtung aufzumöbeln. Dabei sind Koch und Wiedemann keine Einzelfälle. Überall in der Stadt werkeln Eltern an den Wochenenden, damit ihre Kinder nicht unter den Auswirkungen der Finanznot in den öffentlichen Kassen leiden.

Ellen Wiedemann betont, dass sie gerne Wände im Klassenraum streicht, genauso gerne wie sie sich hinsetzt und Stoffe schneidet, damit der Theaterkurs der Schule nicht vor leeren Kulissen steht. Andererseits sagt sie: „Es ist schon traurig, dass das notwendig ist.”

Auf absehbare Zeit wird es das wohl bleiben. Wiedemann wird am übernächsten Wochenende jedenfalls in einem anderen Klassenraum stehen und streichen. Ihr älterer Sohn geht aufs Anne-Frank-Gymnasium. Auch dort blättert der Putz.
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