Aachen - „Mama, das ist doch ganz normal”

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„Mama, das ist doch ganz normal”

Von: Thorsten Karbach
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Wollen Ängste nehmen: (von li
Wollen Ängste nehmen: (von links) Désirée mit Mutter Angela-Stippak-Bieberle, Ilona Westermann, Dr. Silke Wieczorek, Bärbel Nymphius, Felix Rößler und Christa Rößler vom Verein „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen” loben integrative Lerngruppen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Monas Mutter war nicht vorbereitet. Als Bärbel Nymphius ihre Tochter an der Gesamtschule Brand anmeldete, wurde sie gefragt, ob Mona denn eine integrative Klasse mit Kindern mit Behinderung besuchen solle und wolle. Nymphius wusste keine Antwort.

Mona wohl. „Mama, das ist doch ganz normal”, sagte sie. Mittlerweile besucht Mona die achte Klasse, die 8 i, wie in Brand die integrativen Klassen heißen. „Und ich habe in keiner Weise das Gefühl, dass sie dort ausgebremst wird”, erklärt nun ihre Mutter.

Überall in der Stadt werden zum neuen Schuljahr integrative Lerngruppen gebildet - an Hauptschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Die Genehmigungen hat der Schulausschuss gerade erteilt, es wird mehr Plätze denn je für Kinder mit Behinderung an den Regelschulen geben. Doch gleichzeitig gibt es diese Ängste von Eltern, deren Kind keine Behinderung hat: Mein Kind wird nicht ausreichend gefördert, das Lerntempo ist für mein Kind zu niedrig, mein Kind muss zu viel Rücksicht auf die Kinder mit Behinderung nehmen.

Die Wirklichkeit ist eine andere, sagen nun Eltern wie Bärbel Nymphius, die sich in dem Verein „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen” organisiert haben. „In Monas Klasse werden alle Kinder individuell gefördert”, sagt sie. „Wir machen in dieser Klasse nur tolle Erfahrungen”, erklärt Mutter Ilona Westermann.

Bei den Eltern besteht keine Angst, dass ihre Kinder in einer integrativen Klasse weniger lernen könnten. Vielmehr würden sie mehr lernen, berichten sie. „Wir alle haben unser Kind nicht aus purer Nächstenliebe in diesen Klassen angemeldet, sondern weil unsere Kinder davon profitieren. Mein Sohn lernt ganz viel, was über das bloße Fachwissen hinausgeht”, betont Dr. Silke Wieczorek, deren Sohn die Grundschule am Höfling besucht. Respekt, Toleranz oder Verständnis sind für die Kinder etwas Selbstverständliches. „Und mein Sohn erfährt, dass er auch Schwächen haben und zeigen darf”, sagt Wieczorek noch.

Schon die Bedingungen in integrativen Klassen sprechen dafür, dass alle Kinder gewinnen. Denn die Klasse sind in der Regel kleiner (24 Kinder), und es gibt normalerweise immer zwei Pädagoginnen. „Die individuelle Förderung funktioniert exzellent in diesem Rahmen”, versichert Angela Stippak-Bieberle, deren Tochter Désirée die Montessori-Grundschule in der Reumontstraße besucht. Désirée war als Frühchen im Kindergarten zunächst ein Integrationskind, nun ist sie das, was in der Behördensprache Regelkind heißt. „In ihrer Klasse wird immer auf alle Kinder geguckt. Jeder hat hier seine Stärken und Schwächen”, erzählt sie.

Das sollten alle Eltern wissen. Integrative Klassen seien für alle ein Erfolgsmodell, versichern die Eltern. Alle Ängste seien unbegründet. „Auch ich wünsche mir für meine Tochter schließlich den bestmöglichen Schulabschluss”, sagt Bärbel Nymphius.
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