Maikundgebung mit Ministerpräsidentin Kraft gipfelt auf dem Markt

Von: Kathrin Albrecht
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Traditioneller Demozug: DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber und Hannelore Kraft marschierten vornweg. Foto: Andreas Schmitter
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Gegen „Strukturbruch“ in Sachen Braunkohle: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach auf dem Markt vor rund 1500 Menschen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es müssen furchtbare Szenen gewesen sein, die sich am 4. Mai 1886 auf dem Haymarket Square in Chicago abspielten: Der Streit um die am 1. Mai begonnenen Streikveranstaltungen eskalierte auf blutige Weise: Unbekannte zündeten eine Bombe, Polizisten eröffneten das Feuer. Zahlreiche Gewerkschafter und Polizisten starben.

Acht Organisatoren des Streiks wurden zum Tode verurteilt. Die Ereignisse veranlassten vier Jahre später die Arbeiterbewegung dazu, den 1. Mai weltweit als „Kampftag der Arbeiterklasse“ auszurufen. Diese Geburtsstunde griff der Regionalverband Südwest des Deutschen Gewerkschaftsbundes in seiner Veranstaltung zum 1. Mai auf und wandelte den traditionellen Demo-Zug durch die City in einen „Memo-Zug“ um. Acht Stationen erinnerten auf dem Weg von der DGB-Zentrale am Europaplatz zum Markt an Meilensteine des Arbeits- und Tarifrechts.

In Aachen fand zugleich die landeszentrale Kundgebung des DGB statt. NRW-Vorsitzender Andreas Meyer-Lauber marschierte mit DGB-Regionalgeschäftsführer Ralf Woelk in der ersten Reihe. Auch örtliche Politiker hatten sich eingefunden, unter anderem SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt, der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Schultheis, Bürgermeister Björn Jansen (SPD) und Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne). An den Ursprung des 1. Mai erinnerte der DGB an seinem Mutterhaus, wo sich Vertreter der Gewerkschaft der Polizei in historische Kostüme geworfen hatten und symbolisch auf die Demonstranten „feuerten“.

1500 Mitglieder der Arbeitnehmervertretungen marschierten im Anschluss Richtung Markt. „Die Resonanz ist höher als in den vergangenen Jahren“, freute sich Woelk. Das liege sicher auch daran, dass derzeit viele Tarifentscheidungen ausstünden. Am Elisenbrunnen stieß auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zum Memo-Zug, gerade rechtzeitig, um die weiteren großen Errungenschaften wie Einführung der 35-Stunden-Woche oder das erweiterte Mitbestimmungsrecht für ausländische Arbeitnehmer zu würdigen. Letzte Station vor Erreichen des Marktes war die Einführung des Mindestlohns, symbolisiert durch Flatterband, das von Woelk, Kraft und Meyer-Lauber zerschnitten wurde. Dann warfen die Redebeiträge einen Blick nach vorn: Kraft und Meyer-Lauber kritisierten die EU-Flüchtlingspolitik und plädierten für eine Willkommenskultur.

Als Aufgabe der Gewerkschaft bezeichnete Meyer-Lauber, den Menschen Perspektive zu geben und sie bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu unterstützen. Dazu brauche es Sprachkurse, die Anerkennung ihrer Abschlüsse und Ausbildung. In ihrer 25-minütigen Rede schnitt Hannelore Kraft einige Themen an: Die Zukunft der Arbeitsmarktgestaltung in NRW, jüngste Erfolge wie die Einführung der Frauenquote („da hätte ich mir mehr gewünscht“) und des Mindestlohns und die Zukunft der Braunkohle. Kraft versprach, einen Strukturbruch werde es nicht geben: „Wir kämpfen für den Erhalt der Arbeitsplätze, weil wir wissen, was in der Region auf dem Spiel steht.“

Der anschließende Besuch des Standes der IG Bergbau, Chemie und Energie war da Ehrensache. Weitere Redebeiträge und ein Musikprogramm, gestaltet vom Urgestein Jupp Ebert, rundeten das Programm auf dem Marktplatz ab.

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