Männer und Frauen werden unterschiedlich bezahlt

Von: Katharina Menne
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Setzen sich mit dem Equal Pay Day am 18. März für mehr Lohngerechtigkeit ein: die BPW-Mitglieder Ruth Braun (links) und Kornelia Bebronne (rechts) sowie der Student Alexander Pohl und die Katho-Gleichstellungsbeauftragte Marion Gerards. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 77 Tage im Jahr arbeiten Frauen in Deutschland umsonst. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt bei seiner Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern. Die Zahl rechnet die durchschnittliche Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern, die im Jahr 2016 bei 21 Prozent lag, in Tage um.

Grund genug für die Mitglieder der Organisation „Business and Professional Woman“ (BPW) Deutschland, am 18. März mit dem Equal Pay Day (etwa: Tag der gleichen Bezahlung) auf diesen Missstand hinzuweisen. In Aachen haben sich bereits am Donnerstag interessierte Frauen – und ein Mann – zu einer angeregten Diskussion in den Räumen der Katholischen Hochschule eingefunden.

„Die Gründe für die Lohnlücke sind vielfältig“, sagt Kornelia Bebronne. „Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, setzen öfter und länger im Beruf aus, wählen oft schlechter bezahlte Jobs und führen auch einfach schlechtere Gehaltsverhandlungen.“ Die 56-Jährige engagiert sich bereits seit acht Jahren im BPW und stellt klar, dass es am Equal Pay Day nicht darum gehe, den Männern den Schwarzen Peter zuzuschieben, sondern allgemein auf das Thema aufmerksam zu machen und aktiv Veränderungen anzustoßen.

„Es muss ein Umdenken stattfinden“, sagt sie. „Warum ist Kindererziehung weniger wert als die Herstellung eines Autos? Ja, selbst weniger wert als die Pflege von Tieren?“ Die typischen Stärken der Frau führten sie öfter in einen sozialen Beruf, für den sie aber nicht die gleiche Wertschätzung erhalte – zumindest keine, die sich im Gehalt niederschlägt.

Alle vier Jahre berechnet das Statistische Bundesamt auch die sogenannte bereinigte Lohnlücke, die den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien misst. Die betrug zuletzt im Jahr 2015 sieben Prozent. Das ist zwar weniger als die unbereinigte Lohnlücke, zeigt aber die unmittelbare Diskriminierung auf, „und ist damit eigentlich noch viel erschreckender“, wie die Teilnehmerinnen der Veranstaltung feststellten. Wie kann das sein?

Ein Grund: „Männer sind in Gehaltsverhandlungen dreister und geben sich selbstüberzeugter“, ist sich Ruth Braun sicher. Die Sozialpädagogin ist Schriftführerin im BPW und engagiert sich ebenfalls seit vielen Jahren für mehr Lohngerechtigkeit. Außerdem entschieden öfter Männer über Gehälter – weil sie öfter Führungspositionen besetzen – und bevorzugten dabei unter Umständen ihre Geschlechtsgenossen.

Bebronne fügt hinzu, dass Frauen aber vielfach auch selbst schuld daran seien, dass sie finanziell schlechter dastünden als die Männer. „Vor allem Frauen aus niedrigen Bildungsschichten kämpfen und diskutieren nicht, sondern fügen sich einfach in Rollenklischees“, sagt sie. Dabei seien die Voraussetzungen für mehr Rollengerechtigkeit gegeben. Schließlich können auch Männer inzwischen Elternzeit nehmen und die Kindererziehung übernehmen.

Der einzige Mann in der Runde, Alexander Pohl, fordert ganz allgemein mehr gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen. „Es darf keine Rolle spielen, ob man Frau oder Mann ist, körperlich und geistig beeinträchtigt oder nicht und ob man hier geboren wurde oder in einem anderen Land“, sagt er. Alle verdienten die gleichen Chancen.

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