Mädchenchor tritt in der legendären Londoner Temple Church auf

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Da musste erst der Mädchenchor des Aachener Dom kommen, damit eine althergebrachte Tradition ihr Ende nahm. Und diese Tradition bestand immerhin seit sage und schreibe mehr als 800 Jahren. Noch nie war bis dato ein Mädchenchor in der legendären Temple Church in London aufgetreten.

Das hat sich nunmehr geändert. Der Aachener Mädchenhor – das Pendant zum Aachener Domchor, dem mit über 1200 Jahren ältesten Knabenchor Deutschlands – gestaltete jetzt dort einen Gottesdienst nach anglikanischem Ritus. Ein mithin enormes Privileg, das den jungen Sängerinnen um Domkantor Marco Fühner, der den Chor leitet, da zuteil wurde – und ein Beleg für die Wertschätzung, die der Chor bereits knapp vier nach seiner Gründung weithin genießt. In der Temple Church, die im 12. Jahrhundert von den Tempelrittern als ihr Zentralbau errichtet wurde und die in jüngerer Zeit auch als Kulisse für Kinoblockbuster wie den „Da Vinci Code“ diente, sind bislang nur Knabenchöre aufgetreten.

Marco Fühner bezeichnet diesen Auftritt beim Sonntagsgottesdienst als Höhepunkt der fünftägigen Konzertreise, die nicht zuletzt – wie alle Reisen der beiden Domchöre – der Intensivierung der internationalen und nationalen Chorkontakte diene und den Sängerinnen und Sängern Einblicke in die „Chorwelt“ des jeweiligen Landes ermöglichen.

Insgesamt waren 40 Sängerinnen des Mädchenchors in die britische Hauptstadt gereist, dazu vier Betreuerinnen, Domorganist Professor Michael Hoppe und natürlich Chorleiter Marco Fühner. Die Idee war durch eine Sängerin aufgekommen, die derzeit für ein Jahr mit ihrer Familie in der Metropole an der Themse lebt. Finanziell möglich gemacht wurde die Reise durch das Domkapitel, unterstützt durch den Verein der Freunde der Aachener Dommusik. Untergebracht im Gästehaus der deutschen katholischen Gemeinde St. Bonifatius, standen gleich mehrere Gottesdienste und Konzerte auf dem Programm. So etwa in St. James am Spanish Place, in St. Bonifatius und – wenige Stunden nach dem historischen Auftritt in der Temple Church – in der Kirche „All saints“ in Isleworth. Darüber hinaus bekamen die Sängerinnen einiges von London zu sehen. Eine Themse-Bootsfahrt stand ebenso auf dem Programm wie der Besuch von Sehenswürdigkeiten. Ein absolutes Highlight war eine abendliche Fahrt mit dem „London Eye“, dem mit 135 Metern höchsten Riesenrad Europas.

Mit dieser Konzertreise geht die ebenso kontinuierliche wie auch rasante Entwicklung des Mädchenchors am Aachener Dom weiter. Gegründet wurde er – vor dem Hintergrund, dass seit einigen Jahren auch Mädchen die Aachener Domsingschule besuchen – am 28. Mai 2011 vom Domkapitel. Zu dem Gottesdienst kamen die Mädchenchöre aus Paderborn, Münster, Mainz und Köln. „Seit dieser Zeit befindet sich der Mädchenchor in einer sehr vielversprechenden Aufbauphase“, erläutert Marco Fühner. Die musikalischen Grundlagen erhalten die Sängerinnen – wie seit jeher auch die Sänger des Domchores – in der Domsingschule. Sein Premierenkonzert gab der Chor schon bald nach seiner Gründung, nämlich am ersten Advent 2011 in einem Konzert für den Dombauverein/Karlsverein. Derzeit bilden rund 60 Sängerinnen ab zehn Jahren den Klangkörper, dem eine traditionsreiche Zukunft bevorsteht. Die Konzertreise nach London war ein weiterer Baustein auf diesem Weg.

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