Machtkampf um Ausbau der Ganztagsgrundschule

Von: Stephan Mohne Und Thorsten Karbach
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Die sechste Ganztagsgruppe an der Reumontstraße und zehn weitere neue Gruppen stehen auf gläsernen Füßen: Zwischen Verwaltung und Politik kracht es mächtig. Es geht ums Geld. Foto: Harald Krömer

Aachen. Gerät eines der ehrgeizigsten Bildungsprojekte der letzten Jahrzehnte plötzlich ins Wanken? Um den Ausbau der offenen Ganztagsbetreuung an Grundschulen eskaliert jedenfalls hinter den Kulissen ein Streit zwischen Politik und Verwaltung.

Hintergrund: Elf neue Gruppen sollen zum kommenden Schuljahr - also in rund zwei Monaten - zusätzlich zu den schon bestehenden 130 Gruppen eingerichtet werden.

Beschlossen werden sollte das am Dienstag im Kinder- und Jugendausschuss und noch vor den Ferien im Schulausschuss. Doch dann hat Kämmerin Annekathrin Grehling eine Vollbremsung eingelegt.

Für diesen Ausbau sei kein Geld da. Dem Vernehmen nach hat sie die Verwaltungsvorlage für die Ausschüsse gar nicht erst gegengezeichnet. Es geht um rund 200.000 Euro Zusatzkosten pro Jahr.

Nächste Sitzung kommt zu spät

Folglich sollte im Kinder- und Jugendausschuss und im Schulausschuss der Punkt von der Tagesordnung genommen werden. Aber: Ohne politischen Beschluss kein Personal und damit keine neuen Gruppen. Die nächsten Sitzungen wären erst Ende August, dann hat das neue Schuljahr längst begonnen.

Vielerorts aber sind die Kinder bereits angemeldet worden. Betroffen wäre davon beispielsweise die OGS in der Reumontstraße. Dort wurde am Montag der 100. Geburtstag der Schule gefeiert. Schulleiterin Marie-Liesel von Korff ging es an diesem Tag aber mehr denn je um die Zukunft, denn in der sieht sie dunkle Wolken über der OGS aufziehen.

125 OGS-Plätze gibt es bislang an der Reumontstraße. Vor einem Jahr wurde dafür ein Neubau eröffnet - mit Raum für 150 Kinder. Und die sollten mit einer sechsten Gruppe nach den Sommerferien dann auch vollständig sein.

Das ist nun nicht mehr gesichert. „Es ist eine katastrophale Situation für die Eltern”, sagen Schulleiterin von Korff und die Schulpflegschaftsvertreter Michael Chauvistré und Beate Mertens.

Eher zufällig hatte OGS-Koordinatorin Kerstin Forma von der möglichen Sparmaßnahme gehört. Die zwei zusätzlichen pädagogischen Fachkräfte würden wegfallen und damit die sechste Gruppe mit 25 Kindern, habe man aus der Fachverwaltung gehört.

„Die Eltern sind geschockt und verunsichert”, sagt von Korff. Ein Kind wurde vom katholischen Zweig der Schule bereits abgemeldet wegen der unsicheren OGS-Situation, folgen weitere Abmeldungen ist gar die Klassenbildung gefährdet.

12 der 21 angemeldeten Kinder wollen auch die OGS besuchen. An der Reumontstraße wird deshalb eine klare Aussage gefordert -Êund zwar sofort. „Es wäre furchtbar, wenn die sechste Gruppe wegfällt”, sagt Forma.

Diese Situation führte am Montag zu großem Wirbel hinter den Kulissen. Weder Kämmerin Grehling noch Fachdezernent Wolfgang Rombey wollten sich öffentlich äußern.

Zwischenzeitlich hatte nämlich Verwaltungschef OB Jürgen Linden das Heft in die Hand genommen. Es gebe noch Abstimmungsbedarf, der Ausgang der Sache sei noch unklar, ließ er wissen.

Nachmittags berieten die Fraktionen intern. Und setzten klare Zeichen: Der OGS-Ausbau soll wie geplant vorangetrieben werden. Auch ohne Vorlage soll darüber am Dienstag im Ausschuss beraten werden.

„Wir werden unser Versprechen halten, die OGS bedarfsgerecht auszubauen”, betonte Hilde Scheidt (Grüne). Es gehe um eines der größten Bildungsprojekte überhaupt. Die verwaltungsinternen Vorgänge interessieren die Politik nicht.

„Die Verwaltung soll sich hinsetzen, das organisieren und die Finanzmittel bereitstellen”, so Scheidt.
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