Machete im Kino: Statt versuchtem Totschlag nur Körperverletzung

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Rechtsanwältin Martina Nadenau blieb in ihrem Plädoyer nicht mehr viel Arbeit vor dem Aachener Schwurgericht. Das meiste hatte ihr bereits die Kollegin von der Anklageseite, Staatsanwältin Claudia Schetter, abgenommen.

Im Fall des wegen versuchten Torschlags vor dem Aachener Cineplex angeklagten Levent A. (23) aus Aachen rückte die Staatsanwältin von der ursprünglichen Anklage ab und forderte wegen gefährlicher Körperverletzung an dem heute 19-jährigen Defrim A. eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.

Ohne Zweifel habe die Beweisaufnahme, die am Donnerstagmorgen geschlossen wurde, ergeben, dass der als gewalttätig bekannte albanische Brüder-Clan den Angeklagten „in eine Notwehr ähnliche Situation” gebracht habe. Dabei sei es sehr wahrscheinlich, dass die Brüder selbst die Machete, mit der dem Jüngsten die Kopfhaut durchtrennt wurde, zum Kino mitgebracht hatten.

Das Aussageverhalten der Brüder und der von ihnen benannten Zeugen betrachtete die Anklagevertreterin als abgestimmt und im Wesentlichen abgesprochen. Das sei bei der Gegenseite nicht der Fall, erklärte Schetter und sagte, dass sie der Einlassung des Beschuldigten Levent A. schon bei der Ermittlungsrichterin vollumfänglich habe folgen können.

20 Zentimeter lange Klinge

„Sicherlich gab er Spetim A. als erster eine Faust”, beschrieb Schetter den Start der Gewaltgeschichte vor dem Kino. Diese Tat sei aber bereits beendet gewesen, als danach die Brüder auf den Angeklagten und seine Freunde losgegangen seien. Beide Seiten hatten gleich lautend behauptet, dass jeweils die Anderen eine Machete mit etwa 20 Zentimeter Klingenlänge dabei hatten und jeder im Gerichtssaal fragte sich, was man um Gottes Willen damit im Kino wolle.

Der Angeklagte gab an, sie einem der Angreifer abgerungen und auf der Flucht nahe dem Theater zur Selbstverteidigung genutzt zu haben. Anwältin Nadenau folgte der staatsanwaltlichen Steilvorlage und legte dar, dass ihr Mandant in Todesangst vor den mit Waffen gespickten Brüdern - einer soll ein Messer, ein anderer eine Kette und ein Dritter die Machete gezogen haben - geflohen sei, er selbst bekräftigte dies in seinem letzten Wort.

Die Anwälte der Nebenklage verwahrten sich davor, ihre Mandanten von vorneherein als gewalttätig abzustempeln. Diese seien inzwischen geläutert und hätten der Gewalt abgeschworen - worüber es sehr unterschiedliche Meinungen bei den Prozessbeteiligten gab. Die Nebenklage forderte weiter eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags, das Urteil wird am Freitag um 10.30 Uhr gesprochen.

 


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