„LZB” hat keinen Kredit mehr in Aachen

Von: Matthias Hinrichs
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Er könnte bald nach einem Käufer Ausschau halten: Der „Rufer” vor der Landeszentralbank an der Normaluhr. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der „Rufer” bleibt an diesem grauen Donnerstag so stumm wie stets. Hinter dem ausladenden Treppenaufgang, an dem Gerhard Marcks´ Bronzeskulptur seit Jahr und Tag ihre sprachlose Friedensbotschaft in die Welt trägt, herrscht in diesen Tagen allerdings durchaus bedrücktes Schweigen.

Fest steht: Spätestens Ende 2012 werden die 60 Mitarbeiter den gigantischen Betonkomplex an der Normaluhr verlassen haben. Wie berichtet, will die Deutsche Bundesbank ihre traditionsreiche Filiale mittelfristig aufgeben - und damit das Ende einer ökonomischen Ära in Aachen einläuten.

Bis vor wenigen Jahren noch firmierte das Haus an der Römerstraße unter dem stolzen Titel Landeszentralbank, bis die föderalen Töchter dem Frankfurter Mutterhaus unmittelbar unterstellt und deren Hauptverwaltung in Düsseldorf zugeordnet wurden.

Als „LZB” wird der imposante fünfstöckige Bau, der zwischen 1983 und 1985 errichtet wurde, den Aachenern wohl noch lange in Erinnerung bleiben - natürlich auch wegen der spektakulären Geiselnahme vom Dezember 1999, die drei Tage lang die gesamte Republik in Atem hielt und für Schlagzeilen weit über deren Grenzen hinweg sorgte.

1863 fing alles an

Jetzt zeichnet sich die letzte Epoche einer Institution ab, die anno 1863 mit der Errichtung einer fürstlich gestalteten Filiale der damaligen Reichsbank in der Theaterstraße 17 begann. Hier mündeten und münden die regionalen Geldströme, von hier aus wurde und wird der viel zitierte Wirtschaftsmotor bis ins weite Umfeld des Dreiländerecks mit „flüssigem” Treibstoff, sprich Barem, versorgt.

Doch die technische Rationalisierung macht auch vor den Finanzdienstleistern offensichtlich nicht Halt. Die Vermutung, dass die geplante Schließung von 13 der insgesamt 47 deutschen Bundesbankfilialen auf die allseits diskutierte Krise der Kreditmärkte zurückzuführen sei, weist Gerd Röttger, Unternehmenssprecher in Frankfurt, jedenfalls mit Nachdruck zurück. „Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Vielmehr sehen wir uns gezwungen, der wirtschaftlichen Effizienz in unserem Kerngeschäft Rechnung zu tragen.”

Will sagen: Vor allem durch die Anschaffung sogenannter Multistückelungsmaschinen ist die tägliche Bewältigung riesiger Bargeldmengen im Hause nachhaltig beschleunigt worden - Identifizierung von „Blüten” und Vernichtung unbrauchbar gewordener Scheine inklusive.

„Jetzt ist aber auch geplant, das Banknotenrecycling künftig an private Anbieter zu vergeben”, erklärt Röttger den harten Schnitt in Sachen Standort Aachen. Dennoch: „Es wird definitiv keine betriebsbedingten Kündigungen geben.”

Auf die Frage, wie die künftige Nutzung der hermetisch gesicherten Betonburg - Bauvolumen rund 36.000 Kubikmeter - gestaltet werden könnte, haben die Frankfurter Banker derzeit noch keine Antwort.

Durchaus anzunehmen, dass demnächst Käufer gesucht werden. Die müssten Bedarf für nicht weniger als 3400 Quadratmeter Nutzfläche auf fünf Etagen haben, plus Tiefgarage und inklusive einem über drei Geschosse reichenden Tresor.

Und: viel Geld. Stolze 30 Millionen D-Mark hatte die Bundesbank sich den achteckigen, trotz seiner imposanten Masse raffiniert gestalteten Wurf des Düsseldorfer Architekten Fritz Wenger weiland immerhin kosten lassen, bevor die neue Landeszentralbank am 16. Oktober 1985 nach rund 30-monatiger Bauzeit feierlich eingeweiht werden konnte.
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