Aachen - Lydia H.: „Ich wollte nicht töten, er sollte nur ruhig sein“

Lydia H.: „Ich wollte nicht töten, er sollte nur ruhig sein“

Von: Wolfgang Schumacher
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Lydia H.
Neuer Prozess gegen Lydia H.: Die mittlerweile 38-jährige frühere Ärztin tötete ihren Ehemann mit einer Überdosis Morphium. Nun muss das Gericht prüfen, ob es tatsächlich ein Mord war Foto: Ralf Roeger

Aachen. Lydia H. (38) hatte sich gut vorbereitet. Die ehemalige Narkoseärztin verlas beinahe zwei Stunden lang ihr erneutes Geständnis in diesem zweiten Prozess um den gewaltsamen Tod ihres seinerzeit 85 Jahre alten Ehemannes.

Die Anklage wirft ihr nach wie vor einen Mord in der Nacht zum 19. Februar 2011 vor. Der Bundesgerichtshof sah dagegen juristisch eher einen Totschlag verwirklicht, was sich vergünstigend auf das Strafmaß – bislang lebenslänglich – auswirken könnte.

Ja, sie habe damals in der gemeinsamen ehelichen Wohnung in Aachen-Haaren in einem heftigen Trennungsstreit die Spritze mit Morphium gezückt und in den linken Oberschenkel ihres Mannes gerammt. Das aber sei erst nach schlimmen Beleidigungen des herrschsüchtigen und selbst im hohen Alter noch sexbesessenen Ehemannes passiert.

Der habe sie, versicherte sie am Dienstagmorgen ruhig und eindringlich vor der 2. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht, in ein „Gerangel“ verwickelt. An beiden Händen habe er sie festgehalten, beschrieb die ehemalige drogenabhängige Prostituierte das nächtliche Szenario. Dann habe er der frisch gebackenen Ärztin hasserfüllt ins Gesicht geschleudert „du gehst zurück in die Gosse, dorthin, wo du hingehörst du drogensüchtige Straßennutte“.

Wie ein „Stich mitten ins Herz“ habe sie sein Satz getroffen, sie sei doch all die Jahre – es waren 18 – nur seine „Privathure“ gewesen. „Als er immer weiter schimpfte, habe ich mit der Spritze zugestochen“, las sie den entscheidenden Satz aus dem Text vor. Dabei habe sie ihn „nicht töten“ wollen, er sollte „nur endlich ruhig“ sein. Das wurde er dann auch - ziemlich rasch und für die Ewigkeit. Sie ging währenddessen in die Küche und verköstigte eine Flasche Wein.

Staatsanwalt Oliver d‘ Àvis, selber eine Zeit lang Richter, wollte das „neue“ Geständnis der Ärztin nicht so stehen lassen. Er beantragte die Verlesung ihrer ursprünglichen Einlassung aus dem ersten Prozess unter dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl – bei ihm hat d‘Avis einst „gelernt“. Dort hatte die Angeklagte, die zunächst über viele Verhandlungstage hinweg geschwiegen hatte, eingestanden, bei ihrem Angriff den Tod des Mannes „billigend“ in Kauf genommen zu haben.

Doch Lydia H. besteht nun in der Retrospektive darauf, sie habe trotz eines neuen Liebhabers und der endlich mit ihrer Arztanstellung in Ulm neugewonnen Freiheit ihren älteren Ehemann immer noch geliebt. Sie habe nur mehr Unabhängigkeit, eigenes Geld und wieder Verständnis bei einem Mann gewollt, erklärte sie die seit Ende 2010 bestehende Liebschaft mit ihrem neuen Partner, der ebenfalls 30 Jahre älter als H. ist.

Sie habe vorgehabt, sich jedes Wochenende um den Mann zu kümmern, der sie aus dem Drogensumpf geholt hatte und dem sie „ewig dankbar“ sei, was auch heute noch gelte. Doch ihr Ehemann sei immer schwieriger geworden: „Sie fragen sich sicher alle, ob dieser Altersunterschied nichts ausmacht. Es ging mir immer um die Person, um das Zusammenleben, das lange sehr schön war“, sagte sie. Nur am Ende eben nicht mehr.

Der Prozess geht am Freitag weiter.

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