Luxusbühne macht vor Vandalen die Biege

Von: Robert Esser
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So teuer wie ein Reihenhaus: W
So teuer wie ein Reihenhaus: Wegen des einzigartigen Stahlfaltdaches kostete die neue Bühne im Kennedypark 147 000 Euro. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nach jahrelangen Querelen steht jetzt eine Luxusbühne im Kennedypark. 147.000 Euro aus Steuermitteln sind dafür geflossen - in einen 64 Quadratmeter großen Betonsockel und vor allem in eine hochkomplexe Stahlfaltdachkonstruktion.

Diese kann man wie eine Ziehharmonika auf- und zufahren. Deshalb kostet die Kennedybühne im Ostviertel so viel wie - zum Beispiel - ein komplettes Reihenhäuschen in Eilendorf.

Da der Kostenplan schon vor der Realisierung explodiert war, hatten Oberbürgermeister und Verwaltungsvorstand das Projekt Anfang 2009 auf Eis gelegt. Später gab der Stadtrat trotzdem grünes Licht. Der erste Spatenstich liegt ein Jahr zurück. „Weil die Baugrube wieder zugewachsen war, befürchteten viele Anwohner schon, dass die Bühne doch nicht kommt”, sagte Helmut Reuling.

Doch sie kam - zehn Jahre nachdem das millionenschwere Stadtteilerneuerungsprogramm Ost angelaufen war. Und Reuling betreut jetzt neben dem Spielhaus auch die neue Bühne im schmucken Kennedypark. „Grandios” fand er das Bauwerk beim Ortstermin mit OB Marcel Philipp und den Schöpfern des einzigartigen Konstrukts.

Die Ziehharmonika-Idee entwarf die frühere RWTH-Studentin Kasia Osiecka. Professor Martin Trautz und Arne Künstler vom RWTH-Lehrstuhl für Tragkonstruktionen entwickelten das „Stahldach mit wandelbarer Faltung” bis zur Praxisreife. Enormen Anteil daran, dass der „unheimlich komplizierte” Mechanismus funktioniert, der die Stahlbauer an ihre „handwerklichen Grenzen” brachte, haben die ausführenden Firmen Klotz & Gangloff sowie die Bauunternehmung Schlun.

Deren Mehreinsatz habe den Kostenrahmen gerettet, lobte OB Philipp. Er betonte: „Ich stehe zu dieser Bühne, auch wenn ich anfangs kritische Fragen gestellt habe.” Jetzt hoffe er auf möglichst viele Veranstaltungen - „und dies hoffentlich ohne Funktionsstörungen”. Das Einweihungsfest geht am Freitag, 17. Juni, von 15 bis 17 Uhr über die Bühne. Auf dem Programm stehen Tanz und Musik benachbarter Schulen, Kitas und Offener Türen.

Allen Einrichtungen, Vereinen, Theatergruppen, Bands etc., die „in irgendeiner Form im sozial-kulturellen Bereich engagiert sind”, steht die Bühne zur Verfügung (Kontakt: 507466 oder helmutreuling@googlemail.com).

Über zwei Handkurbeln lässt sich das zwei Tonnen schwere Edelstahlkorsett über sieben Meter ausfahren. Kaum länger als zwei Minuten dauert das. Zusammengezogen und eingeklappt schlummert das Dach in einem massiven Gitterkasten, der es vor Vandalismus schützen soll. Da die Bühne zu allen Seiten offen ist, kann sie bei großen Events auch Richtung Hauptwiese bespielt werden. Bei Regen hat auch das seinen Preis.
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