„Lust for Life“-Abschied: Was wird jetzt aus dem Horten-Haus?

Von: Robert Esser
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„Lust for Life“ räumt das Haus: Die Kaufhof-Tochter ist aus der Mode gekommen. Foto: Michael Jaspers
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Abgespeckte Version: Hinter dem Kaufhof soll „Lust for Life“ einen Teil der ehemaligen Saturn-Filiale beleben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Immer weniger Kunden, schwindende Umsätze: Die Kaufhof-Tochter „Lust for Life“ zieht jetzt die Reißleine und sucht Schutz bei der Mutter Galeria Kaufhof.

Ende Juni 2017 lässt „Lust for Life“ den Mietvertrag auslaufen und zieht aus dem 1998 bezogenen Horten-Haus an der Komphausbadstraße auf erheblich kleinere Fläche in den ehemaligen Saturn-Standort hinter den Kaufhof an der Adalbertstraße/Wespienstraße.

Drei Etagen mit 5500 Quadratmetern stehen seit dem Saturn-Umzug ins Aquis Plaza zu großen Teilen leer. Hier wird „Lust for Life“ aber nur einen Bruchteil der heute 10.400 Quadratmeter Verkaufsfläche einrichten, den Rest übernimmt das Mutterhaus mit seinen Marken selbst.

Ob der Schriftzug „Lust for Life“ überhaupt noch als Leuchtreklame an der Hausfassade auftaucht, ist laut Kaufhof-Sprecher Steffen Kern noch völlig offen. Ebenso unklar ist, ob einer der geplanten Outlet-Stores „Saks OFF 5th“ des kanadischen Kaufhof-Eigentümers Hudson‘s Bay Company (HBC) nach Aachen kommt. Fünf der insgesamt 40 für Deutschland geplanten Filialen sollen 2017 eröffnen.

Umzug und Schrumpfkur werden – so viel ist sicher – Folgen für den 84-köpfigen Personalstamm von „Lust for Life“ haben. Viele werden direkt zu den Kaufhof-Standorten in Aachen oder Düren wechseln – oder sich beruflich neu orientieren müssen.

Neue Perspektiven ergeben sich durch den Schrumpfkurs von „Lust for Life“ auch für das betagte Horten-Gebäude. Dieses hatte der Aachener Projektentwickler Norbert Hermanns mit seiner Landmarken AG Anfang 2014 gekauft. Seit Jahren wurde immer wieder über den Auszug von „Lust for Life“ spekuliert, was von der Galeria Kaufhof stets dementiert worden war – mit dem nun offenkundigen gegenteiligen Ergebnis.

Nicht wenige vermuten nun, dass nach Horten und „Lust for Life“ künftig ein Laufhaus am Ende des Dahmengrabens Kundschaft ganz anderer Art anziehen könnte. Die Stadt will den Rotlichtbezirk schließlich aus der Antoniusstraße drängen, aber in direkter Nachbarschaft ansiedeln – um so eine freiere Hand für die Überplanung des maroden Büchel-Areals zu haben, das künftig unter dem Namen „Nikolaus-Viertel“ neuen Glanz erlangen soll.

Umstritten ist bislang die Frage, wo genau Prostituierte ihren Geschäften in Zukunft am besten nachgehen könnten. Der City-Manager der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Holz- und Dahmengraben, Oliver Mohr, hält die mögliche Verwandlung des alten Horten-Hauses in ein Laufhaus nicht für die schlechteste Lösung: „Am schlimmsten wäre, wenn ab Mitte 2017 dieses große Gebäude lange Zeit leersteht. Gerade fängt sich der Dahmengraben, es gibt einige Neuvermietungen. Falls ein Leerstand am Ende der Einkaufstraße steht, gehen hier überall die Lichter aus. Wir brauchen hier unbedingt einen Kundenmagneten“, erklärte Marketingexperte Mohr. „Ein Laufhaus wäre da angesichts des betagten Baukörpers durchaus naheliegend“, sagte er.

Bislang schließt die Landmarken AG nur eine Komplett- oder Teilnutzung des Gebäudes als Bordell aus. Geplant sei vielmehr eine Mischnutzung, wie Landmarken-Sprecher Kolja Linden am Freitag erläuterte. Hotelbetrieb, Einzelhandel, innerstädtisches Wohnen und Büroflächen seien dort nach einem Umbau frühestens Mitte 2018 denkbar.

„Es gibt verschiedene Konzepte, abhängig davon ist natürlich auch die Umbauzeit“, sagte er. In jedem Fall handele es sich bei der Immobilie um ein „herausragendes, ungewöhnlich großes Objekt im Herzen der Stadt, das sehr attraktiv für verschiedene Interessenten ist“, so Linden. Zusagen gebe es aber noch keine, versicherte er. Billig-Kaufhäuser wie Primark hatten in den vergangenen Jahren immer wieder nach solchen Innenstadtlagen in Aachen gesucht.

Errichtet wurde das exponierte Gebäude zwischen Komphausbad- und Mefferdatisstraße im Jahr 1962 auf dem rund 3250 Quadratmeter großen Grundstück. Die Immobilie mit den typischen „Hortenkacheln“ steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Sie bietet rund 18.500 Quadratmeter Nutzfläche, davon hatte „Lust for Life“ 10.400 Quadratmeter belegt und schon vor Jahren die vierte Etage wegen rückläufigem Kundenverkehr dichtgemacht.

Hermanns‘ Landmarken AG will nun, nachdem HBC den Mietvertrag nicht verlängern wollte, mit einem neuen Konzept für mehr Zulauf ins künftige Nikolaus-Viertel Richtung Büchel und Großkölnstraße sorgen. Immer wieder stand auch eine Überdachung des Dahmengrabens zur Debatte, um den kompletten Einkaufsbereich aufzuwerten.

Schon lange sucht man nach einem zugkräftigen Gegengewicht zum Kundenmagneten Aquis Plaza am Kaiserplatz. Dies konnte das Konzept „Lust for Life“ am Dahmengraben längst nicht leisten. Die Kunden kehrten dem Haus zunehmend den Rücken. Filialleiter Stephan Engel glaubt zwar, dass sein Haus „weit über die Stadtgrenzen von Aachen hinaus beliebt“ ist. „Allerdings haben sich die Kundenströme und Lauflagen in der Aachener City in den vergangenen Jahren verändert“, räumte er ein.

Er wolle „viel Leidenschaft für Mode, Stil und Trends am neuen Standort in komprimierter Form“ etablieren, sagte Kaufhof-Sprecher Kern. Es drängt also: Sonst spielt „Lust for Life“ bald keine eigene Rolle mehr. Es sei denn, mehr Kunden lassen künftig kräftiger die Kassen klingeln.

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