Luft in Aachen zeitweise „so schlecht wie in China“

Von: stm
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Viel zu hoch: Die Stickoxidwerte in Aachen – hier gemessen an der Station Wilhelmstraße schießen trotz Umweltzone und Luftreinhalteplan durch die Decke. Die Verbände ADFC und VCD fordern einmal mehr konsequentere Maßnahmen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mehr als 200 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft – das ist ein krasser Wert. Registriert wurde dieser Stundenwert laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) am 27. Januar an der Landesmessstation Wilhelmstraße. Das zeige, dass die Luftqualität in Aachen bei ungünstigen Witterungslagen „so schlecht wie in China“ sei, kritisieren die Verbände.

Auch nach Inkrafttreten des aktuell geltenden Luftreinhalteplans im Sommer 2015 seien die Werte nicht gesunken. Der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft werde nach wie vor in keiner Weise eingehalten. Vielmehr liege der Jahremittelwert nach wie vor bei 50 Mikrogramm – auch nach und trotz der Einführung der Umweltzone im Februar 2016.

Die Lage werde einfach nicht besser. Auch 2016 seien wieder mehr Autos und Lastwagen in Aachen zugelassen worden. In den letzten fünf Jahren seien es insgesamt 6500 gewesen. „Eine Anpassung der Parkgebühren in der Innenstadt zur Reduzierung von Paerkplatz-Suchverkehr wird von der politischen Mehrheit abgelehnt“, kritisieren Volker Schober (ADFC) und Ulrich Bierwisch (VCD). Die im Luftreinhalteplan anvisierten Verbesserungen für den Radverkeher, die den Anteil der Radfahrer von elf auf 20 Prozent im Jahr 2020 steigern sollen, seien in den vergangenen drei Jahren nicht umgesetzt worden.

Auch die von Stadt und Politik selbstgesteckten Ziele bei der Busumrüstung auf Euro-6-Standard würden nicht eingehalten. Statt im Zeitraum 2015 bis 2017 20 dieser Busse anzuschaffen, sei es 2015 kein einziger gewesen. Zudem seien viele Busse von Subunternehmern der Aseag weiterhin ohne grüne Plakette im Stadtgebiet unterwegs – und die Stadt erteile weiterhin Ausnahmegenehmigungen. Des Weiteren werde eine Umrüstung neuerer Busse mit Filtertechnik gegen den Stickoxid-Ausstoß „von der Politik nicht gewünscht, obwohl dies durch Mehreinnahmen bei der Kontrolle der Umweltzone finanzierbar wäre“, so Schober und Bierwisch.

Sie fordern auch eine effektive Kontrolle und schnelleres Abschleppen von Falschparkern, die ihr Gefährt auf Geh- und Radwegen sowie Busspuren abstellen. Nicht zuletzt sei das seit Jahren geplante Fahrradverleihsystem „Velocity“ nicht so richtig aus den Füßen gekommen. Es gebe nur zehn Stationen mit maximal 90 Fahrrädern statt wie geplant 100 Stationen mit 1000 Fahrrädern.

„Im Ergebnis ist es für viele Menschen weiterhin attraktiver, das eigene Auto zu nutzen als mit dem Bus, dem Rad oder zu Fuß in die Stadt zu kommen“, sagt Volker Schober. Man appelliere daher „eindringlich an Politik und Verwaltung, endlich effektive Maßnahmen zur Luftreinhaltung umzusetzen. „Die Umweltzone wirkt schon deshalb nicht, weil sich so viele nicht daran halten.

Die hohen Einnahmen aus Strafzetteln müssten dazu genutzt werden, um moderne Busse zu kaufen oder wenigstens die Busse umzurüsten, die ohne grüne Plakette durch Aachen fahren“, betont Ulrich Bierwisch.Weitere Untätigkeit werde „aufgrund der spätestens im Jahr 2018 drohenden Fahrverbote für dreckige Dieselfahrzeuge“ auch für den Einzelhandel, das Handwerk und die lokale Wirtschaft in Aachen erhebliche negative Folgen haben.

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