Lütticher Straße bleibt ein Zankapfel

Von: Laura Lingston
Letzte Aktualisierung:
6217482.jpg
Kontroverse um Bäume und Parkplätze: Oberbürgermeister Marcel Philipp diskutierte am Freitag vor Ort mit der Bürgerinitiative Lütticher Straße die geplanten Umbaumaßnahmen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Eine Gruppe von etwa 20 Leuten spaziert die Lütticher Straße entlang. Die Sonne lässt sich hin und wieder zwischen den Wolken blicken. Die Blätter der Bäume, die am Straßenrand stehen, wehen im Wind. Doch so friedlich wie die Situation auf den ersten Blick aussieht, ist sie nicht. An der Lütticher Straße werden schon seit 2009 hitzige Diskussionen über die Umbaumaßnahmen der Stadt geführt.

Heute ist Oberbürgermeister Marcel Philipp Teil der Diskussion. Er ist dem Wunsch der „Bürgerinitiative Lütticher Straße“ gefolgt, und nimmt an der Führung durch den Bauabschnitt II, dem Bereich zwischen der Ecke Limburger Straße und der Ecke Amsterdamer Ring, teil. Luzie Leibenguth und Thomas Bürgerhausen zeigen ihm und den interessierten Anwohnern, welche Pläne die Bezirksvertretung Aachen-Mitte letzte Woche für den Bauabschnitt II beschlossen hat. Diese wiederum werden Donnerstag, 19. September, dem Mobilitätsausschuss vorgestellt und sind die Grundlage für den Finanzierungsantrag.

Nicht nur die Finanzierung ist ein Thema während des anderthalb Stunden langen Spaziergangs – „so weit sind wir ja noch nicht“, erklingt es aus der Bürgerinitiative. Ein Themenwirrwarr aus Parkmöglichkeiten, Bepflanzung, und Radwegen hallt über die schimpfende Meute – vor allen Dingen das Abholzen von 58 Bäumen, von dem Leibenguth „letzte Woche von der Frau Poth“ erfahren habe, ist eines der emotionalen Themen. Dass alle krank und marode sind und abgeholzt werden müssen, fällt wohl allen Bürgern schwer zu glauben.

Doch die Stadt habe Experten beauftragt, die sich die Bäume angeschaut und „massive Schäden im Stamm- und Wurzelbereich“ entdeckten, wie aus der Vorlage der Sitzung am 4. September hervorgeht. Eine Feststellung, die auch Thomas Bürgerhausen „sehr bedauert“, an der aber „nichts zu machen“ sei. Die Stadt kommt dem Bedauern mit einer entsprechenden Neupflanzung des Baumbestands entgegen. An der bemängeln jedoch die meisten Spaziergänger, dass die jungen spärlichen Bäume nicht mit den alten zu vergleichen seien. Die Forderung, die viele Bürger bei der Begehung äußern: Die Bäume sollen sukzessive nacheinander gerodet werden, damit der Alleencharakter der Lütticher Straße nicht verloren geht. Das sei wiederum mit „erheblichen Mehrkosten verbunden“, wie Regina Poth, Leiterin der Abteilung Straßenbau, zu bedenken gibt. Die Pflege der kranken Bäume sei teurer und mit mehr Aufwand verbunden als die Rodungsmaßnahme.

Wirbel um Änderung des Radwegs

Immerhin konnte die Bürgerinitiative zwei andere Anliegen durchsetzen: die Erhaltung der Ampelanlage an der Limburger Straße und die der Parkplätze. Laut Vorlage habe sich die Parkraumbilanz sogar verbessert. Leibenguth betont indes, dass die Bürgerinitiative keinesfalls für eine Rodung der Bäume gewesen sei, um mehr Parkplätze zu schaffen. Sie habe lediglich die Erhaltung des Parkraums befürwortet. Und bei dem Thema sind sich alle Anwohner einig.

Ein Thema, das die Geister scheidet, ist die Änderung des Radwegs. Bisher verlief der auf der rechten Seite stadteinwärts zwischen den Parkplätzen und dem Gehweg auf einem extra angelegten Pfad. Eine Möglichkeit, die vor allen Dingen den Müttern an der Lütticher Straße gefällt, da sie ihre Kinder auf diesem Radweg in Sicherheit wissen. Geplant ist jedoch ein Fahrradschutzstreifen auf der Straße, den es bereits auf vielen Straßen Aachens gibt. Eine hitzige Diskussion bricht an der Stelle des Geschehens aus: Eine aufgebrachte Mutter spricht mit Poth und versucht, ihr zu erklären, dass der bestehende Radweg abseits der Straße sicherer ist als der geplante auf der Straße. Poth entgegnet, dass Fahrradschutzstreifen bewiesenermaßen sicherer seien. Eine Aussage, die keiner der Teilnehmer so recht versteht. Der Oberbürgermeister versucht zu schlichten: „Es gibt so unterschiedliche Typen von Radfahrern, die alle einen anderen Radweg bevorzugen. Wir müssen uns in dem Fall einfach auf einen Kompromiss einigen.“ Die Bürgerinitiative hat sich für ihren Teil damit abgefunden.

Wovor es den Vertretern der Initiative und den Anwohnern allen graut: den Kosten, die auf sie zukommen. Die schätzt Bürgerhausen auf etwa 6000 Euro pro Anlieger. Doch genaue Zahlen folgen erst, wenn der Mobilitätsausschuss die Pläne der Stadt bewilligt. Der Spaziergang ist beendet, das eine oder andere Streitwort gesprochen, die meisten Anwohner um ein paar Nerven ärmer. Aber die Bürgerinitiative wurde letztendlich zumindest in einigen ihrer Anliegen berücksichtigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert