Ludwig Forum: „Abschied auch eine Chance“

Von: Albrecht Peltzer und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Foto: Harald Krömer Datum: 07.01.2014 Portrait Brigitte Franzen, Ludwig Forum Job: Franzen 4

Aachen. Kunst soll ja bekanntlich auch überraschen – und der Kunstgriff ist Brigitte Franzen in der Tat gelungen. Dass die Leiterin des Ludwig Forums den Musenhort an der Jülicher Straße verlässt und zum 1. Mai in den Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung wechselt, traf die meisten Kulturpolitiker unvorbereitet.

Und nicht nur sie: Selbst Oberbürgermeister Marcel Philipp erfuhr die Neuigkeit erst am Montagnachmittag – per Mail von Brigitte Franzen. „Vorher gab es keinerlei Anzeichen“, sagte er am Dienstag. Allerdings hält sich der OB auch nicht lange mit dem Blick zurück auf. „Ich sehe den Wechsel als Chance, bei der Suche nach einer Nachfolge auch wieder über die Ausrichtung des Hauses zu diskutieren.“ Im Übrigen sei Brigitte Franzen in ihrem neuen Job ja auch nicht aus der Welt. „Sie in der Stiftung zu haben, schadet der Stadt sicher nicht.“

Eine Chance sehen – das ist die am meisten verwendete Floskel, wenn es um Franzens Nachfolge geht. „Für Überraschungen war Frau Franzen ja immer gut“, meinte Ratsfrau Ursula Epstein (Die Linke) am Dienstag lakonisch. Ihr Weggang ebne aber den Weg, einen Neuanfang in Sachen Ludwig Forum hinzubekommen. Und vor allem: Von der Nachfolgerin oder dem Nachfolger erwarte man nicht nur Kompetenz in Sachen Kunst, sondern auch in punkto Personalführung.

Überraschungen personeller Art sind offensichtlich auch für die SPD nicht sonderlich prickelnd. Schön wäre es gewesen, so Fraktionsvorsitzender Michael Servos, wenn man den „Prozess der Nachfolge etwas langfristiger hätte anlegen können“. Jetzt müsse die Strukturkommission diskutieren, wie es weiter geht. Klar ist für die SPD, dass der Wechsel auch mit der Frage nach der Konzeption des Hauses verbunden sein muss. Der Forums-Gedanke müsse mehr in den Vordergrund gerückt werden. Auch die Piraten, so Gunter von Hayn, seien dafür, die Diskussion „Museum oder Forum“ neu zu führen.

Verständnis für den Wechsel von Franzen zur Stiftung äußerte am Dienstag Margrethe Schmeer (CDU). „Es ist sicher reizvoller, Gelder zu verteilen, als sie zu akquirieren.“ Ihre künftige Aufgabe erfordere hohe Qualifikation, „die Frau Franzen fraglos mitbringt“. Jetzt gehe es darum, die Stelle per Ausschreibung schnellstmöglich wieder zu besetzen. Auch die FDP sieht im Weggang von Brigitte Franzen eine Bestätigung der Arbeit der Lufo-Direktorin. „Man kann sich wirklich für sie freuen“, so Ruth Crumbach-Trommler. Allerdings hätte sich auch die FDP gewünscht, früher informiert worden zu sein. Das Forum brauche jetzt einen „Kommunikator“, der die Anforderung meistere, avantgardistische Kunst zu zeigen und gleichzeitig ein großes Publikum zu interessieren, so Crumbach-Trommler.

„Für Brigitte Franzen ist der Wechsel zur Stiftung Ludwig ein guter, nächster Karriereschritt, zu dem wir sie nur beglückwünschen können“, sagte Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram am Dienstag. Für die Stadt und die Entwicklung der städtischen Museumslandschaft komme ihr Schritt allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt, sei doch gerade erst die Zusammenarbeit mit Peter van Brink, dem Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums, verlängert worden.

Auf der anderen Seite eröffne die Frage einer Neubesetzung der Leitung des Forums erneut die Debatte, die Struktur und Organisation der Museen in der Stadt insgesamt noch mal ganz neu zu denken.

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