Lousberg-Bunker: Abriss vorerst gestoppt

Von: Matthias Hinrichs
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Stillstand verordnet: Die Abrissarbeiten am Bunker in der Rütscher Straße sind bereits seit einigen Wochen ausgesetzt, nachdem ein neuerliches Gutachten die Einhaltung aller gesetzlichen Emissionsschutzvorgaben einfordert. Stadt und Investoren suchen jetzt nach neuen technischen Möglichkeiten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Außergewöhnlich still ist es geworden rund um ein prominentes Bauprojekt, das noch vor kurzem reichlich Krach verursacht hat – in jedem Sinn. Vor rund vier Wochen bereits sind die Abrissarbeiten am Bunker in der Rütscher Straße vorerst im Wesentlichen eingestellt worden.

„Wir haben inzwischen durch ein neuerliches Gutachten, das auch dem Verwaltungsgericht Aachen vorliegt, nachweisen können, dass die Lärm- und Erschütterungswerte durch die Demontage eben doch nicht im gesetzlich zulässigen Rahmen liegen“, erklärte Professor Dr. Christoph Schulten, der sich seit Jahr und Tag in einer Bürgerinitiative gegen die Niederlegung des Kriegsrelikts engagiert hatte. Wie es jetzt weitergeht mit dem inzwischen zur Hälfte abgerissenen Betonkomplex am Fuß des Lousbergs, ist offen.

„Wir prüfen derzeit, welche alternativen Techniken es gibt, um das Objekt komplett zu beseitigen“, erklärte Detlev Karsten, Geschäftsführer der Lousberg Höfe GmbH, einer Tochter der Investorengesellschaft Landmarken AG. Der Kriegsbau soll bekanntlich Platz machen für rund 50 hochwertige Wohnungen.

„In der Tat sind die Grenzwerte für Lärm und Erschütterungen im Umfeld wiederholt überschritten worden“, bestätigte Hans Poth, Leiter des städtischen Pressebüros, am Dienstag. Die Stadt habe deshalb auf die Bremse getreten. „Wir versuchen jetzt gemeinsam, eine vernünftige Lösung zu finden.“

Das könnte schwierig werden. „Im Gutachten wurde unter anderem festgestellt, dass die Messgeräte zur Erfassung der Belastungen für das Umfeld teilweise zu weit entfernt aufgestellt worden sind“, erklärte Schulten. „Und ich muss sagen, ich bin ein wenig stolz, dass wir vor allem der Stadt hier ihre Grenzen aufzeigen konnten. Denn es kann nicht angehen, dass sie sich immer wieder den Vorstellungen gewisser großer Investoren beugt statt umgekehrt.“

Bereits Anfang des Jahres war zunächst festgelegt worden, dass die besonders lärmträchtigen Maßnahmen pro Tag nicht länger als zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen dürften. Doch auch die Grenzwerte für Lärmemissionen – maximal 70 Dezibel – konnten offensichtlich nicht eingehalten werden. Karsten bekräftigte indes, dass der Abriss keineswegs langfristig gestoppt werde.

Geprüft werde nun auch, ob Sprengmaßnahmen in Frage kämen. „Das wäre allerdings wiederum mit erheblichem Lärm verbunden, weil zahlreiche Bohrungen erfolgen müssten“, sagte er der AZ. „Dabei hätte das Thema längst vom Tisch sein können. Wenn ein einzelner Bürger nicht weiter gegen das Projekt vorgegangen wäre, wären die Abrissarbeiten längst komplett erledigt.“ Allerdings wird in dem Gutachten, das der AZ vorliegt, unter anderem bemängelt, dass „eine Abschätzung über die Dauer der gesamten Abbruchmaßnahme und insbesondere der maximalen Erschütterungseinwirkungen“ nicht vorliege – und dies, obwohl sich in unmittelbarer Nähe des Bunkers mehrere denkmalgeschützte Häuser befänden.

Schulten, der selbst Architekt ist, verweist derweil auf eine Reihe von Alternativvorschlägen, mit denen er dargelegt habe, wie auch die noch vorhandenen Reste des Bunkers in einen Neubau integriert werden könnten. „Damit bliebe die Möglichkeit, zumindest einen Teil dieses historisch bedeutsamen Gebäudes für die Nachwelt zu erhalten“, meint er. Schließlich handele es sich um den letzten Gefechtsstand der NS-Wehrmacht vor der Eroberung Aachens. Am 21. Oktober 1944 wurde die Kapitulation der Stadt dort besiegelt – das Datum kennzeichnet mithin den Anfang vom Ende des Hitler-Regimes in Deutschland. „Es wäre nach wie vor möglich, den Bunker wegen seiner besonderen Bedeutung unter Denkmalschutz zu stellen“, fordert deshalb auch Hermann Tücks von der Bürgerinitiative.

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