Lousberg-Beil war erster Exportschlager

Von: Christoph Classen
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Alt, aber ein Publikumsmagnet: Die Fundstücke aus dem Aachener Boden lockten zahlreiche Interessierte in Alte Kurhaus zum Vortrag über die archäologischen Funde. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Exportschlager wurden in Aachen bereits lange vor der Erfindung von Printen und Nadeln produziert. In der Jungsteinzeit, vor etwa 3000 Jahren, war unsere Stadt berühmt für ihre qualitativ hochwertigen Beile.

Andreas Schaub schätzt den Radius ihrer Verbreitung auf 280 Kilometer rund um den Fertigungsort. „Und das ohne moderne Verkehrsmittel”, sagte der Stadtarchäologe.

Dass die Ur-Öcher am Lousberg einst ein Feuersteinbergwerk betrieben, war schon lange bekannt. Fraglich war aber, ob sie sich auch in der Nähe niederließen. Die archäologischen Grabungen im Elisengarten lieferten Klarheit. Die spektakulärsten Ergebnisse wurden von Schaub und OB Dr. Jürgen Linden jetzt im Alten Kurhaus vorgestellt. Das Interesse war riesig, kein Platz blieb frei.

Dann präsentierte der Stadtarchäologe ein paar rötlich gefärbte Steinkrümel. Feuersteinabschlag sei das, gefunden unter dem Elisengarten. Für Schaub der Beweis, dass in der Steinzeit nicht nur am Lousberg malocht wurde. Die Menschen haben im späteren Elisengarten auch gewohnt. Dort fertigten sie die beliebten Beile und hinterließen deshalb ein paar rötliche Steinkrümel.

Nicht die einzige Neuigkeit, die bei den Buddelarbeiten zu Tage kam. OB Linden stuft die Ergebnisse als „umwälzend” ein, Teile der Stadtgeschichte müssten neu geschrieben werden. Dass die Kelten in Aachen siedelten, gilt jetzt als gesichert. Entsprechende Funde belegen dies. Dass die Römer hier waren, ist keine Neuigkeit. Wohl aber, dass Aachen für sie nicht nur ein relativ unbedeutender Badeort war. Sonst hätten sie wohl kaum ein hoch entwickeltes Straßennetz angelegt, eine vergleichbare Infrastruktur sei in NRW nur in Köln, Xanten und Trier gefunden worden, sagte Schaub.

Der Stadtarchäologe schätzt, dass die römische Siedlung mindestens 16 Hektar groß gewesen ist. „Das ist nicht ganz klein”, kommentierte Schaub. Dazu passt, dass unter dem Elisengarten Überreste eines Unterkunftgebäudes, eines luxuriösen Wohnhauses und sogar ein kleiner Tempel gefunden wurde. „So lange die Römer hier waren, haben sie immer was dran gebaut”, sagte Schaub. Ihre Anwesenheit in Aachen ließe sich jetzt „locker bis ins 5. Jahrhundert” nachweisen.

Als „Quantensprung” bewertete der Stadtarchäologe die rund 800 Fundstücke aus der Merowinger-Zeit. Erstmals konnte nachgewiesen werden, dass Vertreter des ältesten nachgewiesenen fränkischen Königsgeschlechts in Aachen waren. Und auch die Anwesenheit der Karolinger, auf die sich die Aachener stets stolz berufen, sei endlich bewiesen.

Schaub: „Die Leute in einschlägigen Internetforen haben sich schon lustig gemacht.” Die haben ja gar nichts aus der Karolingerzeit, sei dort geschrieben worden. Mit dem Fund eines Brunnens aus dieser Epoche sind solche Lästereien ab sofort aber Vergangenheit. „Er ist von wirklich ganz großer Bedeutung”, sagte Schaub.

Überreste aus der Zeit nach den Karolingern wurden im Elisengarten auch zu Tage befördert. Nahezu perfekt erhaltene, holzverschalte Gruben zum Beispiel. Schaub kann sie noch nicht ganz zuordnen, die dendrochronologische Untersuchung sei abzuwarten. Die soll Aufschluss über das Alter des verwendeten Holzes geben.
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