Lourdesheim: „Absurde“ Sanierung statt großer Neubau

Von: Matthias Hinrichs
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Das Konzept fürs 15-Millionen-Projekt für einen Neubau des Lourdesheims ist Makulatur: Dr. Klaus Herzberg, Geschäftsführer der Franziska-Schervier-Altenhilfe, hier mit Pflegedienstleiterin Birgit Thomas und Hausleiter Markus Laumen (Mitte), muss nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts neu planen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Vision vom 15-Millionen-Projekt am I.-Rote-Haag-Weg ist vor wenigen Tagen spektakulär geplatzt. Die Aachener Verwaltungsrichter haben gesprochen – und den groß angelegten Plänen zur Schaffung eines Neubaus auf dem Gelände des Lourdesheims einen Riegel vorgeschoben.

„Nachdem unsere Klage gescheitert ist, sind wir nun gezwungen, die drei bestehenden Gebäude nach und nach zu modernisieren und die Kapazitäten von 155 auf 130 Bewohnerplätze zu reduzieren“, erklärt Dr. Klaus Herzberg, Geschäftsführer der Franziska-Schervier-Altenhilfe GmbH, die das Haus im Aachener Süden betreibt. Und fährt schweres Geschütz vor allem gegen das Land auf.

Ursprünglich hatten die Schervier-Schwestern geplant, im Neubau am angestammten Ort 124 Seniorenplätze zu schaffen und kleinere Wohngruppen für je neun bis zwölf Personen einzurichten. Ihren Antrag auf Genehmigung wies das Land aber zurück. Bereits 2003 nämlich hatte die NRW-Regierung verfügt, dass Neubauten für stationäre Senioreneinrichtungen auf maximal 80 Plätze begrenzt werden müssen.

Die Regelung fand großen politischen Rückhalt: Der Landtag bestätigte den Vorstoß 2014 im Zuge einer grundlegenden Reform der Altenpflege einstimmig. Das Aachener Urteil kommentierte die zuständige Ministerin erwartungsgemäß mit besonderer Genugtuung: Die Bewohner seien damit künftig grundsätzlich nicht mehr „auf anonyme Großeinrichtungen auf der ,grünen Wiese‘ am Stadtrand angewiesen“, ließ Barbara Steffens umgehend mitteilen, wie die AZ berichtete.

Damit werde dem langfristigen Ziel Rechnung getragen, nur noch „überschaubare Heime im vertrauten Wohnquartier“ zuzulassen, welche den Senioren „ein Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung und Privatatmosphäre ermöglichen“, so die Grünen-Politikerin.

Eine Revision beim OVG Münster strebt Herzberg zwar nicht an; nachvollziehbar sei die Argumentation des Landes, der die Richter nun in vollem Umfang folgten, für ihn jedoch ganz und gar nicht. Die Deckelung der Kapazitäten halte er für „absurd“. Denn auch in größeren Einheiten sei eine qualifizierte und individuelle Betreuung in jedem Fall gewährleistet.

Die Infrastruktur für eine angemessene Versorgung hätte mit einem solitären Neubau aus seiner Sicht in jedem Fall verbessert werden können. So hätte man zum Beispiel lange Transportwege nicht mehr in Kauf nehmen müssen, was angesichts der „dezentralen“ Unterbringung im bestehenden Ensemble mit drei Häusern eben nicht zu vermeiden sei.

„Diese Obergrenze ist wissenschaftlich durch nichts untermauert. In anderen Bundesländern gibt es so etwas nicht“, sagt Herzberg. Und: Ein kompletter Umbau der bestehenden Häuser – der im Zuge des Bestandsschutzes weiterhin möglich gewesen wäre – hätte das vorgesehene Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro bei weitem gesprengt, betont er.

„Wenn wir nur noch 80 Plätze ausweisen dürften, hätten wir etwa 50 Mitarbeiter entlassen und ihnen entsprechende Abfindungen zahlen müssen, die mit rund 550 000 Euro zu veranschlagen gewesen wären“, kritisiert Herzberg. Im Ganzen wären die zusätzlichen Kosten damit auf rund 1,3 Millionen Euro gestiegen, so seine Kalkulation. „Und ein Neubau von zwei Häusern mit geringeren Kapazitäten wäre für uns sowieso nicht finanzierbar.“

15 Stellen fallen mittelfristig weg

Folglich müsse die Gesellschaft sich damit begnügen, die existierenden Gebäude, die zuletzt in den 1980ern saniert und teils neu gebaut worden seien, in den kommenden zwei Jahren zu modernisieren, um auch jüngsten Vorgaben zur Schaffung von Einzelzimmern Rechnung zu tragen. Deren Anteil muss ab 2018 bei mindestens 80 Prozent liegen.

Die nachweislich exzellenten Pflegestandards blieben ohnedies gewährleistet, betont der Geschäftsführer. Bestnoten in allen Kategorien habe der Medizinische Dienst dem Haus kürzlich bescheinigt. „Mittelfristig werden wir allerdings etwa 15 Stellen über auslaufende Verträge einsparen müssen“, schätzt Herzberg.

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