Löhrmann und Lindner in Aachen: Endspurt mit Rückkopplung

Von: Amien Idries
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Keine Schulden: Christian Lind
Keine Schulden: Christian Lindner (FDP) appelliert an „urliberale” Tugenden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zumindest die Tonanlage der Grünen scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Es ist Wahlkampfendspurt in NRW, und die Bildungsministerin Sylvia Löhrmann versucht an diesem Mittwochmorgen am Aachener Elisenbrunnen, Wähler zu mobilisieren.

Sie lobt vor knapp 100 Zuhörern die Politik der rot-grünen Minderheitsregierung und schimpft auf die der schwarz-gelben Vorgänger. Als der Name Jürgen Rüttgers fällt, reagiert die Technik mit einer knackigen Rückkopplung, so als wolle sie sich wehren, den Namen des ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten zu übermitteln. Ein weiteres Feedback gibt es, als der Name des CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen fällt. Versucht da etwa die Tonanlage, die grüne Klientel aufzuwecken?

Denn die vor knapp zwei Monaten bei der Auflösung des Landtags als sicher geltende klare Mehrheit für Rot-Grün ist vier Tage vor der Wahl nicht mehr ganz so wahrscheinlich. Rot-Grün wird durch das Aufkommen der Piraten bedroht, die wohl sicher in den Landtag einziehen werden. Und neuerdings auch durch die FDP, die in NRW aus dem Umfragetief auftaucht.

Deren Spitzenkandidat Christian Lindner war am Mittwoch ebenfalls zu Besuch in Aachen. Allerdings unter gänzlich anderen Voraussetzungen als Löhrmann am Morgen. Anstatt sich der wetterbedingten Unwägbarkeiten auszusetzen, hat die FDP einen Kinosaal im Aachener Cineplex gebucht und empfängt abends bei gedimmten Licht und Loungemusik.

Wer bislang am Lindner-Effekt gezweifelt hat, konnte sich nun von seiner Existenz überzeugen. Rund 500 Personen fasst der Saal und mit näher rückendem Beginn strömen unter den staunenden Blicken der hiesigen FDP-Prominenz immer mehr Menschen ins Kino. Parteimitglieder, Sympathisanten, solche, die einfach mal Linder gucken wollen und manche, die wissen wollen, wie Wahlkampf im Kino aussieht. Unabhängig von der Motivation der Zuschauer ist also das Mindeste, was man über den neuen Landesvorsitzenden sagen kann, dass er Publikum zieht.

Bevor jedoch der „liberale Messias” - so nennt ihn der Moderator - sprechen kann, heizt Rainer Brüderle dem Publikum ein. Den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion hat Lindner als bundespolitische Unterstützung mitgebracht. Auf den ungeliebten Parteichef Philipp Rösler verzichtet er auch in Aachen. Das Schlachtross Brüderle lobt den Wirtschaftsstandort Deutschland, der durch harte Arbeit und sinnvolles Sparen zum Vorbild in Europa geworden sei. „Die Herzkammer dieses Modells ist NRW”, bereitet Brüderle Lindner das Feld.

Der setzt nach einem Wahlwerbespot (darum wurde vermutlich ein Kino ausgewählt) dann auch gleich auf das Thema Schulden. Das Nein zum Haushalt, das schließlich zu den Neuwahlen geführt hat, hätten die FDP-Abgeordneten gewissermaßen mit ihrem Blut unterschrieben. Das sei Ausdruck einer urliberalen Haltung, die er im Landtag fortführen werde. „Wir werden mit keiner Partei in eine Regierung gehen, die Schulden machen will”, erteilt Lindner Spekulationen um eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen eine Absage. Am Sonntag gehe es um die Zukunft des Landes, sagt Lindner schließlich unter dem donnernden Applaus der ersten Reihen.

Die Grünen halten dem inhaltlich auch in Aachen das entgegen, was neuerdings unter den „drei grünen K” firmiert: Kinder, Klima, Kommune. Die Schulministerin Löhrmann hebt noch einmal die Bedeutung des Schulkonsenses hervor und projiziert als nächstes großes Projekt die verstärkte Inklusion, also eine bessere Eingliederung behinderter Schüler in Regelschulen. In Sachen Klimaschutz benötige die SPD ein grünes Regulativ, und die Kommunen müssten weiter entlastet werden.

Die Kernbotschaft Löhrmanns ist jedoch eine andere. Es ist ein beständiges Werben für eine Neuauflage der Regierung mit Hannelore Kraft. Dem vierten grünen K, wenn man so will. Löhrmann schwärmt vom kooperativen Politikstil, der sich in der Minderheitsregierung entwickelt habe.

Und malt dann, als finales Argument, das Gespenst einer großen Koalition an die Wand. Die müsse unbedingt verhindert werden, was nur mit der Zweitstimme für Grün gelinge. „Zweitstimme ist Löhrmannstimme”, tönt es am Ende. Vollkommen rückkopplungsfrei.
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