Aachen - Lkw-Verbot kommt oft unter die Räder

Lkw-Verbot kommt oft unter die Räder

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Schweres Gefährt auf Abwegen: Den Fahrer dieses sicher über 3,5 Tonnen schweren Lkw scheint das Fahrverbot nicht sonderlich zu interessieren. Er fuhr gestern gegen 10.30 Uhr auf der Wilhelmstraße Richtung Normaluhr. Zwischen 7 und 12 Uhr ist sie für Brummis Sperrzone. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Um fünf vor zwölf ist es dann der Lkw eines großen Logistikkonzerns, der die Wilhelmstraße unter die Räder nimmt. Richtung Normaluhr fährt er, vorbei an dem Schild, das ihm die Durchfahrt verbietet, vorbei an der beigefarbenen Feinstaub-Messstation mit der Aufschrift „Saubere Luft für NRW”.

Er ist nicht allein. An diesem Vormittag sind es 15 Lkw, die sich zwischen elf und zwölf Uhr die Wilhelmstraße herauf schieben. Im gleichen Zeitraum befahren 19 Brummis die Hauptverkehrstrasse in umgekehrter Richtung.

Umweltzone umgehen

Bemerkenswert klein erscheint die Differenz beider Zahlen vor dem Hintergrund, dass ein Teil der Lkw die Wilhelmstraße völlig legal befährt, während sie für den anderen zur Sperrzone erklärt worden ist. Wie berichtet, trat vor knapp anderthalb Monaten ein Fahrverbot in Kraft. Es soll verhindern, dass Lkw ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen die Wilhelmstraße Richtung Normaluhr befahren. Das Verbot gilt täglich jeweils von sieben bis zwölf Uhr. Eingerichtet wurde es, damit die Feinstaubwerte, die an der Messstation in der Wilhelmstraße registriert werden, sinken.

Die Maßnahme ist eine unter vielen im Rahmen des sogenannten Luftreinhalteplans, der zum Beispiel auch die Aufstellung eines weitergehenden Lkw-Führungskonzeptes vorsieht. Die Stadt verfolgt den Luftreinhalteplan mit gewissem Ehrgeiz. Schließlich soll er dazu dienen, die Einrichtung einer Umweltzone zu verhindern. Die ginge mit viel umfangreicheren Fahrverboten einher.

Entscheidend für die Einrichtung einer Umweltzone ist, wie oft die Feinstaubbelastung einen bestimmten Grenzwert überschreitet. Deswegen gehen die Bemühungen dahin, die Emissionen zu reduzieren. Zumindest gehen sie dahin, dass an den Messstationen weniger Feinstaub registriert wird. Axel Costard vom städtischen Presseamt betont, das Lkw-Fahrverbot sei eine Maßnahme, die Aachen von der Bezirksregierung auferlegt wurde.

Die Umsetzung war Sache der Stadt. 15.000 Euro kosteten die Verbotsschilder an Kaiserplatz, Heinrichsallee, Adalbertsteinweg und der Stiftsumfahrt St. Adalbert. Nun haben die Rot umrahmten Schilder auf Lkw-Fahrer allenfalls eine bedingt abschreckende Wirkung. Zumal das Risiko, auf frischer Fahrt ertappt zu werden, gering ist.

Die Kontrolle hat bei der Polizei Aachen jedenfalls nicht höchste Priorität, sagt deren Sprecher Michael Houba: „Wir haben vielfältige Aufgaben. Dies steht nicht ganz oben.” An der Wilhelmstraße gebe es keine gezielten Lkw-Kontrollen. Houba: „Es fahren viele Streifen in der Innenstadt. Wird ein Verstoß gesehen, wird er geahndet.” Mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt in der Verkehrssünderkartei.
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