Lkw-Sperren sollen jecke Umzüge schützen

Von: Oliver Schmetz
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Karneval in Zeiten des Terrors: Beim Rosenmontagszug sollen Lkw-Sperren an neuralgischen Punkten wie zum Beispiel der Normaluhr (im Bild hinten) verhindern, dass Attentäter mit Lastwagen in die Menschenmenge rasen können. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Im vorigen Jahr war es Köln, dieses Jahr ist es Berlin: Dass Städtenamen wie dunkle Wolken über Großveranstaltungen schweben, daran muss man sich wohl gewöhnen.

Doch stand der Straßenkarneval 2016 unter dem Eindruck einer eher allgemeinen Terrorgefahr und den ganz konkreten Erfahrungen der Kölner Silvesternacht, als Hunderte Frauen von überwiegend nordafrikanischen Männern sexuell missbraucht wurden, so ist es diesmal der ganz konkrete Eindruck des bislang schwersten islamistischen Terroranschlags in Deutschland.

Zumal jeder Organisator von Veranstaltungen im öffentlichen Raum die Wiederholung eines blutigen Lkw-Attentats wie in Berlin unbedingt vermeiden will. Deshalb steht jetzt schon fest, dass sowohl beim Kinderzug als auch beim Rosenmontagszug in Aachen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

„Es wird definitiv Zufahrtshindernisse geben, die Attacken mit Lkw unmöglich machen sollen“, sagt Stadtsprecher Bernd Büttgens auf Anfrage. Dies sei das Ergebnis erster Sicherheitsbesprechungen zwischen Stadt, Veranstaltern und Polizei. Dabei denke man daran, ähnlich wie schon beim Weihnachtsmarkt die Zufahrten mit Fahrzeugen zu blockieren. Details dazu würden unter anderem in Kürze im präventiven Rat beraten.

Bloß könnte hier durchaus der sprichwörtliche Teufel im Detail stecken. Denn wie lässt sich an den tollen Tagen ein effizienter Schutz bewerkstelligen, wenn alleine zu den Zügen in der Innenstadt sowie in den Stadtteilen Hunderttausende Menschen strömen?

Zwar haben die Sicherheits- und Ordnungsbehörden nicht nur hierzulande erste Erfahrungen mit dem Problem gesammelt, als direkt nach dem Berliner Anschlag die Weihnachtsmärkte mit diversen Lkw-Sperren – von Pollern über Betonklötze bis hin zu Schutzwänden aus geparkten Fahrzeugen – aufgerüstet wurden.

Doch mussten auf diese Weise beispielsweise auf dem Aachener Weihnachtsmarkt gerade einmal fünf Zufahrten dichtgemacht werden. Die Strecke, die der Aachener Rosenmontagszug durch die Innenstadt nimmt, ist dagegen vier Kilometer lang, womit sich die Zahl der Zufahrten um ein Vielfaches erhöht.

Deshalb ist allen Beteiligten jetzt schon klar, dass es kaum einen umfassenden Schutz geben kann. Man werde sich wohl auf neuralgische Punkte beschränken, die besonders leicht und von mehreren Seiten anzufahren sind, sagt Büttgens. Und auch Frank Prömpeler, Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), ist sich relativ sicher, „dass wir nicht jede Seitenstraße blockieren können“. Falls dies jedoch gefordert werde, „dann müssten wir das eben machen“, sagt er. „Das sehe ich ganz leidenschaftslos.“

Derzeit deutet aber vieles darauf hin, dass sich die Sperren auf einige besonders gefährdete Stellen beschränken werden. Dazu dürften beispielsweise der Kaiserplatz und die Normaluhr genauso gehören wie der Bereich am Theaterplatz und die Ecke Löhergraben/Jakobstraße. Was für Fahrzeuge man zur Blockade verwendet und wer diese stellen soll – an manchen Stellen dürfte eine stattliche Anzahl nötig sein –, ist noch ebenso unklar wie die Frage nach dem an den Sperren nötigen Personal. Schließlich müssen die Wagen auch den Weg frei machen können – zum Beispiel für Krankenwagen oder Feuerwehr.

Dem Vernehmen nach ist auch geplant, an jeder Lkw-Sperre einen Polizeiwagen zu postieren – nebst schwer bewaffneten Polizeibeamten. Ob diese allerdings ähnlich wie zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt auch inmitten des närrischen Trubels in dicker Schutzweste und mit umgehängter Maschinenpistole patrouillieren, ist noch nicht geklärt. „Für eine abschließende Stellungnahme, wie die Polizei sich bei den kommenden Karnevalsumzügen aufstellt, ist es noch zu früh“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Es fänden derzeit in den Gesprächen mit der Stadt Aachen und den anderen Kommunen in der Städteregion über die Sicherheitskonzepte noch „Feinjustierungen“ statt. An einer Schraube wird dabei aber kaum noch gedreht werden – dass möglicherweise schwere Lastwagen die feiernden Jecken quasi als fahrbare Poller vor Terroranschlagen mit Lastwagen schützen.

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