Live-Bands in der City: Punktabzüge gibt es (fast) nur fürs EM-Wetter

Von: Matthias Hinrichs
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Heißer Sound trotz Temperatursturz und reichlich Regen: Flo Mega & The Ruffcats heizten den City-Besuchern auf der großen Bühne am Rathaus ein. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann, Michael von Fisenne
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Eine Band, drei Kontinente: Bukahara zeigten, wie rasant Weltmusik über die Rampe kommen kann. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann, Michael von Fisenne
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Cocktails und mehr: Die Geschäftsleute in der Annastraße luden am Samstag zum Probieren ein. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann, Michael von Fisenne
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Kleine Künstler ganz groß: Auf den Hof lockte eine Malaktion für den Nachwuchs. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann, Michael von Fisenne

Aachen. Geschenkt: Das typische CHIO-Wetter hat die Öcher und ihre Gäste spätestens zur Halbzeit der Reit-EM denn doch noch ereilt. Die Begeisterung für die musikalischen Acts in der Aachener Innenstadt ließen sich die Zuschauer jedoch nicht nehmen.

Fröhliche Gemüter – und die gab‘s fraglos zuhauf, auch ungeachtet der Wassermassen, die am Wochenende auf Soerser Rasen und Citypflaster niederprasselten – durften getrost feststellen: Den einzigen ziemlich dramatischen Sturz legten schon am Samstag die Temperaturen hin (wenn man mal absieht von einem kleinen Trainingsmalheur der frisch gekürten Silbermedaillen-Gewinnerin in der Dressur-Kür Beatriz Ferra-Salat und ihres Walachs Delgado). Hochgefühle der nicht-meteorologischen Art waren rund um Dom und Rathaus trotzdem mindestens so angesagt wie mehr oder minder kuriose Kopfbedeckungen und Schirme im Stadion an der Krefelder Straße.

Phon- statt Pferdestärken

Dafür sorgten – logisch – einmal mehr vor allem die Meister der Phon- statt der Pferdestärken in der Altstadt. Und ein Publikum, das den euphorischen Fans im ALRV-Stadion in jedem Sinne das Wasser reichen konnte. Gut: Das eine oder andere Fleckchen Öcher Erde wurde mangels veritabler Besuchermassen genauso klatschnass wie die standhaften Freunde der handgemachten Klangkunst selbst. Aber Letztere feierten die Auftritte der Musiker trotz teils gigantischer Güsse von oben umso frenetischer.

Die Jazzer der „Big Bandits“ begeisterten am Samstag ebenso mit grandioser Spielfreude wie die Funk-Barden von Flo Mega & The Ruff Cats und die Altmeister der Somebody Wrong Bluesband – trotz Pfützenbildung selbst auf der Bühne und zweier kurzer Stromausfälle . . . Gestern zündeten die Sparkassen Big Band, die Hookers und Bukahara die nächste Stufe im Feuer-, oder sollte man sagen: Wasserwerk, der Rhythmen. Kaum weniger spannend als die Wettbewerbe auf dem Soerser Grün gestaltete sich der Stawag Music Award im Schatten des Rathauses (siehe Seite 25). Auch wenn sich fast zeitgleich im Hauptstadion an der Krefelder Straße vor allem bei der Dressur ein wahrer Kür-Krimi abspielte, während sich auf dem Markt auch die Einzelsieger im Reining, Giovanni Masi de Vargas, Grischa Ludwig und Elias Ernst, noch einmal fürstlich feiern ließen.

Einmal mehr durfte Charlotte Dujardin am Abend denn auch beim EM-Talk auf der Marktbühne die (zuvor von den Moderatoren Bernd Büttgens und Achim Kaiser sicherheitshalber säuberlich getrocknete) oberste Stufe des Siegertreppchens erklimmen. Aus dem verzwickten Nähkästchen der Juroren plauderte Dressur-Richter Christoph Hess. Und natürlich ließ es sich OB Marcel Philipp, der tête-à-tête mit ALRV-Präsident Carl Meulenbergh dem „Ussels-Wetter“ (Philipp) trotzte, auch am Sonntagabend nicht nehmen, reichlich zu geben: nämlich große Blumensträuße nebst obligatorischer Printen an die erfolgreiche Britin sowie natürlich die Zweit- und Drittplatzierten in der Dressur-Kür, Kristina Bröhring-Sprehe und Beatriz Ferra-Salat. Mit Szenenapplaus für die (per Großleinwand eingespielten) Darbietungen der bezaubernden Sportlerinnen sparten auch die immerhin rund 150 wetterfesten Fans, die sich unterm großen Schirm an der Bierbude neben dem Eäzekomp drängelten, keineswegs. „Es war super eng“, resümierte Charlotte Dujardin im Gespräch mit Büttgens – und typischem britischen Understatement: „Ich habe ein paar Fehler gemacht.“

Sei‘s drum. Die meisten Abzüge nicht nur in der B-Note gab‘s am Wochenende allemal fürs Wetter – aber keinesfalls fürs – mindestens – europameisterliche Aachener Publikum. Frust kam für die EM-Fans am Sonntagabend allenfalls im Hinblick auf die motorgetriebenen Pferdestärken auf der Krefelder Straße auf. Nicht weniger als 37 Verkehrskadetten waren im Einsatz, um im Schulterschluss mit der Polizei das Blech Richtung Öcher Alltag zu dirigieren. Denn morgen ist Ruhetag – zumindest für echte Pferde und deren Reiter in der Soers.

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