Literarische Feinkost und mittelalterliches Menü

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Stellen das Programm „La Cuisine du poete“ vor: von links Prof. Angelika Rieger, Irit Tirtey und Christof Lang. Damit wird die Reihe kulinarischer deutsch-französischer Lesungen fortgesetzt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Kulinarisches aus dem Mittelalter? Da musste Sternekoch Christof Lang doch erst mal mit seinem Team vom Restaurant „La Becasse“ grübeln. „Es gab nichts, was mit unserem heutigen Brot Ähnlichkeit hatte. Es gab keinen Zucker. Und Gewürze waren unerschwinglich“, skizzierte er die Zutaten, die eigentlich für das Vier-Gänge-Menü bei „La cuisine du poète“ dieses Mal nicht zur Verfügung stehen.

Schmecken wird es den Gästen des „königlichen Banketts“ im Couven-Museum aber wohl trotzdem. Und amüsieren werden sie sich bei der neunten Auflage der deutsch-französischen Lesung allemal.

Dafür hat Ideengeberin und Vorleserin Dr. Angelica Rieger, Professorin der Romanistik an der RWTH, dieses Mal drei Novellen der Autorin Marguerite de Navarre (1492-1549) ausgesucht, die nicht gerade königlich wie die Autorin selbst, sondern durchaus „ein bisschen frivol, derb und deftig sind“, wie sie sagte. „Marguerite de Navarre war die Schwester des französischen Königs Franz I. Sie hat im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance über 70 Novellen geschrieben – gerne über lüsterne Geistliche, betrogene Damen und edle Prinzen. Die drei ausgewählten werden sicher Lust auf das Gesamtwerk machen“, zeigte sich Rieger von den unterhaltenden Qualitäten der de Navarre überzeugt.

Dafür macht sie sich mit den Schauspielern Angela Eickhoff, Ensemble-Mitglied des Theaters Aachen, und Soeren Wellens gerade ziemlich viel Arbeit. „Wir können die Texte nicht einfach vorlesen. Sonst würde es stinklangweilig sein.“ Es wird also umgeschrieben, bearbeitet und geprobt, bis Marguerite de Navarre (Eickhoff), ihr Bruder François Ier (Wellens) und Rieger als Interpretin die 50 Gäste höchst selbst an die königliche Tafel bitten können, um sie beim „festin princier“ im Festsaal des Couven-Museums mit stilechten Geschichten der Zeit zu unterhalten. „Das Vorlesen muss ich dieses Mal auch üben, weil die Schreibweise der heutigen Aussprache einfach nicht mehr entspricht“, hat sich Rieger schon eine ganz besondere Literatin ausgesucht.

Dazwischen serviert Lang mit seinem Team ein Menü, in dem Trüffel, Forelle, Wildschwein, Reh und Ente eine wesentliche Rolle spielen. „Das gab es alles auch zu Lebzeiten der Autorin. Trotzdem übersetzen wir geschmacklich ins Heute“, hält Lang seine Experimentierfreude in zungenfreundlichen Grenzen.

Auch sonst können die Besucher von „La cuisine du poète“ entspannt bleiben. „Der Abend ist so gestaltet, dass auch Gäste ohne Französisch-Kenntnisse genau wissen, worum es geht“, erläuterte Rieger. Und wer von Marguerite de Navarre und Langs Rezeptkreationen nicht genug bekommt, kann sich das Buch zur Reihe mit nach Hause nehmen. „Bisher ist die Ausgabe zum Abend erst später erschienen. Jetzt liegt sie bereits vor“, freute sich Irit Tirtey, kaufmännische Geschäftsführerin des Kulturbetriebs, der die Veranstaltungsreihe zusammen mit Rieger und dem Deutsch-Französischen Kulturinstitut organisiert.

Das königliche Bankett steigt am Mittwoch, 28. Oktober, und Donnerstag, 29. Oktober, jeweils um 19 Uhr im Festsaal des Couven-Museums. Wenige Plätze sind noch an der königlichen Tafel frei: Reservierungen für „La cuisine du poète: Mit Marguerite de Navarre an der Tafel des Königs“ (99 Euro) nimmt Irit Tirtey unter Tel. 43249-20/-21 oder per Email unter irit.tirtey@mail.aachen.de entgegen.

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