Linkshänder: Nur wenige können auf umgebauten Instrumenten spielen

Von: Jessica Küppers
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Vertauschtes Spiel: Obwohl er Linkshänder ist, führt Walter Mengler, Cellist im Aachener Sinfonieorchester, den Bogen mit der rechten Hand. Er hat es so gelernt, übt aber auch anders herum. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer als Rechtshänder einmal versucht, mit der linken Hand ein Brötchen aufzuschneiden, merkt schnell: Das klappt nicht. Es fühlt sich irgendwie falsch an.

So etwa müssen sich Linkshänder fühlen, wenn sie erstmals ein Rechtshänder-Instrument in die Hände nehmen. Was im Alltag gar nicht mehr so stark auffällt, weil es mittlerweile viele Gegenstände – Scheren, Messer und Computermäuse – speziell für Linkshänder gibt, kann für Musiker zum echten Problem werden. Der Internationale Linkshändertag am Donnerstag soll auf diese Schwierigkeiten, aber auch auf Chancen für Linkshänder hinweisen.

Wie viele Linkshänder es in Deutschland gibt, ist nicht hinreichend erforscht. In den Schulklassen liegt die Quote etwa bei 25 Prozent. Experten schätzen die Zahl auf rund 30 bis 40 Prozent, weil viele Menschen schon als Kleinkinder unbewusst an die rechte Hand gewöhnt werden und die Dunkelziffer hoch sei.

Walter Mengler ist Linkshänder und Cellist im Aachener Sinfonieorchester. Als Musiker und Musikpädagoge kennt er sich mit den Aufgaben der beiden Hände gut aus: „Die dominante Hand trägt die Emotionen nach außen; die nicht-dominante Hand erfüllt vorbereitende Aufgaben“, erklärt er.

Beim Cello-Spiel werden Emotionen über den Bogen vermittelt. Dieser sollte demnach bestenfalls von der dominanten Hand geführt werden. Bei ihm ist das anders. Er führt den Bogen überwiegend mit der rechten Hand – also mit seiner nicht-dominanten Hand. Obwohl er ein „deutlicher Linkshänder“ ist, hat er das Instrument im Alter von sechs Jahren als Rechtshänder lernen müssen. So war es auch mit dem Schreiben in der Schule.

Die Entwicklung, die in Puncto Schrift vor 20 Jahren einsetzte, beginnt in der Musik erst jetzt. Dass das so ist, sieht der Cellist positiv, weil neue Erkenntnisse auch Chancen für Musiker bieten. „Es ist mir wichtig, dass wir Linkshänder nicht über das Schicksal jammern“, sagt er. Es gehe lediglich darum, dass man durch das verstärkte Bewusstsein dafür als Musiker die Freiheit habe, mit links oder rechts zu spielen – je nachdem, was einem persönlich besser gefalle.

Der Unterschied zeigt sich meist im Wohlbefinden. So war es auch bei Mengler. Als er zum ersten Mal ein umgebautes Cello für Linkshänder gespielt hat, war das für ihn ein besonderes Erlebnis. „Man spürt, dass der Bogen an der richtigen Stelle ist.“ Er habe sich sofort viel sicherer gefühlt als mit einem Rechtshänderinstrument. Doch auch wenn das Gefühl auf Anhieb gepasst hat, muss er die Spielweise erst wieder lernen. Das heißt auch für einen Profimusiker: üben, üben, üben.

Seitdem spielt er täglich einige Minuten mit einem Linkshänder-Cello. Denn das Spielen mit der „richtigen Hand“ trägt langfristig nicht nur zur Leistungsfähigkeit, sondern auch zur Gesundheit bei. Die vertauschte Händigkeit ist anstrengender und kann sogar zu gesundheitlichen Problemen wie Verspannungen führen. Außerdem ist die dominante Hand – bei Linkshändern die linke – in der Regel um zehn bis zwölf Prozent schneller. Die Vorteile scheinen zu überwiegen: Der Cellist kennt keinen Musiker, der das Spiel mit der linken, dominanten Hand perfekt kann und wieder zum Rechtshänder-Instrument zurückgekehrt ist.

Die Herausforderung der Händigkeit gilt aber nicht nur für Streicher, sondern auch für Schlagzeuger, Pianisten oder Gitarristen. Sie alle müssen ihr Instrument umbauen lassen oder ihre Technik verändern. Vor allem Gitarristen sind im Umgang mit der Linkshändigkeit oft sehr kreativ. Einige drehen sogar ihr Instrument um und spielen spiegelverkehrt. Das sei vor allem in der Jazz- und Popszene häufig der Fall, erklärt Mengler. In Orchestern ist so etwas eher selten. Die Musiker müssen nach vorgegebenen Richtlinien spielen, die auch die Technik betreffen.

Zulässig ist nur ein umgebautes Linkshänder-Instrument, das eine Spielweise für Links- und Rechtshänder unter gleichen Bedingungen ermöglicht. Grundsätzlich sei die Händigkeit eine sehr persönliche Angelegenheit, sagt Mengler. Ob er auf ein umgebautes Instrument umsteigt oder nicht, muss und darf jeder Linkshänder selber entscheiden. Ein Training der jeweils nicht-dominanten Hand schule beide Gehirnhälften, und das sei in jedem Fall sinnvoll, erklärt der erfahrene Cellist – auch für Rechtshänder.

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