Linke-Streitereien gehen weiter: „Dunker ist überfordert”

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Manfred Engelhardt
Fordert den Rücktritt von Darius Dunker: Manfred Engelhardt übernahm mit Bruno Dumont die Versammlungsleitung. Foto: Roeger

Aachen. Auch Manfred Engelhardt hat sich nach der chaotischen Wahlversammlung der „Linken” auf die Suche nach der Glaubwürdigkeit und damit der Zukunft der Partei begeben. Der Gewerkschafter hat in seinem langen politischen Wirken schon eine Menge erlebt, nach der Wahlversammlung am Samstag spricht er allerdings von einem „Denken”, dass er aus der Gewerkschaftsbewegung so nicht kennt.

Nachdem die Diskussion über das Wahlprogramm zu Querelen zwischen den Parteiflügeln führte, hatte etwa die Hälfte der Wahlberechtigten die Versammlung noch vor den Wahlen verlassen. Darunter Kreissprecher Darius Dunker. Und der hatte denn auch sein Laptop mitgenommen.

Für Engelhardt muss dieses Verhalten Konsequenzen haben. Bei der Versammlung wurde - für eine ordnungsgemäße Wahl - kurzerhand ein neuer Computer beschafft. Doch dabei kann und will es Engelhardt nicht belassen.

„Ich kann ihn nicht zurücktreten, aber es wäre sinnvoll, wenn er nach diesen Geschehnissen zurücktritt oder die Vertrauensfrage stellt”, sagte Engelhardt am Montag. Und: „Er hat nicht die Kraft und das Talent, die Lager innerhalb der Linken zusammenzubringen.”

Am Donnerstag tagt der Kreisvorstand, dort wird Engelhardt Dunker entsprechend auffordern. Darius Dunker sagte dazu am Montag: „Ich werde keine voreiligen Konsequenzen ziehen. Und in der Kreisvorstandssitzung werde ich gewiss keine Vertrauensfrage stellen. Im bekomme im Gegenteil viel Rückmeldung von Mitgliedern, die mich ausdrücklich unterstützen.”

Die Aufgabe hat Engelhardt mit seiner Aussage aber klar formuliert. Die beiden Lager innerhalb der Partei müssen wieder zusammenrücken oder zusammengerückt werden. Doch die Vorbehalte zwischen den „Reformern” (alte PDS) und den „Revolutionären” aus dem WASG-Lager (SAV, Marxisten, Trotzkisten) sind gewachsen. „Wir müssen wieder eine Phalanx bilden, um unsere Gegner mit demokratischen Mitteln zu bekämpfen - und nicht uns selbst”, fordert Engelhardt nun.

Auch wenn er sich mehr mit der SAV-Linie identifiziert, Engelhardt (kein SAV-Mitglied) will allen Linken die Hand reichen. „Ich muss integrierend wirken”, sagt er. Sprecher Dunker sieht er mit dieser Aufgabe „überfordert”. Auch das will er ihm am Donnerstag in einer Vorstandssitzung sagen.

Schon bei der Wahlversammlung hatte der Gewerkschafter viel Elan in die Arbeit der Partei investiert. Er hatte ein Papier - eine Art Flyer für den Wahlkampf - mit den Zielen und Ansprüchen (kostenlose Bildung, Nulltarif für alle im ÖPNV) der Linken zusammengestellt und verlesen. Eine konstruktive Diskussion seines Papiers war aber nicht möglich. „Da fühlte ich mich boykottiert”, ärgert sich Engelhardt.

„Ich hatte schon viele schwere Kämpfe, aber ich habe nie den Saal verlassen.”

OB-Kandidatur wollte er nicht

Engelhardt hatte nach Dunkers Abgang die Versammlungsleitung übernommen. Auf Platz 8 der Reserveliste für den Städteregionstag steht er schon. Nun will er sich noch für die Bezirksvertretung Brand aufstellen lassen.

„Ich bin auch gefragt worden, ob ich als OB- oder Platz-1-Kandidat antreten will, und ich wäre mit Sicherheit auch kein schlechter OB-Kandidat. Aber Ämtergeilheit schließe ich für mich aus”, sagt er.

Und so fehlt sein Name auf der Reserveliste ebenso wie der von Ratsherr Andreas Müller, Bezirksvertreter Lasse Klopstein oder Bildungsexperte Georg Biesing. Dafür wurden mit Marika Jungblut oder auch Martina Haase aufstrebende „Linke” aufgestellt. Jungblut arbeitet bereits im Verkehrsausschuss mit, sieht die Abschaffung von Studiengebühren und Hartz IV als Schwerpunkte.

Haase stellte sich der Versammlung als Teil der Umweltbewegung vor und will Platt lernen: „Die Dialekte sollten nicht rechten Karnevalsvereinen und Kaiser-Karl-Fans überlassen bleiben.” Bei der nächsten Versammlung soll die Liste um weitere Namen ergänzt werden.

Bis dahin - wahrscheinlich Anfang März - ist Zeit, die Flügel der Linken wieder auf einen Minimalkonsens zu bringen. „Sonst bricht die Partei auseinander, und wir haben eine linke Linke und eine Linke”, sagt Engelhardt. Und das will er nicht erleben.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert