Aachen - Lindner genießt das „Bad in der Menge“ am Elisenbrunnen

Lindner genießt das „Bad in der Menge“ am Elisenbrunnen

Von: Carolin Kruff
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Keine Scheu vor echtem Öcher Quellwasser: Christian Lindner stößt mit den Moderatoren David Lulley (rechts) und Robert Esser auf einen gelungenen Auftakt am Elisenbrunnen an. Foto: Andreas Steindl
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Farbenfroher Ausschnitt aus dem Prinzenspiel: Das Tanzensemble von Prinz Bernd I. legte eine schmissige Show hin. Foto: Michael Jaspers
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Sportlich: Das Tanzpaar der Prinzengarde, Janine Schiffers und Marco Krings.

Aachen. „Bei Nässe Rutschgefahr“ – so der Warnhinweis auf einem kleinen, fast unscheinbaren Schild, das in der Rotunde des Elisenbrunnens angebracht ist. Ins Rutschen kam der 64. AKV-Ordensritter Christian Lindner beim traditionellen „Bad in der Menge“ am Samstagmittag am Elisenbrunnen jedoch nicht, was wohl in erster Linie an seinem gekonnt „trockenen“ Humor lag.

Schlagfertig, eloquent und mit einem Hauch Selbstironie ausgestattet präsentierte sich der jüngste Ordensritter in der Geschichte des Aachener Karnevalsvereins den neugierigen Zuschauern, bevor es am Abend zur Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst auf die große karnevalistische Bühne im Eurogress gehen sollte.

„Wir wollten auch mal einen jüngeren Ordensritter haben, einen, der es nicht so leicht hat im Leben und den wir aufbauen können“, so die kecke Erklärung von Ordenskanzler Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Den einen oder anderen Spruch musste der Shootingstar der FDP schon einstecken können, was er jedoch gentlemanlike über sich ergehen ließ – nie um einen flotten Konter verlegen. Und auch von dem Moderatorenduo, AZ-Redakteur Robert Esser und AKV-Elferrat David Lulley, ließ er sich nicht aufs Glatteis führen.

Ob er es als gutes Zeichen sehe, dass sein Parteikollege Hans-Dietrich Genscher in seinem Geburtsjahr, 1979, den Orden wider den tierischen Ernst erhalten habe? „Hans-Dietrich Genscher wurde damals Ritter, ich Erdling. Das waren zwei wunderbare Ereignisse. Genscher hatte jedoch einen entscheidenden Vorteil: Er konnte im wundervollen Aachen sein, während ich leider in Wuppertal geboren wurde“, schmunzelte Lindner. Eins zu null für Lindner.

Das einzige Nass, das Lindner bei diesem karnevalistischen Empfang zu spüren bekam, war ein Gläschen des guten Aachener Quellwassers, von Esser und Lulley als „Aachener Arznei“ „köstlich schmeckend“ angepriesen. Lindner ließ sich nicht hinters Licht führen und konterte mit Bravour: „Das riecht nach Dschungelcamp“, bevor er sich den „Willkommenstrunk“ innerhalb kürzester Zeit unter dem Applaus der Zuschauer einverleibte.

Der FDP-Politiker stellte sich mit 35 Jahren nicht nur als jüngster Ordensritter aller Zeiten heraus, sondern auch als schnellster. Denn als er festlich begleitet von der Aachener Prinzengarde, dem Musikzug der Brander Stiere, dem diesjährigen Aachener Karnevalsprinz Bernd I. samt Hofstaat, dem AKV-Senat, dem Märchenprinzen Paul II., Ordensritterin Heide Simonis, Philipp zu Guttenberg und Ordenskanzler Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck den Elisenbrunnen erreichte, hatte sich Dirk von Pezold als Lennet Kann gerade einmal warmgesungen und musste sich der Lautstärke des Musikzugs geschlagen geben.

„So schnell war wohl noch kein Ritter vom Rathaus zum Elisenbrunnen unterwegs“, bemerkte Simonis treffend. Sein Humor ist trotz dieses sportlichen Sprints unterwegs nicht baden gegangen, und das, obwohl der FDP-Chef in politischer Hinsicht zuletzt nicht viel zu lachen hatte. Aachen schien jedoch mit seinem närrischen Treiben genau das richtige Gegengift zu sein. „Ich finde Aachen großartig. Diese Stadt hat ein besonderes Flair.“ Drei zu null für Lindner.

Schon bevor der neue Ordensritter am Elisenbrunnen jubelnd von vielen närrischen Aachenern begrüßt wurde, konnte er sich gemeinsam mit seiner Frau bei einer Messe im Aachener Dom und einer Führung durch die Domschatzkammer von Propst Helmut Poqué von Aachens schönen Seiten überzeugen.

Und zuletzt überraschte Lindner dann doch noch mit einem Geständnis, das ihm jedoch niemand als Eigentor andichtete: „Seit Weihnachten ist das Kribbeln in mir gewachsen, wenn ich an den heutigen Tag gedacht habe. Denn politische Reden habe ich schon viele gehalten, aber eine Büttenrede noch nie. Etwas Lampenfieber habe ich schon.“ Vielleicht hätte er sich bei diesem Problemchen besser zuvor Tipps beim Märchenprinzen Paul II. holen sollen, der die Frage, ob er schon aufgeregt ist, wenn er an seinen Auftritt beim Orden wider den tierischen Ernst denkt, mit einem trockenen „Nö“ beantwortete.

Musikalischen Karnevalsgenuss zum Mitschunkeln gab es in der Rotunde bereits ab 11.11 Uhr von De Pöngche und Dirk von Pezold als Lennet Kann. Auch Karnevalsprinz Bernd I., der mit seinem Hofstaat dem diesjährigen Aachener Karneval unter dem Motto „Janz jeck op Kejser Karl än Karneval danzt Oche met os Maskenball“ viele italienisch-venezianische Momente bescheren möchte, stimmte zum Schluss ein paar Karnevalslieder an. Da hatte Lindner schon längst das Eis gebrochen und die Herzen der Aachener erobert, denn wie würde der Öcher sagen: Karneval kann er.

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