Aachen - Liednacht: Musikalische Zeitreise in 140 Liedern

Liednacht: Musikalische Zeitreise in 140 Liedern

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Musik zur Laute: Yuval Dvoran (links) und Kai Wessel, Countertenor sowie Professor für Gesang und historische Aufführungspraxis, präsentierten Lieder aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Andreas Steindl
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Musizierten im Konzertsaal der Hochschule: Rada Krivenko an der Mandoline und die Sopranistin Laura Lietzmann. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Nachtigall für das Plakat zu wählen, erscheint vielleicht ein wenig profan – doch alle Assoziationen, die bei diesem Vogel mitschwingen, trafen auf die erste Liednacht in der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen, zu: Eine Stimme, ein Instrument gleich Seelenbalsam.

Das Lied ist vielleicht die musikalisch gesehen deutlichste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Spielfeld für Komponisten aller Epochen, eine Herausforderung für jeden Sänger. Kein großes Orchester lenkt ab. Die Stimme – umspielt von nur einem Instrument – muss alles transportieren, tragen, vermitteln. Die Hochschule für Musik hat auf Initiative der Professoren Ulrich Eisenlohr und Stefan Irmer dieser musikalischen Gattung eine ganze Nacht gewidmet. Am Mittwoch um 18 Uhr begann die Reise: Vier Jahrhunderte in gut sechs Stunden.

„So etwas kann nur eine Hochschule leisten, aber auch nicht jede“, sagte Rektor Professor Dr. Heinz Geuen zur Eröffnung durchaus selbstbewusst. In der Tat: 50 Mitwirkende – 38 Studierende, neun Lehrende und drei Gäste – brachten 140 Lieder von 48 Komponisten zu Gehör. Dabei wandelten die Zuhörer durch das ganze Haus an der Theaterstraße und zogen schließlich auch noch ins Foyer des gegenüberliegenden Theaters. Neben wundervoller Musik tat die besondere Atmosphäre des Hauses ihr übriges für einen berauschenden Abend.

Die Zeitreise begann mit der Gattung der Lautenlieder – stilistisch passend im Innenhof der Hochschule. Kai Wessel, Countertenor sowie Professor für Gesang und historische Aufführungspraxis, sang zum Lautenspiel von Yuval Dvoran Liebes-, Frühlings- und Trinklieder aus dem 16. Jahrhundert. Sie kommen mitten aus dem Leben und Wessel interpretierte sie herrlich als unter Liebeskummer leidender Liebender oder zunehmend alkoholisierter Trinker.

Gerade das vermittelten alle Ausführenden: Das Lied war lange Zeit Teil des alltäglichen musikalischen Amüsements jenseits der strengen Konzertsäle von heute. Der Spaß am Erzählen von Geschichten, am – auch mal in Quartetten oder Terzetten – gemeinsamen Singen war auch den Studierenden deutlich anzumerken. Mozarts „Veilchen“, Schuberts Vertonung von Goethes „Erlkönig“ oder Schillers „Punschlied“ – das machte einfach allen Spaß. Zugleich gelang es den Machern, die passenden Instrumente der jeweiligen Epochen den Stimmen zur Seite zu stellen: Laute für John Dowland, Mandoline und Hammerklavier für Mozart bis der Flügel bis heute die Regie übernahm.

Natürlich füllten Lieder der Romantik – die Hochzeit des Liedes mit Schumann, Brahms und Schubert – einen Großteil der Liednacht. Doch der Anspruch der Programmmacher war ein anderer: Liszt und Richard Strauß holten das Lied in den Konzertsaal, Mahler stellte den Sängern die große Orchesterbesetzung bei, Alban Berg und Arnold Schönberg erlebten den ersten und teilweise auch den zweiten Weltkrieg und verarbeiteten ihre Eindrücke in ihren Liedern. Mit Francis Poulenc und Maurice Ravel mutierte das Lied zum Chanson, Hanns Eisler nutzte es als Möglichkeit für politische Aussagen, die zeitgenössischen Komponisten gehen wieder neue Wege. All das hatte seinen Platz bei der ersten Liednacht – die hoffentlich nicht die einzige bleiben wird.

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