Aachen - Liebevolle Erinnerung an eine großartige Lyrikerin

Liebevolle Erinnerung an eine großartige Lyrikerin

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Will mit ihren Lesungen die Erinnerung an Hilde Domin wach halten: die Schauspielerin Marianne Sägebrecht. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Erfolgreich um die Normalität des Zusammenlebens ringen“ – so formulierte Oberbürgermeister Marcel Philipp bewusst die aktuelle gesellschaftliche Aufgabe zur Eröffnung der jüdischen Kulturtage in Aachen am Sonntagabend im Ballsaal des Alten Kurhauses. Gerade in diesen Tagen verdient das friedliche und respektvolle Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen besondere Aufmerksamkeit.

Die jüdischen Kulturtage leisten einen Beitrag dazu, den vielleicht dank prominenter Unterstützung durch die Schauspielerin Marianne Sägebrecht viele Kulturinteressierte zum Auftakt wahrnahmen.

Der Münchener Kultschauspielerin ist es indes bereits seit langer Zeit ein Anliegen, Hilde Domins Werk wieder in die Köpfe der Menschen zu bringen. Das war am Sonntagabend nicht erst zu spüren, als sie am Ende ihrer Lyriklesung das Porträt Domins auf der Leinwand mit einem herzlichen Kuss versah. Aachen war schon die neunte Station mit dem Programm „Nur eine Rose als Stütze“, präsentiert von Marianne Sägebrecht (Lesung) und Lenn Kudrjawizki (Violine und Gesang). „Mein Herz ist total bei ihr. Aber um sie ist es seit ihrem Tod 2006 leider still geworden“, meinte Sägebrecht.

Dass sich die Wiederentdeckung der Domin lohnt, bewies Sägebrecht bei ihrer etwa einstündigen Lesung mit 30 Gedichten. Aus ihnen sprach in direkten, ins Herz gehenden Worten die große Liebe der Dichterin zur Menschheit, ihr unerschütterlicher Glaube an Frieden und Gerechtigkeit, trotz der „Grauen Zeiten“ (Gedicht erschienen 1970) des Holocaust. Die kann und will Domin – sie erkannte bereits 1932 nach der Lektüre von „Mein Kampf“ die Absichten Hitlers und entschied sich mit ihrem späteren Mann Erwin Walter Palm für ein Leben im Exil – und auch Sägebrecht in der Zusammenstellung nicht ausschließen. Sie machen aber nicht den Kern des Abends aus, ebenso wie jüdisches Leben in Deutschland heute viele Facetten hat.

Das wurde auch klar bei der musikalischen Gestaltung: Kudrjawizki, Musiker und Schauspieler aus Berlin, führte mit klarer, fester Stimme und virtuosem Geigenspiel durch alle Stimmungslagen von fröhlich, über lasziv bis zu melancholisch. Lateinamerikanische Klänge fehlten indes, obwohl Hilde Domin 20 Jahre in der Dominikanischen Republik im Exil lebte. Die meisten Zuhörer störte das allerdings nicht. Sie spendeten begeistert Applaus, wenn sich mancher auch ein wenig mehr Zeit fürs Nachspüren und Nachdenken zwischen den Gedichten gewünscht hätte.

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