Aachen - Lieb und teuer: Archäologie bremst Bauherren oft aus

Lieb und teuer: Archäologie bremst Bauherren oft aus

Von: Oliver Schmetz
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Die Schul-Mensa steht schon, die Arbeiten am Vorplatz stocken: Wegen herausragender archäologischer Funde hat sich das Projekt Prinzenhof neben dem Gymnasium St. Leonhard (rechts) um mehrere Monate verzögert - und um 295 000 Euro verteuert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer in Aachens Innenstadt anfängt zu graben, stößt oft auf wahre Schätze. Denn unter dem geschichtsträchtigen Pflaster schlummern historische Relikte, deren Wert mit Geld kaum aufzuwiegen ist und die den Aachenern auch lieb und teuer sind. Sofern sie keine Bauherren sind: Denn für die sind archäologische Funde erstmal nur teuer.

Bauarbeiten verzögern sich, Menschen und Maschinen müssen länger bezahlt, mitunter auch Pläne umgeworfen werden. Wer in Aachens Erde auf einen archäologischen Schatz stößt, muss dafür in der Regel eine ganze Menge Geld verbuddeln.

Aktuelles Beispiel dafür ist die Baustelle Prinzenhof gleich neben dem St.-Leonhard-Gymnasium. Die neue Schul-Mensa steht dort schon, doch die Arbeiten zur Gestaltung des Vorplatzes stocken - weil vorwiegend Archäologen dort graben. „Sensationelle Funde” - unter anderem Reste eines römischen Militärgrabens und ein kleines römisches (Spielzeug-)Pferd - haben die Bauarbeiten bislang schon „um mehrere Monate verzögert”, wie Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenbau bei der Stadt Aachen, bestätigt. Zwar sei dort mit Entdeckungen zu rechnen gewesen, doch habe deren Vielzahl, Qualität und auch Lage die Experten überrascht. „Normalerweise finden wir die ersten 60 Zentimeter nichts, aber dort ging es direkt unter dem Asphalt los”, sagt Poth.

Die Folge: Die geplanten Wandscheiben, die den neuen Platz optisch eingrenzen sollen, sind ein Problem, weil sie tiefe Fundamente benötigen. Und ein großer Baum kann nicht an der geplanten Stelle wachsen, weil sich dort schützenswerte Mauerreste befinden. Insgesamt waren und sind dort erheblich umfangreichere Sicherungs- und Kartographierungsarbeiten erforderlich als ursprünglich geplant, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung für den Planungsausschuss am morgigen Donnerstag (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor, Raum 170).

Und was den Archäologen lieb ist, wird in diesem Fall für die Stadt als Bauherrin teuer: Auf 295.000 Euro taxiert die Verwaltung die bisherigen Mehrkosten am Prinzenhof - rund ein Drittel der gesamten Baukosten. Der Rat soll nun am 5. September diese zusätzlichen Mittel bewilligen, damit es auf der Baustelle weitergehen kann. Jeder zusätzliche Tag Stillstand würde weitere Mehrkosten verursachen, heißt es in der Verwaltungsvorlage. „Wir haben zwar noch ein bisschen Geld, um weiterzumachen”, sagt Poth, „aber das reicht nicht, um fertig zu werden.”

Um seltener solch unliebsame Überraschungen zu erleben, will die Stadt künftig bei der Planung von Bauprojekten deutlich mehr Geld für die Archäologie einplanen. Und mehr Zeit für die einzelnen Maßnahmen. Das soll schon für die nächsten anstehenden Maßnahmen an der Krämerstraße und am Büchel gelten, wo man die Kosten für archäologische Grabungen mit 30 Prozent der Bausumme ansetzen will. Und das betrifft natürlich auch private Bauherren, die den archäologischen Mehraufwand finanzieren müssen. Bei künftigen Wettbewerbsverfahren will die Stadt schon in der Ausschreibung darauf hinweisen, dass Eingriffe ins Bodendenkmal - sowohl durch bauliche Elemente als auch durch Pflanzmaßnahmen - möglichst zu vermeiden sind bzw. die Mehrkosten im Budget berücksichtigt werden müssen. Was das bedeuten kann, zeigt das Beispiel Prinzenhof anschaulich: Die Ausgaben für Archäologie verdreifachten sich dort von angenommenen 15 Prozent der Baukosten (100.000 Euro) auf besagte 295.000 Euro.
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