Aachen - Lesung: Keine leichte Kost, aber es bleibt Hoffnung

Lesung: Keine leichte Kost, aber es bleibt Hoffnung

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
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Keine leichte Kost, aber leider die bittere Realität: Ursel Scheffler las aus ihrem Buch, in dem es um das syrische Flüchtlingskind Zafira geht. Am Ende blieb bei allem Leid jedoch Hoffnung. Foto: Domkapitel Aachen
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Hatten ein eigenes Lied für „Zafira“ dabei: Die Domsingschüler sangen bei der Kinderautorenlesung im Aachener Dom für die vielen Besucher. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ursel Scheffler ist 1938 geboren. Sie hat die Kriegsjahre in Nürnberg verbracht. Luftschutzbunker, Fliegeralarm, ausgebombte Wohnungen – das alles kennt die Kinderbuchautorin aus ihrer eigenen Kindheit. Ihr Buch „Zafira – Ein Mädchen aus Syrien“ beschreibt ganz viel von dem, was sie selbst erlebt hat – aber eben die Menschen in Aleppo und anderen syrischen Städten derzeit jeden Tag erleben.

Am Sonntag las Scheffler im Dom aus dem Buch – organisiert von der ehemaligen Grundschulleiterin Ute Ketteniß, eingeladen von der Europäischen Stiftung Aachener Dom und dem Domkapitel.

Es war keine leichte Kost für die Grundschulkinder, die sich auf den mit rotem Filz ausgelegten Boden des Oktogons versammelt hatten: In Schefflers Geschichte ist Zafiras Vater vom IS entführt worden, nach einem Luftangriff klafft neben ihrem Bett ein großes Loch, ihre Puppe hat keine Beine mehr, die Großeltern sind verschwunden, ihr Dorf zerstört. Die Flucht mit dem „Geisterschiff“ von der Türkei nach Italien hat ebenso ein reales Vorbild wie die Rückkehr des in der Geiselhaft völlig veränderten Vaters. Ursel Scheffler erzählte zwar kindgerecht, aber nicht geschönt.

Die Kinder wussten das zu schätzen. Sie folgten der Autorin über anderthalb Stunden sehr konzentriert. Natürlich wissen sie von alldem: Fast jedes Mädchen, jeder Junge konnte über lebensgefährliche Machenschaften von Schleppern berichten, Fernsehbilder aus den Kriegsgebieten sind ihnen nicht fremd, geflüchtete Kinder gehen in ihre Schulklassen. „Ich suche mir immer Bücher zu aktuellen Themen aus. Die sind auch für Kinder relevant“, erklärte Ketteniß, warum sie sich in diesem Jahr um Scheffler und ihr Buch „Zafira“ für die Domlesung bemüht hatte. Sicher mussten einige Eltern anschließend noch Fragen beantworten, vielleicht auch Tränen trocknen.

Doch die meisten gingen vielleicht dennoch zuversichtlich nach Hause, denn zwei zusätzliche Komponenten brachte die Lesung mit sich: Erstens hatten die Domsingschüler mit den Liedern „Hand in Hand“, „Ganz egal woher Du kommst“ und vor allem dem extra für die Lesung von Lehrer Fabian Lutz komponierten Lied „Zafira“ drei hoffnungsvolle Lieder mitgebracht. „Zeit, einfach Kind zu sein, in der Schule zu lernen, ohne Angst draußen zu spielen. Wie schön ist das“, heißt es da im Refrain von „Zafira“, die Zuflucht und Sicherheit in Deutschland gefunden hat. Zweitens machte Scheffler die Kinder quasi zu Friedensbotschaftern, in dem sie mit ihnen und Dompropst Manfred von Holtum mit dem „Vater unser“ ein Friedensgebet sprach. „Der Frieden ist einfach das Allerwichtigste“, gab die Autorin den Kindern mit auf den Weg.

Das Buch für die nächste Kinderlesung im Aachener Dom ist bereits ausgesucht: Autor Oliver Scherz wird aus seinem Buch „Keiner hält Don Carlo auf“ lesen. Inhalt: Carlos Eltern haben sich getrennt, sein italienischer Papa ist wieder in seine Heimat zurückgegangen. Carlo wartet sehnsüchtig auf ihn. Und weil er einfach nicht kommt, beschließt Carlo eben, selbst nach Italien zu fahren. Auch das verspricht Spannung

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