Lernen 2.0 im virtuellen Klassenzimmer am St. Leonhard

Von: Stefan Herrmann
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Hallo Gulpen: Das St.-Leonhard-Gymnasium hat den einzigartigen Videokonferenz-Klassenraum – das so genannte GLAS-Projekt – eingeweiht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hefte raus, Kamera an, der Unterricht kann beginnen: Schüler des St.-Leonhard-Gymnasiums können seit Donnerstag im virtuellen Klassenzimmer per Videoschalte gemeinsam mit Jugendlichen der Partnerschule Sophianum im niederländischen Gulpen lernen – ein bisher einmaliges Projekt in der Region.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Umsetzung. Die Schule musste Sponsorenpartner ins Boot holen (siehe Box), um vom NRW-Bauministerium eine Fördersumme zu erhalten. „Eine besondere Herausforderung für uns“, gab Schulleiter Stefan Menzel am Donnerstag bei der Einweihung zu. Doch die Anstrengungen der Vergangenheit gerieten dann schnell aus dem Blick. Dagegen richteten sich alle Augen Richtung Zukunft – und auf die Bildschirme. Denn dort grüßten bereits die holländischen Freunde im 16 Kilometer entfernten Gulpen.

„Das ist Technik, die begeistert! Und das ist Pädagogik, die begeistert!“, lobte Schuldezernentin Susanne Schwier das Projekt mit dem ungewöhnlichen Titel GLAS. „Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der beteiligten Orte, Gulpen und Aachen, sowie der Spitznamen der beiden Schulen, Leo und Sophie zusammen“, erklärte Niederländisch-Lehrerin Adriane Langela-Bickenbach, die das Konzept des Videokonferenz-Klassenzimmers maßgeblich entwickelt hat.

Und das sieht so aus: Die Kameras in beiden Räumen sind so positioniert, dass sich bis zu sechs Schüler auf deutscher sowie sechs auf niederländischer Seite über einen Bildschirm sehen können. Der Rest der beiden Klassen sitzt jeweils im Hintergrund auf Couches und kann das Gespräch auf Whiteboards (digitale Tafel) verfolgen. Da zwischen den beiden Schulen eine sogenannte Point-to-point-Verbindung installiert worden ist, läuft die Übertragung ruckelfrei und in bester Qualität. Im Vordergrund steht der Austausch über Alltagsthemen aus den jeweiligen Heimatländern: Wie verbringt ihr eure Herbstferien? Warum feiern Niederländer das Fest Sinterklaas mehr als Weihnachten? Was esst ihr am liebsten? Fragen direkt aus dem Leben, die Hemmschwellen abbauen und zugleich einen Blick über den Tellerrand erlauben. „Die Jugendlichen sollen sich so mit unserer gesamten Grenzregion beschäftigen“, sagt Langela-Bickenbach. „Und so ihre Bedeutung als Bildungs- und Arbeitsregion für die Menschen auf beiden Seiten der Grenze deutlich machen.“

Videokonferenzen sind in Firmen oder auch im medizinischen Bereich längst Alltag. Mit der Umsetzung in einer Schule betreten alle Akteure jedoch Neuland. „Wir kommen so noch näher zueinander“, grüßte Sophianum-Schulleiter Jo Reijnders via Mattscheibe die deutschen Freunde. Doch während Schwier von der „virtuellen Brücke“ und dem „gelebten Europa“ schwärmte, wurde das Bild plötzlich schwarz. Der Mini-Aussetzer zur Einweihung des Klassenzimmers 2.0 dauerte nur Sekunden. Danach klirrten die Saft- und Sektgläser. „Die sind echt, und nicht virtuell“, lachte Menzel.

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