Leopold Chalupa: Unermüdliche Kämpfernatur für Frieden und Fußball

Von: hpl
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Blickt zufrieden auf Vergangen
Blickt zufrieden auf Vergangenheit und Gegenwart: Leopold Chalupa wird heute 85 Jahre alt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn Leopold Chalupa gefragt wird, was sich in seinem Leben zuletzt geändert hat, geht sein Blick nach oben, er lächelt und sagt dann: „Ich bin zufrieden. Und immer noch dankbar für meine Gesundheit.” Geändert hat sich demnach also nichts. Und das ist offensichtlich auch gut so.

Leopold Chalupa ist zufrieden, am Dienstag, an seinem 85. Geburtstag. Denn sein Leben war und ist spannend. Geboren 1927 im Sudetenland in der früheren Tschechoslowakei, wurde er nach der sogenannten „Heimkehr ins Reich” Schüler an der Napola Naumburg, einer der damaligen Eliteschulen. 1945, mit 17 Jahren, wurde er noch Soldat mit Kampfeinsatz im Raum Triest und vier Jahren englischer Kriegsgefangenschaft in Italien und Großbritannien.

Der verlorene Krieg und der Verlust seiner Heimat durch die Vertreibung waren bittere Erfahrungen seines jungen Lebens. „Am bittersten für mich aber war die Erkenntnis, im guten Glauben und mit jugendlicher Begeisterung einem Unrechtsregime gedient zu haben, das nur Leid und Unglück über Deutschland, Europa und die Welt brachte.”

Dies war auch für ihn die Motivation, in seinem neuen Heimatland, der Bundesrepublik Deutschland, mitzuhelfen und alles zu tun, dass so etwas wie Hitler-Deutschland nie wieder entstehen könnte. Für ihn bedeutete das eine fordernde, aber höchst erfolgreiche Laufbahn als Soldat in der Bundeswehr bis hin zu seiner letzten Verwendung in den 80er Jahren als Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Mitteleuropa, in der er an entscheidender Stelle mitwirken konnte, Frieden und Sicherheit in Europa zu wahren.

Seine Aktivitäten setzten sich auch im sogenannten Ruhestand fort, mit einer tiefen Berufsverbundenheit als derzeit zweitältester 4-Sterne-General der Bundeswehr, mit gleicher Anhänglichkeit an seine böhmische Heimat sowie mit ganz besonderem Engagement in seiner neuen Heimatstadt Aachen. Zum einen ist er ständiger Ehrengast bei vielen Veranstaltungen der Bundeswehr und der NATO.

Zum anderen ist er im ideellen Sinn ein Brückenbauer zwischen Deutschen und Tschechen, denn seit der Wende engagiert er sich und weilt regelmäßig in seiner Geburtsgemeinde Neuberg, jetzt Podhardí, in der heutigen tschechischen Republik. Er will mithelfen, die Wunden zu heilen, welche Kriegsgräuel und Vertreibung geschlagen haben. Dafür wurde er schon 1996 mit der tschechischen Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet und auch durch den sudetendeutschen Heimatverband geehrt.

Und schließlich lebt er auch und vor allem für seine neue Heimat - die Stadt Aachen. Er ist Mitglied im Rathausverein, im Kulturverein Aachen-Prag, der die Beziehungen zwischen diesen Städten und ihren Menschen so vorzüglich pflegt. Dies nach der auch von ihm vertretenen Überzeugung, dass Geschichte nicht nur zur Erinnerung, sondern vor allem zum Lernen für die Zukunft wichtig ist.

Er ist im Kiwanis-Klub, der sich karitativ vor allem für Kinder einsetzt, und ganz besonders bei Alemannia Aachen als ehemaliger Vereinspräsident in schwieriger Zeit und heutiger Vorsitzender des Ehrenrats, als der er kaum ein Heimspiel verpasst - und nach den Fan-Vorfällen nach dem Saarbrücken-Spiel für strengere Maßnahmen des Vereins gegenüber radikalen Fan-Gruppen plädiert.

Seine Mitgliedschaft in vielen anderen Verbänden und Vereinen bildet in ihrer Zusammenschau so etwas wie ein Kaleidoskop seiner vielfältigen Lebensfacetten. Im Mittelpunkt seines Lebens bleiben für den Witwer auch die Familien seiner Kinder in Aachen und in Straubing in Niederbayern, mit drei Enkeln und Urenkelin Maya Maria, denen er ein fürsorglicher Opa und Uropa ist.

Heute tritt Leopold Chalupa naturgemäß etwas kürzer, aber seine Schritte sind nach wie vor unüberhörbar. Und er folgt auch weiterhin seinem bewährten Lebensmotto der drei „H” - mit Hirn, Herz und Humor. An seinem Geburtstag kann er wirklich zufrieden auf ein ausgefülltes Leben blicken. Er darf ein wenig mehr als zufrieden sein.
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