Aachen - „Lennet Kann”, „Insulaner” und „Dinosaurus” machen dicht

„Lennet Kann”, „Insulaner” und „Dinosaurus” machen dicht

Von: Robert Esser
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Aus für das wohl älteste griechische Lokal der Stadt: Nach 37 Jahren schließt das „Dinosaurus” an der Roermonder Straße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auch wenn´s weh tut: Aachen hatte trotz anderslautender Stammtischparolen niemals die meisten Kneipen pro Kopf. Die jüngste Zählung des Landesamtes für Statistik ist 14 Jahre alt und setzt die Kaiserstadt im NRW-Vergleich mit 274 Schankwirtschaften auf Platz 99.

Doch es wird noch schmerzhafter: Denn immer mehr Kneipen und Restaurants - darunter bekannte und traditionsreiche Lokale wie „Lennet Kann”, „Dinosaurus” und „Insulaner” - stehen vor dem Aus.

Zweistelliges Umsatzminus

„Für viele Gastronomen wird 2009 ein Schicksalsjahr”, bestätigt der hiesige Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dirk Deutz.

„Katastrophale Umsatzeinbrüche im letzten November von 20 bis 30 Prozent können kleine Eckkneipen kaum kompensieren.” Deutz rechnet mit einem zweistelligen Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahr.

„Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, um eine erfolgreiche Saison auf die Beine stellen zu können”, gibt sich der Dehoga-Chef kämpferisch.

Aber die von der Dehoga bundesweit längst geforderte Senkung der Umsatzsteuer käme für eine Reihe Aachener Wirte zu spät. Am Sonntag öffnet der „Dinosaurus” (Maastrichter Hof) nach 37 Jahren zum letzten Mal an der Roermonder Straße.

Generationen von Studierenden und spätere Akademiker haben die griechischen Wirtsleute Nikos und Athena Kompsopoulos seit 1971 mit Gyros, Fritten und Ouzo versorgt.

Mit seinen weiß getünchten Wänden und dem urigen Holzmobiliar wirkt das wohl älteste griechische Restaurant der Stadt heute wie ein Relikt vergangener Tage. Das gilt leider auch für die bauliche Substanz: „Eine Sanierung wäre dringend nötig, ist aber nicht finanzierbar”, sagt Athena Kompsopoulos.

Sanierungsbedürftig zeigt sich auch das älteste noch ursprünglich erhaltene Ladenlokal der Stadt, das in der Pontstraße 5 seit 1968 als Gaststätte „Lennet Kann” zahllose Nachtschwärmer anzog.

Seit Wochen sind die Zapfhähne abgeschraubt, das Gebäude aus dem Jahr 1660 steht beim Sparkassen-Ableger „S-Immo” zum Verkauf - bei Bedarf inklusive bestehender Brauerei-Bindung bis 2015 und kompletter Einrichtung.

Für mehrere hunderttausend Euro sei aber auch eine Lösung des Brauerei-Vertrages und eine künftige Nutzung als Geschäftslokal denkbar.

Die Eigentümerin des Objekts, in das der bolivianische Pächter Roberto in den letzten 15 Jahren vor allem tanzfreudige Salsa- und Merengue-Fans lockte, verspreche sich nämlich einen „Liebhaberpreis” für das stadtbekannte Altbau-Häuschen, heißt es.

Ums liebe Geld geht es auch im „Insulaner” an der Bismarckstraße. Der zählte nach fast 30 Jahren mit dem Urgestein Franz Weniger hinter der Theke nach der Jahrtausendwende eher glücklose Pächter.

Zuletzt brachte nur Shahab Sadatolhosseini nach einem Komplett-Umbau erfolgreich frischen Wind in den „Insulaner”. Seit dem 18. Dezember sind die Türen dennoch wieder dicht.

Man streite mit dem Bierverlag unter anderem um die Finanzierung einer gläsernen Rauchertrennwand, erklärt Sadatolhosseini - Ende völlig offen.

„Tatsache bleibt, dass sich Aachens Kneipenlandschaft spürbar verändern wird - und teils ändern muss, um mit Rahmenbedingungen wie dem Nichtraucherschutz fertig zu werden”, sagt Dehoga- Chef Deutz.

Probleme mit dem Raucherabteil ungelöst

Laut Insulaner-Gastronom Shahab Sadatolhosseini sind Streitigkeiten mit seinem Bierverlag über die Finanzierung der Rauchertrennwände in dem Traditionsrestaurant an der Bismarckstraße Grund für die Schließung.

Die Gastronomie-Legende Franz Weniger hatte das Lokal über Jahrzehnte zum Szene-Treff im Frankenberger Viertel gemacht. Seit dem Jahrtausendwechsel erlebte der Insulaner wechselhafte Zeiten mit verschiedenen Pächtern.

Seit dem 18. Dezember sind die Türen verschlossen. „Ohne Raucherbereich hat ein Restaurant wie der Insulaner kaum eine Chance”, sagt der Wirt. Die Verhandlungen mit dem Bierverlag laufen. Das Ergebnis sei völlig offen, sagt Shahab Sadatolhosseini.

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