Leitbild: „Notwendige Spielregeln“ für Alemannia

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
12823654.jpg
Präsentieren das neue Leitbild der Alemannia: (v.l.) Geschäftsführer Timo Skrzypski, Präsident Heinz Maubach, DFB-Vizrpräsident Eugen Gehlenborg sowie Angelika Ribler und Dr. Reiner Becker, die als Fachleute an der Entwicklung des Leitfadens maßgeblich beteiligt waren. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist nachvollziehbar, dass manchem Aachener in den vergangenen Jahren die Orientierung fehlte, wenn es um Alemannia Aachen ging. Insolvenz und Fanausschreitungen, rechtsradikale Vorkommnisse und Streitereien unter den Verantwortlichen sorgten bundesweit für Aufsehen.

Innerhalb der Führungsgremien entstand mit der Zeit der Wunsch nach dem Drücken der Reset-Taste – alles auf Anfang. Man wollte die Alemannia neu positionieren, ihr eine Identität, ja ein Leitbild geben, an dem sich Menschen, die sich für den Verein interessieren, orientieren können.

Die Verantwortlichen waren sich schnell einig, dass dies ohne professionelle Hilfe nur schwer gelingen würde. Deshalb suchte man im Herbst 2014 den Kontakt zu Angelika Ribler. Sie arbeitet für das Institut für Sportmediation und Konfliktmanagement, wo sie schon vielen Vereinen bei der Lösung von Problemen mit rechtsradikalem Hintergrund oder Verfahren im Zusammenhang mit Problemspielern helfen konnte.

Zusammen mit Dr. Reiner Becker von der Philipps-Universität Marburg erarbeitete man zunächst ein Bild des Ist-Zustandes an der Krefelderstraße. In einem offenen Prozess, bei dem Verantwortliche, Mitglieder, Fans und Vertreter der Stadt ihre Meinung offen darstellten, wurden viele Gespräche geführt, Meinungen ausgetauscht und in Arbeitsgruppen Leitlinien erarbeitet.

Präsident Heinz Maubach goss das Ergebnis in fußballerische Formen: „Wir haben uns die notwendigen Spielregeln gegeben. Es war uns wichtig, in Zukunft auf bestimmte Situationen auf eine bessere Art zu reagieren, als das in der Vergangenheit manchmal der Fall war“. Allerdings ging es nicht darum, nachzukarten und Vergangenes aufzuarbeiten, lediglich für kommende Stresssituationen wollte man sich das notwendige Rüstzeug erarbeiten.

Angelika Ribler wurden die Dimensionen ihrer Berufung damals schnell bewusst. „Bei dem ersten Termin hier am Tivoli waren so viele Menschen gekommen, dass wir spontan in einen größeren Raum umziehen mussten. Da merkt man schnell, dass bei der Alemannia alles auf einer größeren Bühne abläuft, dass viele Menschen mit diesem Verein fiebern.“

Ihr wurde in Gesprächen mit den Menschen in der Stadt klar, wie hoch der Identifikationsgrad mit der Alemannia in der Region sein könnte. Denn durch die Ereignisse der letzten Jahre halten sich momentan viele in ihrer Liebesbezeugung für den Klub zurück. Wenn man so will, war der Weg der letzten 18 Monate auch das Ziel, nämlich alle Beteiligten in eine Diskussion zu führen, an deren Ende Rahmenbedingungen erarbeitet wurden, die als Richtgrößen herhalten können.

Das Leitbild soll in Zukunft in regelmäßigen Abständen von unabhängigen Fachleuten mit Hilfe eines umfangreichen Fragen- und Indikationskataloges auf seine Funktionstüchtigkeit überprüft werden. „Das ist unabdingbar“, wissen Ribler und Becker, „ein Leitbild ist kein Papier, das man einmal druckt und dann abheftet.“ Vielmehr gehe es dabei um einen langfristigen Prozess, um eine dynamische Entwicklung, deren Richtung immer wieder kontrolliert und auch justiert werden müsse.

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat das Vorgehen der Alemannia wohlwollend begleitet, das äußerte auch DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg, im Verband zuständig für Sozial- und Gesellschaftspolitik. „Die Alemannia ist auf der deutschen Fußball-Landkarte immer noch eine Größe, und wenn man sich die Bedingungen hier vor Ort ansieht, ist das sehr beeindruckend. Aachen hat das Glück, dass sich in schwierigen Zeiten Menschen für den Verein engagieren, die ein Ziel haben und diesen Weg mit den richtigen Schritten gehen wollen“, ist er Feuer und Flamme für das Vorgehen des Vereins. Er hob den Modellcharakter hervor, die Alemannia gelte als positives Beispiel für andere Vereine in ähnlicher Situation.

Bei der Vorstellung Leitbildes am Tivoli wurde deutlich: Hier wollen alle an einem Strang ziehen, und zwar gemeinsam. Die am häufigsten benutzten Worte waren Transparenz, Miteinander und Identität – Vokabeln, die in der Vergangenheit nicht unbedingt immer im Wortschatz der handelnden Personen vorzukommen schienen. Es hat den Eindruck, dass alle Beteiligten um die Dramatik der Situation wissen. Hier will man einen Neubeginn versuchen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert