Leiharbeit und Dumpinglöhne verschärfen die Krise

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Aachen. Draußen warteten schon die Journalisten, drinnen flogen die Fetzen - obwohl man aus politischer Sicht unter sich war. Bundesministerin Ulla Schmidt sowie der Landtagsabgeordnete und OB-Kandidat Karl Schultheis (SPD) trafen sich am Freitag mit Vertretern vom DGB, Einzelgewerkschaften und Betriebsräten.

Worüber die Damen und Herren sich im Haus Löwenstein in Hitze geredet hatten, war die Weltwirtschaftskrise, die Auswirkungen vor Ort und Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun.

„Es war eine sehr energische Diskussion”, eröffnete Ministerin Schmidt die anschließende Pressekonferenz. Das Konjunkturprogramm der Regierung könne nur greifen, wenn es nicht in den Betrieben hakt. Deshalb sei die Aachener Debatte so wichtig gewesen. Die Ministerin stellte dabei klar, dass man nur die Auswirkungen der Krise so weit wie möglich abfedern könne.

Nun wirkt sich die Krise branchenspezifisch recht unterschiedlich aus. In der Automobilzuliefererindustrie, resümierte IG-Metall-Geschäftsführer Franz Peter Beckers, habe sie seit November durchgeschlagen. „Ich kenne hier keinen Betrieb mehr, der nicht mit Kurzarbeit agiert.” Probleme gebe es auch im Anlagen- und Maschinenbau, dort jedoch nicht mangels Nachfrage, sondern mangels Kreditvergabe.

„Da erwarten wir von der Politik mit Nachdruck, dafür zu sorgen, dass Aufträge finanziert werden”, so Beckers. In Sachen Konjunkturprogramm forderte sein Kollege von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Peter Mogga, die Mitbestimmung der Betriebsräte, damit die Staatshilfen nicht etwa in Managergehälter flössen.

Sorgen bereitet auch die Leiharbeit. Eigentlich sollte ein Betrieb für einen Leiharbeiter mehr Geld aufwenden müssen als für einen eigenen Beschäftigten, weil er gegen diesen Aufpreis kurzfristig über zusätzliches Personal verfügen kann, erläuterte Beckers weiter. Ebenso müsste die Verleihfirma die von ihr eingesetzten Leiharbeiter für ihre Flexibilität besser entlohnen als die Festangestellten der Kundenbetriebe. Das Gegenteil sei der Fall: Bei Dumpinglöhnen werde geheuert und nach eigenem Gusto wieder entlassen.

Schultheis sieht die Not, jetzt die Fachkräfte in der Region zu halten. Karl Panitz vom DGB Aachen mahnte darüber hinaus an, im August hinreichend Ausbildungsplätze zu schaffen, damit nicht später die Facharbeiter fehlen.

Dass die Krise im Nahrungsmittelsektor noch nicht angekommen sei, berichtete Peter Mogga. Er schlug vor, die unteren Lohnniveaus anzuheben. Das käme dann direkt wieder der eigenen Wirtschaft zugute, denn da komme jeder Euro in den Konsum.
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