Lebenstraum: Aachener fährt die Panamericana auf dem Motorrad

Von: Hans-Peter Leisten
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Den Ersatzreifen hat er gleich mit dabei: Robby Josephs hat seine R1150 GS aufwändig ausgestattet, um den amerikanischen Kontinent vom Norden bis zum Süden zu durchqueren. Foto: Andreas Steindl
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Am Dienstag geht es los, von Anchorage durch den Denali-Nationalpark mit dem 6194 Meter hohen Mount McKinley. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Seine BMW hat Robby Josephs schon mal vorgeschickt. Die R1150 GS hat er am Mittwoch zu einem Spediteur nach Frankfurt gebracht, sorgsam verschraubt in einem Aluminium-Gestell, ein Gesamtpaket von 385 Kilogramm. Das Gestell hat der Burtscheider Metallbauer und Maschinenbauermeister selbst geschweißt. Sicher ist sicher, denn das Zweirad muss absolut unversehrt in Anchorage an der Südküste Alaskas eintreffen.

Die BMW wird für ein halbes Jahr seine treueste Freundin sein. Am Dienstag fliegt er seiner Maschine hinterher zu einer Reise, die jeder „normale“ Aachener als Abenteuer bezeichnen würde. Es geht los: Die Panamericana ruft, eine Strecke vom Polarmeer bis in die südlichste Stadt Argentiniens. Auf dem Motorrad.

„Normal“ ist Robby Josephs in jeglicher Hinsicht auch. Beruflich etabliert, glücklich verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen. Dass er einen überaus intakten Freundeskreis hat, hat er zudem in den vergangenen Wochen mehr denn je gemerkt, bei all den Verabschiedungen und den guten Wünschen, die ihn in der Schlussetappe der Vorbereitungen begleitet haben.

Wenn etwas vielleicht nicht „normal“ ist, dann ist es der Traum des 60-Jährigen, mit dem Motorrad eine Strecke zurückzulegen, die in etwa einer Erdumrundung entspricht. „Es gibt Reisebeschreibungen, bei denen jemand sogar 55.000 Kilometer zurückgelegt hat. Aber ich denke, dass es am Ende bei uns etwa 40.000 Kilometer sein werden.“ Das Ende wird um den Jahreswechsel sein, aber daran denkt Robby Josephs im Moment noch nicht.

Natürlich waren die letzten Wochen wohl mit die außergewöhnlichsten, die der Biker bislang erlebt hat. Denn zur perfekten Vorbereitung der eigentlichen Reise gehörte auch das Regeln aller Dinge Zuhause. „Habe ich im Betrieb wirklich alles delegiert? Ist alles getan, was zu tun war?“ Eine umfangreiche Checkliste ist er wieder und wieder durchgegangen, bis er alles abgehakt hatte.

Die Vorbereitung hat aber auch eine enorme emotionale Komponente. Denn dass es jetzt losgehen kann, liegt natürlich auch am Einverständnis von Ehefrau Petra. Die war nämlich zunächst gar nicht so begeistert, als die Gedanken zur Tour vor drei Jahren erstmals ausgesprochen wurde. Damals hatte ein Kumpel aus Leipzig in einem Motorradforum die Idee zu genau dieser Tour formuliert.

Die Idee hatte Robby Josephs nicht mehr losgelassen. Und während der akribischen Vorbereitungen sah auch Petra Josephs, dass sich ihr Mann da wohl einen Lebenstraum erfüllen wollte. Ihr Widerstand schmolz. Robby und Andy sollten das Ding stemmen. Wohl auch, weil sie die professionelle Herangehensweise mitbekam.

Die formellen Vorbereitungen waren nahezu abgeschlossen, als sich der Motorrad-Freak im Oktober das passende Gefährt zulegte. Die BMW R1150 GS Adventure erschien ihm ideal. Und da der Burtscheider ein „Schrauber“ alter Schule ist, konnte er das Gefährt für die anspruchsvolle Tour umrüsten. Eine neue Kupplung wurde eingebaut, rutschfestere Fußraster verlangten nach einem entsprechenden Umbau des Schalthebels. Spezielle Packtaschen sind installiert, die auch die Mitnahme von Ersatzreifen ermöglichten.

„Denn die bekommt man auf dem amerikanischen Kontinent mitnichten wie selbstverständlich.“ Zu den technischen Vorbereitungen kamen unendlich viele formelle – Visa, Bescheinigungen, Versicherungen, medizinische Vorkehrungen. Hier wartete manche Überraschung auf den erfahrenen Tourenfahrer: „Zum Schluss brauchten wir noch eine Ausnahmegenehmigung der US-Umweltbehörde.“ Denn im Land der Klimaanlagen und Achtzylinder braucht jedes Tankentlüftungsventil eines Motorrads einen Aktivkohlefilter. Aber auch die Hürde wurde genommen.

Mit Andy aus Leipzig

Am Dienstag geht es los, von Anchorage durch den Denali-Nationalpark mit dem 6194 Meter hohen Mount McKinley. Dann werden Kilometer gemacht und vor allem Eindrücke gesammelt. Über den Dalton Highway Richtung Prudhoe Bay, Fairbanks, Calgary, Denver, Monterrey nach Mexiko-City. Rüber geht es nach Südamerika über Lima und Buenos Aires wahrscheinlich bis Ushaia.

Aber natürlich sind Robby aus Aachen und Andy aus Leipzig Herr der Route, mit allen möglichen Varianten. Übernachtet wird im Zelt, im Hostel oder vielleicht auch bei Freunden, die sie jetzt noch gar nicht kennen. Auch das gehört dazu. Bei aller Kalkulation sind die Männer, die im übertragenen Sinn mit dem Motorrad zwischen den Beinen groß geworden sind, offen für alle Eindrücke, Ideen und vor allem Menschen.

Zum Jahreswechsel wird Robby Josephs wieder in Burtscheid sein und in seiner Stammkneipe, dem „Kapellchen“, viele Geschichten erzählen können. Anekdoten, Erlebnisse und wohl auch Abenteuer, die ihm selbst in der Rückschau vielleicht eher normal vorkommen werden, den „normalen“ Aachenern aber bestimmt ganz abenteuerlich.

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