„Lebensraum Aachen“: Top-Engagement vor der eigenen Haustür

Von: Carolin Cremer-Kruff
Letzte Aktualisierung:
9407697.jpg
Zehn spannende und erfolgreiche Jahre: Vorsitzender Hans-Joachim Geupel blickt auf viele Projekte der Bürgerstiftung „Lebensraum Aachen“ zurück. Viele neue Aktivitäten gibt es ebenfalls, darunter die Thermalwasserroute und Friedensprojekte. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der Blick auf diesen Kontostand würde die meisten wohl in maßloses Entzücken versetzen: 165.000 Euro und ein paar Gequetschte. Auf diese stolze Summe beläuft sich das derzeitige Stiftungskapital der Bürgerstiftung „Lebensraum Aachen“.

Der 1. Vorsitzende Hans-Joachim Geupel macht auch nicht gerade einen unglücklichen Eindruck. Er lässt jedoch durchblicken: „In Anbetracht unserer zahlreichen Aktivitäten könnte es deutlich mehr sein. Dass Stiftungen Geld ohne Ende zufließt, ist ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält.“

Dennoch haben Geupel und seine mittlerweile über 100 „Mitstifter“ in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte in der Kaiserstadt auf die Beine gestellt – dabei waren nicht allein finanzielle Mittel ausschlaggebend, sondern auch bürgerschaftliches Engagement, Begeisterung und nicht zu vergessen: gute Kontakte. Wirklich reich gemacht hat sie etwas ganz anderes: die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, spannende Projekte und das aktive Gestalten der eigenen Heimat. Und das eigentliche „Kapital“ der Stiftung sind streng genommen die unbezahlbaren Ideen der Stifter selbst.

Verliebt in die Region

Der lange Atem hat sich gelohnt, denn 2015 gibt’s was zu feiern: Die Aachener Bürgerstiftung, die sich selbst das Motto „Schmetterlinge im Bauch…verliebt in die Region!“ auf die Fahnen schreibt, wird zehn Jahre alt. Die neue Ära wird direkt mit einem Tapetenwechsel eingeläutet: Denn die neuen Büroräume der Bürgerstiftung befinden sich nun in der Frankenburg.

Von der absolut Unbekannten hat sich die konfessionsneutrale und parteiübergreifende Aachener Bürgerstiftung peu à peu zu einer festen Größe in vielen Sparten des städtischen Lebens entwickelt. Insbesondere in den Bereichen Jugend- und Altenhilfe, Bildung, Erziehung, Kunst und Kultur sowie Landschaftspflege und Denkmalschutz hat das unermüdliche Engagement der Stiftung bleibende Spuren hinterlassen. Die Ideengeber und Gründungsstifter Brigitte Erm und Hubert Schramm fingen im Jahr 2004 bei Null an: Der Gedanke zur Gründung einer Bürgerstiftung war bereits geboren. Um diesem Leben einzuhauchen, mussten jedoch erst einmal 50.000 Euro Grundkapital zusammengetragen, Ziele festgelegt, weitere Stifter gefunden und eine Satzung formuliert werden. Am 17. Juni 2005 war es dann amtlich: Die Bürgerstiftung „Lebensraum Aachen“ wurde von 80 Aachener Bürgern gegründet. Das „Bürgerstiftungs-Gütesiegel“, das vom Bundesverband der Deutschen Stiftungen vergeben wird, gab’s gleich mit dazu.

Geupel erzählt, dass Bürgerstiftungen in Deutschland immer beliebter werden, da sie Projekte häufig unbürokratischer angehen können als Politik und Verwaltung. „In den USA gibt es solche Stiftungen unter dem Namen ‚Community Foundation’ schon seit mehr als 100 Jahren“, so Geupel, der ebenfalls zu den Gründungsstiftern gehört. Die Motivation ist klar: Es geht darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „In unserer Bürgerstiftung finden sich größtenteils gut situierte Menschen, die in stabilen Familienverhältnissen leben. Sie wollen in erster Linie dort helfen, wo Missstände vorherrschen oder akute Hilfe nötig ist“, erklärt Geupel. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: Die Stifter können selbst ein Projekt initiieren, die Stiftung kann von anderen Organisationen als Plattform genutzt werden oder bereits bestehende Förderprojekte von dritter Seite können finanzielle Hilfe bei der Bürgerstiftung beantragen.

So konnten in der vergangenen Dekade jede Menge Projekte realisiert werden. „Uns ging es von Anfang an um nachhaltige und langfristige Projekte – am besten für die Ewigkeit“, betont Geupel. Den Startpunkt bildete 2005 das Projekt „Lebensbaum“, bei dem Eltern für ihr neugeborenes Kind einen Obstbaum pflanzen können, der schließlich Schritt für Schritt in die Obhut der Kinder übergeben wird. Über 200 Bäume wurden so bis heute auf drei Arealen in Aachen gepflanzt. Aber auch andere Projekte haben bleibenden Eindruck hinterlassen. So etwa die Initiative „Gripsgymnastik“, die von dem mittlerweile 86-jährigen emeritierten Physikprofessor Dieter Starke und Dr. Brigitte Beier seit vielen Jahren organisiert wird. Beide besuchen in regelmäßigen Abständen sieben Aachener Seniorenheime und trainieren mit den Bewohnern ihre grauen Zellen. Starke hat seine Erfahrungen und Aufgaben mittlerweile in dem Buch „Die neuen Alten“ niedergeschrieben. Mit dem Stipendienprogramm „START“ wiederum konnten bis heute 15 engagierte Schüler mit Migrationshintergrund bis zum Abitur mithilfe von Bildungsgeld, technischer Ausrüstung und Bildungsseminaren unterstützt werden.

Ein anderes Projekt steht noch in den Startlöchern und könnte in Zukunft für reichlich Furore in der Kaiserstadt sorgen. Denn die Bürgerstiftung möchte eine „Thermalwasserroute“ einrichten, die auf die Idee einer fachkundigen Bürgergruppe aus Aachen zurückgeht. An zehn Örtlichkeiten in der Aachener Innenstadt und in Burtscheid, die einen Bezug zum Thermalwasser haben, möchten sie die unterirdischen Quellen auf verschiedene Weise „sichtbar“ machen. Geupel spricht gar vom „Ersten Aachener Straßenmuseum“. „Die Ausschüsse der Stadt Aachen hat das Projekt bereits erfolgreich passiert. Nun warten wir noch auf die Bewilligung der Fördergelder“, so Geupel. Wenn alles klappt, kann es dieses Jahr losgehen. An der Burtscheider Rosenquelle konnte bereits 2013 mithilfe der Aachener Bürgerstiftung ein oberirdisches Quellhaus mit einer integrierten Medienstation geschaffen werden.

Friedensthema im Fokus

Geupel ist inzwischen sozusagen zum „Friedensstifter“ avanciert. Seit der Organisation des jüngsten Projekts „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“ hat ihn das vielschichtige Thema in seinen Bann gezogen. Dieses möchte er auch in Zukunft weiter verfolgen und gerade Kinder und Jugendliche für dieses Thema begeistern. Zum Beispiel sollen mit dem Projekt „Willkommen für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge“ konkrete Hilfestellungen angeboten werden. Auch steht ein sogenanntes „Friedenscamp“ in Aachen auf Geupels Wunschliste, in dem Jugendliche aus verschiedenen Staaten Europas in den Sommerferien für eine Woche zusammenkommen, um über das Thema „Frieden“ zu diskutieren. „Es ist noch viel mehr Bewegung möglich, am besten natürlich mit weiteren Stiftern und mehr Unterstützung aus der Aachener Wirtschaft. Denn für jedes Projekt ist zeitliche, sachliche und finanzielle Unterstützung nötig“, so der Appell des 1. Vorsitzenden.

Und so werden er und seine Mitstreiter sich auch in Zukunft nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern weiter unaufhaltsam Klinken putzen – für Aachen und seine Bürger.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert