Aachen - Lebensräume der Stadt unterm Brennglas

Lebensräume der Stadt unterm Brennglas

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Legt die zweite detaillierte Sozialraum-Analyse vor: Dr. Gerrit Köster hinterlässt den Planern ein umfassendes „Erbe“. Foto: Schmitter

Aachen. 26 Jahre lang war Professor Dr. Gerrit Köster einer der wichtigsten Ansprechpartner in städtischen Diensten, wenn es darum ging, gesellschaftspolitische Probleme und Perspektiven auf kommunaler Ebene zu analysieren und zu bewerten.

Spätestens zum Jahresende darf der studierte Wirtschaftsgeograf, Jahrgang 1950, selbst einer „Spezies“ zugeordnet werden, der sein Augenmerk stets in besonderem Maße galt: den Rentnern. Die städtische Leitstelle „Älter werden in Aachen“ hat Köster maßgeblich aufgebaut und mit Leben gefüllt.

Und: Wenn es darum geht, soziale Strukturen und Strömungen in (fast) allen Facetten sozusagen unter die wissenschaftliche Lupe zu nehmen, hat er fundamentale, vielfach zukunftsweisende Erkenntnisse zutage gefördert.

Dergestalt würdigten Oberbürgermeister Marcel Philipp und Sozialdezernent Professor Dr. Manfred Sicking Kösters langjähriges Engagement am Montag gleich in doppelter Hinsicht. Denn der verlässt seinen Schreibtisch zum Jahresende nicht, ohne mit dem zweiten Sozialentwicklungsplan für die Stadt Aachen eine 170 Seiten umfassende Dokumentation vorzulegen, die die Situation in den einzelnen Stadtvierteln anhand einer Vielzahl wesentlicher Faktoren in den Blick nimmt.

Spätestens seit die erste Auflage der Analyse im Jahre 2009 präsentiert wurde, gilt das Werk bundesweit als beispielgebende Diskussions- und Handlungsgrundlage für kommunalpolitische Entscheidungsträger, unterstrich Sicking.

In 60 Bereiche aufgeschlüsselt

„Inzwischen haben wir gelernt, die Erkenntnisse, die uns der Sozialentwicklungsplan mit Hilfe einer Fülle von Kennzahlen an die Hand gibt, konkret zu nutzen“, erklärte OB Philipp. Als entscheidende Impulsgeber für die Arbeit „vor Ort“ sind mittlerweile unter anderem zehn sogenannte Stadtteilkonferenzen eingerichtet, vier Anlaufstellen für „Quartiersmanagement“ wurden geschaffen.

Mit der neuen Studie werden nun im Ganzen 60 einzelne „Lebensräume“ zwischen Walheim und Vetschau in den Fokus gerückt. Erstes Fazit: Immerhin rund 82 Prozent der Aachener leben demnach in Milieus, die „von ihrer sozio-ökonomischen Struktur her als unproblematisch zu bezeichnen sind“. Zugrunde gelegt wurden dabei nicht weniger als 54 „Indikatoren“ wie Beschäftigungsquote, Migrantenanteil, demografische Entwicklung, innere Sicherheit oder Bildung.

So wurden im Ganzen fünf unterschiedliche „Stadtteil-Typen“ identifiziert. Als besonders „stabil“ gelten demnach erwartungsgemäß vor allem der Südraum, aber auch die Stadtbezirke Haaren und Eilendorf. Die City und der Aachener Westen sind durch eine hohe Zahl junger Einwohner und Migranten gekennzeichnet.

Als äußerst heterogen und mithin in Bezug auf soziale Gesamtsituation und Bevölkerungsstruktur teilweise kritisch zu bewerten gelten die Bereiche rund um die Jülicher Straße sowie Rothe Erde, Forst, Driescher Hof, Kronenberg und Preuswald. Als „Problemgebiete“ werden schließlich insbesondere die Quartiere im Umfeld von Ostfriedhof und Panneschopp bezeichnet.

„Besonderes Augenmerk sollten Politiker und Planer folglich den letztgenannten Stadtgebieten widmen, ohne dabei die Förderung weniger problematischer Viertel zu vernachlässigen“, betonte Köster. Die wesentlich beteiligten städtischen Dezernate sollen daher nun gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, einschlägigen Dienststellen der Städteregion und Polizei eine „Austausch-Plattform“ schaffen, um das weite Feld der sozialen Prozesssteuerung gemeinsam zu beackern und neue strategische Ziele zu formulieren.

Reichlich Diskussionsstoff also auch und vor allem für die städtischen Politiker: Im Dezember soll der (ab Donnerstag) druckfrische Sozialentwicklungsplan in den Ratsausschüssen vorgestellt werden. Im Frühjahr findet eine große Konferenz mit allen maßgeblich Beteiligten statt.

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