Lebenshilfe und Gewoge bieten Behinderten selbstständiges Wohnen

Von: Kathrin Albrecht
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Freuen sich aufs neue Zusammenleben: Melanie Müller (links) und Nadine Dubois (rechts) mit Monika Winand von der Lebenshilfe. Foto: Steindl

Aachen. „Melanie kann es kaum erwarten, sie sitzt zu Hause praktisch schon auf gepackten Koffern“, erzählt ihre Mutter Anne Müller. Tochter Melanie Müller ist eine Mieterin, die im Rahmen des betreuten Wohnens der Lebenshilfe Aachen Anfang September ihre neue Wohnung im ehemaligen Übergangswohnheim der Stadt Aachen in der Schagenstraße beziehen wird.

Vor zwei Jahren kaufte die Aachener Wohnungsgesellschaft Gewoge das Wohnheim, um es unter anderem zu seniorengerechten Wohnungen umzubauen. Im Verlauf des Umbaus kam die Gewoge auch auf die Lebenshilfe zu. „Wir haben uns über dieses Angebot sehr gefreut“, sagt Hilde Bärnreuther von der Lebenshilfe, „denn es ermöglicht Menschen mit Behinderung, ein ebenso selbstständiges Leben zu führen, wie es Menschen ohne Behinderung tun.“

In Haus Nr. 120 richtet die Lebenshilfe ein Service-Büro ein. Dort wird ein Betreuungsteam vor Ort für die Bewohner ansprechbar sein. „Damit gewährleisten wir für die Bewohner auch ein Maß an Sicherheit, dass jemand da ist, wenn es Probleme gibt. Inklusion gelingt nur dort, wo es gut vorbereitete Strukturen gibt.“ Auch wenn das betreute Wohnen ähnlich organisiert ist wie die Wohnverbände, sollen die Bewohner weitgehend auf eigenen Füßen stehen, sie richten die Wohnungen selbst ein, entscheiden, mit wem sie zusammenleben möchten. Und sie tragen die Kosten selbst. „Die Bewohner sind ordentliche Mieter“, betont Monika Winand, Leiterin des Fachbereichs Wohnen der Lebenshilfe.

Sechs der 22 Wohnungen stehen der Lebenshilfe zur Verfügung, insgesamt 15 Personen können in Wohngemeinschaften dort zusammenleben. So soll im Block Nr. 120-124 ein inklusives Wohnangebot für den gesamten Stadtteil entstehen. Außerdem gibt es ein Wohn-Café, das als offener Treffpunkt nicht nur den Anwohnern, sondern auch den in Brand ansässigen Vereinen offen stehen soll. Gerne würde die Lebenshilfe im Block auch eine Zweigstelle der Bücherinsel St. Donatus einrichten, aber es fehlt noch ein Raum.

Neben Melanie Müller wird auch Nadine Dubois dort einziehen. Sie wird in einer Zweier-WG mit einer Freundin wohnen, die sie schon seit Schulzeiten kennt. „Ich habe schon früher zu ihr gesagt, wir sollten später zusammen eine WG gründen. Jetzt kann ich gar nicht glauben, dass wir das wirklich machen.“ Beide haben bislang noch zu Hause bei ihren Eltern gewohnt. Wie es ist, in den eigenen vier Wänden zu leben, haben die beiden jungen Frauen einige Wochen in einer Trainingswohnung der Lebenshilfe ausprobiert. Melanie Müller hat hier auch ihre Mitbewohnerin Alina Pfeifer kennengelernt. Und Melanie und Nadine sind durch eine gemeinsame Sportgruppe inzwischen Freundinnen geworden. Sie freuen sich darauf, dass sie zukünftig Nachbarinnen sind.

Doch im Moment stecken die beiden noch mitten in den Vorbereitungen. Anne Müller freut sich mit Melanie auf diesen wichtigen Schritt im Leben ihrer Tochter: „Das Konzept ist toll, die Mädchen wohnen nicht so isoliert wie in einem Wohnverbund, sondern haben Kontakt zu anderen Bewohnern. Die Probezeit in der Trainingswohnung ist auch super verlaufen. Ich habe als Mutter ein sehr gutes Gefühl.“ Auch Nadine hat für ihre Wohnung noch nicht alles zusammen: „Ein Kleiderschrank fehlt mir noch.“

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