Lebenshilfe Aachen fordert Wiederförderung von Frauenbeauftragten

Von: Svenja Pesch
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Aachen. Wenn man etwas verbessern will, braucht man Willen, der allen Widerständen trotzt. Und Widerstände begegnen Andrea Bongard auf ihrem Weg einige. Die 34-Jährige ist Frauenbeauftragte bei den Werkstätten der Lebenshilfe. Eine von wenigen. Gerade 14 ausgebildete Frauenbeauftragte bundesweit und lediglich zwei in Nordrhein-Westfalen kümmern sich um die Belange von Frauen in Behindertenwerkstätten und Wohnheimen.

Und das, wo doch die viel gepriesene Inklusion nicht nur in aller Munde ist, sondern auch per Gesetz beschlossen ist. Seit 2001 ist die „Werkstätten-Mitwirkungsverordnung“ niedergeschrieben, was bedeutet, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf einen Werkstattrat haben und im internen Geschehen mitbestimmen können.

Dazu gehört die Ausbildung einer Frauenbeauftragen. Bis 2011 wurden die Schulungen und Seminare für die Ausübung dieser Tätigkeit mit Fördermitteln vom Land begünstigt. Doch das Projekt wurde nicht fortgesetzt.

Für Andrea Bongard heißt das im Klartext: keine Förderungen, keine Weiterbildungen. Und bundesweit wird es auch nur bei den ohnehin wenigen Frauenbeauftragten bleiben.

Ein Unding, das betont auch Norbert Zimmermann, Lebenshilfe-Werkstätten-Geschäftsführer: „Wir fordern, dass auf politischer Ebene die Ausbildung von Frauenbeauftragten wieder gefördert wird.

Die Menschen müssen qualifiziert werden, schließlich sollen sie als Menschen mit Behinderung die Belange und Probleme ihrer Mitmenschen und von sich selbst durchsetzen und weiterverfolgen. Als Selbstvertreter müssen sie gestärkt werden.“

Bongard hat einmal wöchentlich eine Sprechstunde, zu der die Frauen kommen können. Die Probleme sind dabei ganz unterschiedlicher Art: „Manchen helfe ich dabei, eine höhere Lohnstufe zu erhalten, eine andere Frau habe ich zum Frauennotruf begleitet und wieder andere haben einfach nur Fragen zu einem anstehenden Urlaub oder so“, erzählt Bongard.

Das niedrigschwellige Angebot findet bei den Frauen großen Zuspruch. Eine Bestätigung für Bongard und ihre Arbeit. Gemeinsam mit Zimmermann hat sie deshalb politische Instanzen kontaktiert. Mit schwachem Erfolg. „Wir werden es an die entsprechenden Stellen weiterleiten“ – zumindest für dieses Jahr sind die Chancen einer Wiederaufnahme des Projektes gleich null.

Die Lebenshilfe hat da sogar noch Glück gehabt. Durch eine Spende des „Soroptimist International Club Bad Aachen“ ist die Ausbildung der Frauenbeauftragten gesichert. Für Zimmermann eine Erleichterung, wobei er ergänzt: „Die Unterstützung von Soroptimist ist fantastisch. Sie leisten Hilfe auch im ideellen Bereich. Dennoch haben wir in dem Gebiet der Inklusion noch eine Menge dicker Bretter zu bohren.“

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