Aachen - Leben in zwei Kulturen: Schreibwerkstatt für Migrantinnen

Leben in zwei Kulturen: Schreibwerkstatt für Migrantinnen

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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„Die fassungslose Brille“: Migrantinnen haben in der Schreibwerkstatt der Werkstatt der Kulturen ein Buch über ihre Erfahrungen in der fremden Kultur geschrieben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ihre Heimat ist in der Türkei, in Peru oder in Kolumbien. Ihr Zuhause ist Aachen. Bei manchen erst seit wenigen Jahren, bei anderen bereits seit der Kindheit. Was sie vereint, ist das Leben in zwei Kulturen, das eine Menge Herausforderungen bereithält. Denn in dem neuen Land sind nicht nur alle Menschen erst einmal fremd, auch die neue Sprache muss gelernt werden.

Zwölf ehemalige Teilnehmerinnen eines Integrationskurses haben ihre Geschichte und das, was sie bewegt, in dem Projekt „Schreibwerkstatt“ in der Werkstatt der Kulturen niedergeschrieben. Entstanden ist das Buch „Die fassungslose Brille“ mit vielen bunten Erzählungen. Gefördert und gefordert wurden sie von Uli van Odijk. Die Schriftstellerin hat durch gezielte Übungen die Frauen zu Autoren gemacht: „Anfangs haben wir über alle möglichen Themen diskutiert, wozu anschließend Texte geschrieben wurden. Ich habe diese korrigiert, und gemeinsam haben wir daran weiter gearbeitet. Durch das viele Reden und Schreiben konnten die Teilnehmerinnen ihren Wortschatz erweitern“, so van Odijk.

Ankommen und Loslassen

Grammatik stand dabei ebenso auf dem Plan wie das Reden über ganz alltägliche Dinge. Inhaltlich rückten aber vor allem Themen in den Fokus, mit denen die Frauen in ihrem Leben konfrontiert sind: dem Ankommen in Deutschland, den Fragen, was man in der Heimat zurückgelassen hat oder auch wie die eigenen Kinder in zwei Kulturen aufwachsen. Schnell stellten van Odijk und die Leiterin der Werkstatt der Kulturen, Heike Keßler-Wiertz, fest, dass das Niedergeschriebene nicht nur untereinander gelesen werden, sondern für jedermann erhältlich sein sollte.

Dank der finanziellen Unterstützung von „Soroptimist International“ konnte ein Buch aufgelegt werden. Gut zwei Jahre lang hat die Gruppe daran gearbeitet –und davon auch profitiert, wie Rosa Heinen erzählt: „Ich komme aus Kolumbien und wohne seit über zehn Jahren in Deutschland. In der Schreibwerkstatt habe ich viel gesprochen und gelernt, was mir in meinem Beruf, bei meiner Familie und in meinem ganzen Alltag zugutekommt.“

Das Pilotprojekt wird nächstes Jahr fortgesetzt. Dann wird auch Gülcan Sevim wieder dabei sein. Ihre ganz persönliche Geschichte handelt von den Vorteilen, die ihre Kinder haben. Zweisprachig aufgewachsen, kennen sie sowohl die eine als auch die andere Kultur und können Weihnachten und Geburtstag ebenso feiern wie ihre traditionellen türkischen Feste.

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