Leben für die Kirche und Domsingschule

Von: David Grzeschik
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Gründer der Domsingschule: Dr. Rudolf Pohl feiert am Mittwoch seinen 90. Geburtstag. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Dr. Rudolf Pohl steht in der Chorhalle des Aachener Doms. Er deutet auf die Engelgestalten an den Pfeilern. Versucht ihre Bedeutung zu erklären. Stellt Bezüge zu seinem eigenen Leben her. Einem Leben, das der Kirchenmusik verschrieben war und ist.

„Ja, man könnte eine Menge erzählen“, schließt Pohl den gemeinsamen Termin. Recht hat er. Am Mittwoch vollendet Pohl sein 90. Lebensjahr – und kann anlässlich des runden Geburtstags auf ein bewegtes Leben zurückblicken.

Der Theologe und Kirchenmusiker, Jahrgang 1924, hat sich die Kirchenmusik, die Musica Sacra, wie er selbst sagt, zur Lebensaufgabe gemacht. Schon 1935 wurde der damals Zehnjährige Mitglied des Domchores. Die Leitung hatte Theodor Bernhard Rehmann, dessen Nachfolger Pohl später werden sollte. 1942 schied Pohl aus dem Domchor aus und wurde kurze Zeit später zum Kriegsdienst bei der Luftwaffe eingezogen. „Der Krieg war eine schreckliche Zeit“, hakt der 90-Jährige das Thema schnell ab. 1945 kam Pohl in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit reifte sein Entschluss, Theologie zu studieren und Priester zu werden.

Geweiht wurde Pohl schließlich im Jahre 1951. Schon wenig später wurde er von seiner Gemeinde in Krefeld zurück nach Aachen geholt. „1954 hat mich das Kapitel an den Dom gerufen und mir den Auftrag erteilt, den Knabenchor wieder aufzubauen“, erklärt Pohl.

Frühe musikalische Ausbildung

Gesagt, getan. Pohl gründete die Domsingschule, wie sie bis heute erhalten ist – zunächst nur für ein 3. und 4. Schuljahr, ab 1969 auf vollständige vier Jahre ausgelegt. Mit ihr garantierte Pohl eine frühestmögliche musikalische Ausbildung seiner späteren Knaben. Parallel dazu nahm er das Studium der Musikwissenschaften auf, in dem er später auch promovierte. „Mein Doktorvater an der Universität in Bonn war damals Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst“, sagt Pohl ein wenig stolz.

Aber auch viele Konzertreisen prägten Pohls Zeit als Domkapellmeister – darunter einige in den damaligen Ostblock und nach Israel. In Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte, sang der Domchor unter Pohls Leitung als erster deutscher Chor. Nicht zuletzt dafür bekam Pohl im Jahr 2002 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

Bis 1986 sangen unter Pohls Leitung exakt 948 Jungen im Domchor. In seiner Arbeit als Domkapellmeister war für ihn die Beibehaltung des kunstvollen Singens Hauptaufgabe. Die Musica Sacra sah er „als singenden Menschen vor Gott. Die in der Feier der heiligen Mysterien erklingenden Stimmen des Chores dienen zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung der Gläubigen“, führt der 90-Jährige seine Intention aus, die auf das Zweite Vatikanische Konzil zurückgeht. Die Musik sei als Geschenk Gottes zu betrachten.

Nach 1986 ging Pohl für zehn Jahre nach Rom, wo ihn der damalige Papst zum Präsidenten des kirchenmusikalischen Fachverbandes am Apostolischen Stuhl (Consociatio Internationalis Musicae Sacrae) ernannte. Parallel begann er mit der Arbeit an Büchern. Auf eintausend Seiten hat er die Werke des damaligen Aachener Domkapellmeisters Johannes Mangon (+1578) in moderne Notenschrift übertragen und in drei Bänden herausgegeben.

Zuletzt hat sich Pohl zurückgezogen – im Ruhestand befindet er sich aber keineswegs. 2002 gründete Pohl die Rudolf-Pohl-Stiftung zur Förderung von Domsingknaben durch eine Beihilfe zum Instrumentalunterricht. Pohl lebt zurückgezogen in einem Haus in Belgien, sein Gartenzaun bildet die deutsch-belgische Grenze. Ob 90 Jahre, fast ein ganzes Jahrhundert, schnell vergangen seien? Pohl überlegt nicht lange. „Wahnsinnig schnell.“

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