Lautstarker Protest gegen die Mieterhöhungen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Demonstration: Rund 300 Studierende zogen am Dienstag vom Markt durch die Stadt bis zum Pontwall, wo das Studierendenwerk seinen Hauptsitz hat. Der Protest richtet sich gegen angekündigte Mieterhöhungen. Foto: Michael Jaspers
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Sozialer Wohnungsbau? 367 Euro Miete sind den Studierenden auf jeden Fall zu hoch.
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Studiwerk abschalten: Die Demonstranten nahmen Anleihen bei der Anti-Atombewegung.

Aachen. Moritz schlief – dank neongrünen Gehörschutzes – friedlich in seinem Kinderwagen. Die Trillerpfeifen, Sprechchöre und laut wummernden Bassbeats aus den großen Boxen auf dem Dach eines alten Golfs ließen das neunmonatige Baby gänzlich unberührt.

Seine Mutter Lucia Kienzle war Teil der rund 300 Studierenden starken Demonstration gegen die Erhöhung der Wohnheimpreise durch das Studierendenwerk (StW). Bis zu 37 Prozent mehr will das StW ab sofort für Neuverträge, für bestehende Mietverhältnisse ab Januar 2017 kassieren. Gefallen lassen wollen sich Lucia Kienzle und die anderen das allerdings nicht.

Demo vom Markt zum Pontwall

Dementsprechend deftig waren die Sprüche auf den Schildern und Stoffbannern, die die Studierenden vom Markt aus am Super C vorbei zur Mensa durch die Straßen trugen: „Nur den Profit bedacht, Studenten zu Geldsklaven gemacht“ hatten einige auf eine sieben Meter lange Plane gesprüht, „übermotiviert, unterqualifiziert“, „Studiwerk abschalten“ und „Studierendenwerk – transparent wie 10 Meter Beton“ war auf Pappschildern zu lesen.

Besonders oft beklagten die Demonstranten die nach eigenem Bekunden oft auf Jahre hinausgeschobenen Renovierungen und Sanierungen. Karen Neumann, Sprecherin des Studentendorfes, berichtete vom Haus 1 mit 24 Wohnheimplätzen: Am 31. Oktober 2010 mussten die Bewohner ausziehen, weil gesundheitsgefährdender Schimmel in den Zimmern entstanden ist, die Sanierung war für April 2011 geplant.“ Über sechs Jahre später sei jetzt mit der Sanierung begonnen worden. „Das sind fünf Starttermine, elf Gutachten und 300.000 Euro verpasste Mieteinahmen – und die damaligen Bewohner sind bereits alle mit ihrem Studium fertig“, meinte Neumann. Und das seien eben keine Einzelfälle, sondern komme in allen Anlagen vor.

Auch Elif Carman, wohnhaft in den Studententürmen, wusste von defekten Aufzügen, Türöffnern und Klingelanlagen zu berichten: „Kein Zuckerschlecken, wenn man im 17. Stock wohnt.“ Die Sanierung der Türme sei gar von 2013 auf mittlerweile 2022 verschoben worden. „Ich stehe auf faire Mieterhöhungen, aber ich finde es nicht fair, mehr zu zahlen, obwohl die Zustände zunehmend schlechter werden“, rief sie am Super C ins Mikro und widersprach damit auch dem Vorwurf des Studierendenwerkes, „dass sich die Vertreter der Bewohner prinzipiell gegen Mieterhöhungen ausgesprochen hätten“.

Neben verbesserten Wohnverhältnissen wünschen sich die Bewohner vor allem auch mehr Transparenz im und Informationen vom Studierendenwerk. Weder die pauschalen Nebenkosten von 78 Euro pro Wohneinheit würden gegenüber den Wohnheimsprechern oder Bewohnern aufgeschlüsselt noch vorgelegte Bauzeit- und Investitionspläne eingehalten. Die Verwaltungsratssitzungen seien seit vergangenem Jahr auf Bestreben des Studierendenwerkes nicht öffentlich. Dass die Stimmung zwischen Studierenden und Studierendenwerk belastet ist, wurde auch bei der Ankunft des Protestzuges an der Mensa Academica am Pontwall, zugleich Verwaltungssitz des StW, deutlich: Die wenigen Mitarbeiter, die einen Fensterplatz bezogen hatten, wurden mit Buh-Rufen begrüßt.

Bei der Kundgebung vor dem Haus achtete der Sicherheitsdienst peinlich darauf, dass die Protestierenden auf dem Bürgersteig blieben und nicht die Linie zum Grundstück des Studierendenwerkes übertraten.

Niemand aus dem Studierendenwerk suchte das Gespräch mit den Wohnheimbewohnern.

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