Laternen aus: Die Stadt will Strom sparen

Von: Oliver Schmetz
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Teures Licht: Die Kosten für die Straßenbeleuchtung in Aachen – hier in der Rudolfstraße – haben sich seit 1999 auf 3,6 Millionen Euro verdoppelt. Bei der Verwaltung prüft man nun Einsparpotenziale. Mancherorts könnten bald zeitweise die Laternen ausbleiben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer bei sich daheim Strom sparen will, macht am besten öfter mal das Licht aus. Zum Beispiel in Räumen, in denen sich gerade niemand aufhält. In einer Stadt ist das zwar schwieriger als in einer Wohnung – man weiß schließlich nie genau, wer sich wo aufhält –, aber im Grunde läuft es auf das gleiche Muster hinaus.

Weil sich die Kosten für die Straßenbeleuchtung seit 1999 von 1,8 auf 3,6 Millionen Euro pro Jahr verdoppelt haben, stellt die Stadtverwaltung gerade mit der Stawag konkrete Überlegungen darüber an, wann, wo und wie man in Aachen öfter mal die Lichter ausknipsen kann.

Totalabschaltung eher „kritisch“

Und dazu gibt es schon einige konkrete Ideen, die der Politik in der nächsten Sitzung des Mobilitätsausschusses am Donnerstag, 19. Mai (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor), präsentiert werden. Am meisten einbringen würde – rein finanziell betrachtet – aus Sicht der Verwaltung eine vollständige Nachtabschaltung im Stadtgebiet, beispielsweise zwischen 1 und 4 Uhr.

Dies „könnte erheblich Kosten einsparen“, heißt es in der Vorlage für die Politik. Allerdings dämmert auch den städtischen Planern, dass der Preis für die Sparerfolge ein zu hoher sein könnte. Mit „Problemen in Hinblick auf die Verkehrssicherheit und die öffentliche Sicherheit“ sei dies sicherlich verbunden, heißt es in dem Papier, weswegen eine „Akzeptanz bei der Bürgerschaft“ wohl eher „kritisch zu sehen“ sei.

Intelligentere Lösungen müssen also her, zu denen nach Ansicht der städtischen Experten eine pauschale „Ausdünnung“ der Beleuchtungskörper – also etwa das Abschalten jeder zweiten Lampe – auch nicht unbedingt gehört. Negative Auswirkungen bezüglich der Wahrnehmung von Gefahren im Straßenverkehr seien auch hier nicht auszuschließen, heißt es.

Mehr Strahlkraft erhofft man sich da von der Idee, es gezielter so richtig Nacht werden zu lassen – also nur in einigen Ecken Aachens. Die Stawag hat eine Liste von Straßen für eine mögliche Nachtabschaltung zwischen 1 und 5 Uhr vorgelegt. Dunkel blieben demnach künftig unter anderem Berliner Ring und Krefelder Straße, Schurzelter Straße und Charlottenburger Allee, Schlossparkstraße und Preusweg. Wie viel das einträgt, weiß man noch nicht. Die genaue Kostenersparnis müsse für jede Anlage separat ermittelt werden, heißt es in der Vorlage.

Konkret berechnet hat man dagegen bereits, was eine „Brennstundenreduzierung“ um nur 15 Minuten täglich bedeutet: satte 20.000 Euro Einsparung pro Jahr. Allerdings sei dies aus Gründen der Schulwegsicherheit besser nur im Sommerhalbjahr zu empfehlen, meint die Verwaltung. Und auch die Abschaltung „entbehrlicher“ Lampen – diese hat man bei nächtlichen Begehungen entdeckt – könnte sich rechnen. Alleine im Stadtteil Richterich könnten so 3800 Euro pro Jahr gespart werden, wenn man in der Grünenthaler Straße, der Horbacher Straße und im Wohngebiet Schönauer Friede ein paar Lichter löscht.

18.000 Euro sind es auf dem Pariser Ring, wo man seit über zwei Jahren auf einem Abschnitt, auf dem Radfahrer separat geführt werden, der Natur der Nacht ihren Lauf lässt – ohne dass notorische Schwarzseher in düsteren Vorahnungen bestätigt worden wären: Es habe weder Unfälle noch Bürgerbeschwerden gegeben, zieht die Verwaltung dort ein positives Fazit.

Leuchtendes Sparbeispiel

Ein besonders leuchtendes Sparbeispiel könnte aber auch das Dimmen sein. Glänzende 118.000 Euro Einsparpotenzial haben die städtischen Experten für den Fall errechnet, dass zwischen 22 und 5 Uhr die Leuchtkraft der Laternen spürbar gesenkt wird. Nachteil: Dafür muss erst einmal umgerüstet werden, weswegen sich die Maßnahme je nach Lampentyp erst nach zweieinhalb bis sechs Jahren amortisiert. Weil dies aber zumindest auf lange Sicht dazu beitragen könnte, dass für die Stabilität des städtischen Etats vielleicht eine Kerze weniger im Dom angezündet werden muss, will man die Idee weiterverfolgen.

Und nicht zuletzt wird aus Gründen der Sparsamkeit empfohlen, künftig einfach billigere Lampen einzukaufen. Denn die dekorativen Sonderleuchten, die die Stadt in den vergangenen Jahren zu Hunderten insbesondere im Pfalzbezirk, am Templergraben und in der Adalbertstraße installiert hat, sind in Anschaffung, Betrieb und Wartung doppelt so teuer wie normale Laternenmaste – womit der glanzvoll schöne Schein einen düsteren Schatten auf die städtischen Bilanzen wirft.

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