Lateinamerika einmal komplett anders

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Kornelimünster. Lateinamerikanische Musik wird ja gern mal mit dem Wort Lebensfreude in Verbindung gebracht.

Da passte es gut, dass Anne Thormählen bei der Begrüßung zum Konzert in der ehemaligen Reichabtei in Kornelimünster die Stimmung mit einem Witz auflockerte. Wenn auch unfreiwillig. Mit Blick auf die an den Wänden hängenden Gemälde halbnackter Männer (geschaffen von Künstler Cornelius Völker) sagte die Vorsitzende der Kulturinitiative Kornelimünster (KiK) also: „Und hinten, da hängen noch Meerschweinchen.” Weil das aber in den Ohren der Besuchern wie „Und hinten, da hängen noch mehr Schweinchen” klang, war das Gelächter groß.

Ebenso wie der Zuspruch. Zu zwei Konzerten mit Judith Konter (Querflöte), Vicente Bögeholz (Gitarre), Tom Morrison (Viola) und Thomas Rademacher (Viloncello) hatte die KiK eingeladen. Beide Vorstellungen waren mit 80 Gästen ausverkauft. Es war wohl auch die Neugier, die die Besucher in Scharen zum Konzert trieb. Denn erstens ist die instrumentale Besetzung in dieser Zusammenstellung ziemlich rar, und zweitens gab es nicht das zu hören, was landläufig unter dem Begriff lateinamerikanische Musik subsumiert wird.

„Paseos. Ein musikalischer Streifzug durch Lateinamerika” hatten die vier Musiker - die sich seit Jahren kennen, mit den Konzerten ihr gemeinsames Debüt gaben - das Programm getauft. Und es führte in weitgehend unbekanntes Terrain. Mit „Café 1930” von Astor Piazzolla zum Beispiel. Nicht umsonst gilt der Argentinier als Begründer des „Tango Nuevo”, einer Gegenbewegung zum traditionellen „Tango Argentino”. Als nahezu untanzbar gelten Piazzollas Kompositionen, es ist Musik zum Zuhören. Und hörenswert ist der Dialog, den Gitarre und Viola bei dabei eingehen, allemal.

Auch Heitor Villa Lobos wurde Tribut gezollt. „Assobio a játo” mit der wunderbar lockenden Querflöte, die klingt wie ein Vogel am frühen Morgen und dabei auch die schrillsten Töne nicht ausspart, ließ erahnen, warum der Brasilianer als einflussreichster Klassik-Komponist seines Landes gilt. Mit „Paseos” aus der Feder des Mexikaners Eduardo Angulo bewießen die Musiker dann, dass sich nahezu Triviales mit Monumentalem durchaus verbinden lässt. Und dass das Ganze dann noch harmonisch klingt.

Ein weiterer Beweis war ebenfalls erbracht. Vicente Bögeholz hatte in der Pause, bevor das Quartett mit Stücken von Rádames Gnattali, Pascal Jugy, Carlo Domeniconi und Owen Middelton den fulminanten Schlussakkord setzte, gesagt, dass es ihnen auch darum ginge, „zu zeigen, dass die lateinamerikanische Musik genauso reichhaltig und vielfältig ist wie die europäische”. Das gelang. Insgesamt keine leichte Kost, aber ein musikalischer Genuss weitab gängiger Klischees.
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