Laschet will auf den letzten Metern punkten

Von: Robert Esser
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Ein Burtscheider auf dem Chefsessel? Armin Laschet sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Ministerpräsidentin Kraft. Doch am Ende werde er die Nase vorn haben, ist Laschet überzeugt. Foto: Steindl/Video: Cichowski Foto: Steindl/Video: Cichowski

Aachen. Familie Laschet ist groß in Mode. 27.600 sogenannte Follower zählt Johannes „Joe“ Laschet auf seinem Profil der Foto-Plattform Instagram. Imposant. Da stellt der Sohn des CDU-Spitzenkandidaten Armin Laschet die neuesten Fashion-Trends vor.

Ein Vorbild. Das Interesse wächst. Was auch für seinen Vater gilt – vor allem seitdem der Aachener in Nordrhein-Westfalen in die Rolle des Ministerpräsidenten schlüpfen will. Für Laschet ist Hannelore Kraft ein Auslaufmodell.

Kopf-an-Kopf-Rennen

„Ernstzunehmende Meinungsforschungsinstitute sagen bei aktuell 32 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und SPD voraus“, erklärt Laschet. „Auf den letzten Metern wird die Union vorne liegen, davon bin ich überzeugt. Die Menschen wollen den Politikwechsel in NRW“, betont der 56-jährige Familienvater. „Aber jetzt kommt es auf jede einzelne Stimme an.“

Auch wer am 14. Mai der FDP, die mit rund zwölf Prozent ganz sicher in den Landtag kommt, seine Stimme gebe, riskiere damit, „dass der Union womöglich die entscheidenden Prozentpunkte fehlen könnten, um die nächste Landesregierung führen zu können“, warnt Laschet. Seine Söhne Johannes (28) und Julius (22) studieren, Tochter Eva (25) ebenfalls. „Da bleibt man automatisch auch an den Sorgen der jungen Generation dran“, sagt Laschet.

Bildung und Innere Sicherheit sind entscheidende Wahlkampfthemen für die Union – generationsübergreifend. Nicht nur auf den Plakaten landauf, landab. „Auf die steigende Kriminalität, die vielen Einbrüche – in NRW mehr als in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zusammen – werde ich auf der Straße am häufigsten angesprochen“, erklärt Laschet. Das geht ihm auch an diesem Tag vor und nach dem Interview mit unserer Zeitung in Burtscheid so.

Hier ist er aufgewachsen. Geboren im Marienhospital, Clara-Fey-Kindergarten, katholische Grundschule Michaelsbergstraße, Jugendarbeit in der Pfarre St. Michael – das prägt. „Da war ich lange im Kirchenchor von St. Aposteln, geleitet von Heinz Malangré. Dessen Tochter Susanne war auch im Chor. Und ich habe da nicht gesungen, weil ich so besonders musikalisch talentiert war“, lächelt Laschet. 1985 heiraten Susanne und Armin Laschet.

 

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„Ein Glück bis zum heutigen Tag“, erklärt Laschet strahlend über drei Jahrzehnte später. Nach seinem Abitur 1981 am Bischöflichen Pius-Gymnasium Aachen hatte er Rechts- und Staatswissenschaften in München und Bonn studiert, legte 1987 das erste juristische Staatsexamen ab. Bodenständigkeit, Heimatverbundenheit – das sei ihm wichtig. Auch nachdem er Ende der Achtziger als jüngster Ratsherr mit 28 Jahren in den Aachener Stadtrat eingezogen war, blieb er seinem Wohnort in der Nähe des Branderhofer Weges treu.

Daran änderte sich nichts in seiner langen politischen Laufbahn. Als Europaparlamentarier, Bundestagsabgeordneter und im Landtagskabinett von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ab 2005 als Deutschlands erster Integrationsminister. Der Chef der NRW-CDU logiert in Aachen. Das will er auch als Ministerpräsident so halten. Wobei die Wege – gerade im Wahlkampf – lang sind. NRW ist groß. Um etwa bei einem Termin in Oelde in den Hubschrauber von Kanzlerin Angela Merkel zu steigen, müssen erstmal einige hundert Kilometer im Dienstwagen zurückgelegt werden.

„Nicht nur wegen der fast täglichen Strecke nach Düsseldorf weiß ich natürlich, was auf den Straßen in NRW alles falsch läuft. Man muss wegen ausufernder Staus stundenlange Zeitpuffer einplanen“, klagt Laschet. Das müsse alles viel besser organisiert werden – ganz abgesehen von den vielen Straßenbauprojekten, die wegen fehlender Planung in Nordrhein-Westfalen auf Eis liegen, obwohl der Bund dafür hunderte Millionen Euro bereitgestellt habe. Der wirtschaftliche Schaden sei kaum zu beziffern.

SMS von der Kanzlerin

Mitverantwortlich dafür sei sicher, dass NRW-Ministerpräsidentin Kraft kaum einen Draht nach Berlin habe, sagt Laschet. Das ist bei ihm natürlich anders. Schon wegen Kanzlerin Angela Merkel.„Wir kommunizieren via SMS, wir telefonieren viel – und man spricht persönlich miteinander, das ist enorm wichtig“, betont Laschet. Zu Kanzleramtsminister Peter Altmaier pflegt er ein enges freundschaftliches Verhältnis. Altmaier kommt deswegen auch schon mal nach Burtscheid zu den Laschets nach Hause. Abendessen. Am 13. Mai, am Tag vor der Landtagswahl, kommt Kanzlerin Merkel selbst zum Wahlkampfabschluss in die Kaiserstadt. Frühstück. Dann will Laschet ihr seine Heimat präsentieren – auf dem Abteiplatz, am Jonastor, vor Tausenden jubelnden Anhängern ab 11 Uhr. Das sollte noch einmal einen deutlichen Schub bringen.

Das Debakel von 2012

Denn das Debakel von 2012, als der gestandene Politiker Laschet seinen Wahlkreis Aachen II (Süd) an die junge SPD-Kandidatin Daniela Jansen verlor, soll sich nicht wiederholen. Mit 34,1 Prozent war Laschet 4,2 Prozentpunkte hinter der Sozialdemokratin gelandet. „Damals war die Stimmung eine völlig andere. Das Direktmandat hängt immer auch vom Bundestrend ab – so war das schon 1994, als ich das Bundestagsmandat gegen Ulla Schmidt gewonnen habe. Und so war es bei der Abwahl Kohls vier Jahre später, als ich den Wahlkreis verloren habe. 2017 gewinnen wir, ganz sicher“, zeigt sich Laschet selbstbewusst und zuversichtlich.

Die Freiheiten der Hochschulen stärken, die Wirtschaft in NRW voranbringen, bürokratische Hürden von Rot-Grün einreißen, die Innere Sicherheit stärken, Schleierfahndung einführen („Bei acht von zehn Kontrollen liegen die Polzisten richtig und schnappen Kriminelle, nur in NRW dürfen sie nicht“), Hygieneampel abschaffen („Dieses Bürokratiemonster bringt überhaupt keine hygienischen Vorteile“) und vieles mehr hat sich Laschet auf die Fahnen geschrieben.

„Ich will nicht, dass NRW das Schlusslicht der Bundesrepublik Deutschland bleibt. Das muss aufhören“, sagt er. Es gebe so viel zu tun. Und deswegen bleibt für private Vorlieben wenig Zeit. Etwa für den „Tatort“ im Ersten am Sonntagabend, oder die Fußballbundesliga. Alemannia-Fan Laschet nimmt‘s sportlich. „Alle Energie stecken wir in unser Ziel, am 14. Mai die Landtagswahl zu gewinnen“, stellt er noch einmal klar. Und billigt sich nicht zu, schon an Urlaub zu denken.

Im italienischen Umbrien, am Bodensee und an der holländischen Küste spannt er am liebsten aus. Aber nicht jetzt. Gerade für seine Heimatstadt wäre es sicher ein großer Vorteil, wenn der nächste Ministerpräsident aus Aachen käme, glaubt Laschet. Die Hochschule mit dem großartigen RWTH Campus auf Melaten und dem von Düsseldorf sträflich vernachlässigten Campus West benötige dringend mehr Aufmerksamkeit. Gleiches gelte für seinen Lieblingsfußballklub Alemannia Aachen. Es soll endlich nach Pleiten, Pech und Pannen aufwärts gehen. Genauso wie NRW.

Damit will Armin Laschet punkten – und mehr als eine Modeerscheinung sein.

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