Aachen - Langzeitpflege in Haus Hörn: Kleine Dinge erlauben Teilhabe am Leben

Langzeitpflege in Haus Hörn: Kleine Dinge erlauben Teilhabe am Leben

Von: Jeannette Curth
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Gute Laune gehört zum Alltag: Das Team der Langzeitpflege in Haus Hörn will den Bewohnern möglichst weit gehende Teilhabe am Leben ermöglichen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Manchmal sind es ganz kleine Dinge, die einen enormen Wert bekommen. Das gemeinsame Pizzabacken, das Grillfest, der gemeinsame Filmtermin.

 Dabei geht es gar nicht um italienische oder deutsche Kochkunst, es geht um das gemeinsame Erleben, um das Stück Normalität. Um Alltag. Ein hohes Gut für die Bewohner von Haus Hörn, die in der Einrichtung in der intensiven Langzeitpflege leben. 26 Frauen und Männer finden in der entsprechenden Abteilung des Hauses auf der Hörn zurzeit ihr Zuhause. Im Grunde lassen sich die Bemühungen der entsprechenden Experten in einem kurzen Satz zusammenfassen: „Wir möchten die Menschen wieder am Leben teilnehmen lassen.“ Jeanette Curth und Michael Moczyk wissen um die Bedeutung dieses Satzes. Jeanette Curth ist Pflegedienstleiterin des gesamten Hauses Hörn, Michael Moczyk leitet die Intensive Langzeitpflege. Und beide wissen um ihre Klientel: schwerkranke Menschen.

Die Intensive Langzeitpflege ist eine Facette des Angebotes von Haus Hörn an der Ahornstraße. Betreutes Wohnen, die Seniorenbetreuung und vor allem die Hospizarbeit sind primäre Markenzeichen. Doch die Menschen, die der Intensiven Langzeitpflege bedürfen, werden immer mehr.

Medizinischer Fortschritt

Das ist dem medizinischen Fortschritt zu verdanken. Früher sind die Menschen nach schwerwiegenden medizinischen Vorfällen gestorben. Dies kommt zum Glück immer seltener vor.

Doch für das Personal in Haus Hörn ist auf diesem Weg in den vergangenen Jahren eine neue Herausforderung entstanden. Ein multiprofessionelles Team aus Pflegekräften, Ärzten, Ergo-, Physio- und Sozialtherapeuten nimmt diese Herausforderung an und kümmert sich derzeit um die 26 Bewohner, von denen 20 in Einzel- und sechs in Doppelzimmern leben. Auf die weitere Behandlung durch bekannte Vertrauensärzte braucht niemand zu verzichten. Vor gut einem Jahr ist die Abteilung komplett saniert worden. Wo kein natürliches Licht Flure und Gemeinschaftsräume erhellt, sorgt künstliche Beleuchtung für helle Akzente. In den Zimmern können die Bewohner beziehungsweise deren Angehörige persönliche Gegenstände platzieren, um eine vertraute Atmosphäre zu erzeugen.

Der pensionierte Allgemeinmediziner Dr. Walter Hartmann ist Vorsitzender des Aufsichtsrates von Haus Hörn und kennt die verschiedenen Krankheits- und Pflegebilder der Intensiven Langzeitpflege: „Im Gegensatz zur Hospizarbeit mit ihrem absehbaren Ende ist bei der Langzeitpflege das Ende offen. Immer wieder kommt es vor, dass Bewohner in weniger spezialisierte Einrichtungen oder nach Hause ziehen können, weil sich ihr Zustand gebessert hat. Aber im Gegensatz dazu lebt ein Bewohner bereits seit 17 Jahren in Haus Hörn.“ Medizinisch spreche man von „erworbenen Hirnschäden“, also Krankheitsbildern wie einem Schlaganfall, einem Wachkoma oder Menschen ohne funktionierende eigene Atmung oder Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt seien.

In einer dem Krankheitsbild angepassten Form gilt aber für alle ein gemeinsamer Grundsatz: möglichst große Teilhabe am Leben, Suche und Nutzung noch vorhandener Ressourcen, Wiedergewinnung an Lebensqualität und damit auch an Lebensfreude.

Neben allen medizinisch-therapeutischen Bemühungen rücken die sozialtherapeutischen Angebote in den Vordergrund: Strick- und Spielegruppen, Karnevalsfeiern, Pizzanachmittage und Grillfeste, Kinonachmittage im eigenen Raum, soweit möglich sogar Besuch im Cineplex oder auf dem Tivoli.

Signale über andere Kanäle

„Für Menschen im Wachkoma macht es Sinn, an diesen Angeboten teilzunehmen. Sie nehmen Signale über andere Kanäle auf und zeigen über ein Lächeln oder einen entspannten Gesichtsausdruck eine Reaktion“, berichtet Jeanette Curth von ihren Erfahrungen. Ganz wichtig sei dabei die Strukturierung des Tages. Während die Bewohner der Langzeitpflege früher ausschließlich im Bett lagen, sollen sie dieses heute möglichst oft verlassen, auch um den natürlichen Tag- und Nacht-Rhythmus nicht zu verlieren. Die Patienten sind dabei zwischen 20 und 80 Jahre alt.

Eine wichtige Rolle kommt den Angehörigen und Freunden als fester Bezugsgröße zu. Sie werden möglichst weitgehend in die Tagesgestaltung einbezogen, selbstverständlich können die Bewohner der Langzeitpflege zu Ausflügen oder Familienfeiern abgeholt werden. Kleine Bausteine, die aber genauso das große Gesamtziel verfolgen: Teilhabe am Leben.

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